Ärzte Zeitung, 08.05.2009

Fibromyalgie: Licht am Ende des Tunnels

Interdisziplinärer Ansatz in Kombination mit Pregabalin sowie Physio- und Psychotherapien

FRANKFURT AM MAIN (ej). Für das Fibromyalgie-Syndrom wird seit Jahren nach den pathologischen Hintergründen gesucht. Derzeit scheint eine zentrale Verarbeitungsstörung in Strukturen des Rückenmarks und des Gehirns ein richtungsweisender Erklärungsansatz zu sein.

Über das Fibromyalgie-Syndrom wird wie über kaum eine andere chronische Schmerzkrankheit noch immer heftig diskutiert. Charakteristisch ist eine pathologische Schmerzüberempfindlichkeit in mehreren Körperregionen, häufig begleitet von psychologischer Komorbidität. "Dafür ursächlich könnten Verarbeitungsstörungen in bestimmten Strukturen des Gehirns und Rückenmarks, die so genannte zentrale Sensitivierung, sein", so Professor Thomas Tölle aus München beim Deutschen Schmerztag in Frankfurt am Main. Als weiterer Mechanismus zur Auslösung der Übererregbarkeit gilt ein Funktionsverlust der zentral gesteuerten absteigenden Nervenbahnen der körpereigenen Schmerzhemmung.

Die Therapie ist multimodal. Sport wirkt positiv.

Konsens ist bereits heute, dass Patienten mit Fibromyalgie-Syndrom multimodal behandelt werden müssen, wie in den 2008 veröffentlichten interdisziplinären AWMF-S3-Leitlinien hervorgehoben wird. Außer der medikamentösen Therapie sind Physio- und Psychotherapien notwendig. Derzeit gibt es in Europa noch kein Medikament, das zur Therapie bei Fibromyalgie zugelassen ist. "Ich hoffe sehr, dass die anstehende Prüfung der EMEA bei Pregabalin positiv verläuft", so Tölle bei einem von Pfizer unterstützten Symposium.

Er verwies darauf, dass der Wirkstoff durch Bindung an die Alpha-2-delta-Untereinheit der Kalziumkanäle in Nervenzell-Membranen den Kalzium-Einstrom und die Ausschüttung von Neurotransmittern wie Substanz P und Glutamat hemmt. "Aufgrund seiner neurobiologischen Wirkung scheint Pregabalin (Lyrica®) eine Substanz mit einer weiten Indikation bei komplexen Schmerzbildern aufgrund zentraler Sensitivierung zu sein", betonte Tölle. Wer kann, sollte außerdem Ausdauersport wie Joggen betreiben, da dies die Beschwerden sehr positiv beeinflussen kann. Lesen Sie auch:
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