Ärzte Zeitung, 07.03.2016

Forschung

Oxytocin stillt Schmerz auf doppelte Weise

Das Neuropeptid Oxytocin hemmt Schmerz offenbar sowohl zentral als auch peripher.

HEIDELBERG. Forscher haben im Gehirn ein "Schmerz-Kontrollzentrum" identifiziert. Dort kooperieren zwei verschiedene Typen Oxytocin-produzierender Nervenzellen und unterdrücken so den Schmerz gleich doppelt: Oxytocin blockiert die Weiterleitung von Schmerzreizen im Rückenmark und hemmt gleichzeitig die Schmerzempfindung in der Körperperipherie, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums, des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit Mannheim und des Exzellenzclusters CellNetworks.

Im Hypothalamus produzieren zwei verschiedene Arten von Nervenzellen Oxytocin. Die magnozellulären Oxytocin-Neuronen speisen das Neuropeptid über die Hypophyse in die Blutbahn ein und versorgen. Die Aufgabe der parvozellulären Oxytocin-Neuronen war noch nicht genau verstanden.

Die Wissenschaftler entdeckten an Ratten einen Bereich im Hypothalamus, der als Schmerz-Kontrollzentrum funktioniert (Neuron 2016; online 3. März). Nur etwa 30 parvozelluläre Oxytocin-produzierenden Nervenzellen orchestrieren dort die schmerzhemmende Wirkung des Neuropeptids.

Die kleine Gruppe der neu entdeckten Neuronen trete bei akuten Schmerzen oder Entzündungen in Aktion: Unter diesen Bedingungen aktivieren sie die magnozellulären Oxytocin-produzierenden Neuronen im benachbarten supraoptischen Nukleus des Hypothalamus. Das löst die die Oxytocin-Ausschüttung in die Blutbahnen aus und lindert dadurch diffus die Schmerzempfindung, die über periphere Nervenzellen vermittelt wird, heißt es in der Mitteilung.

 Auf der anderen Seite reichen die Neuronen des Schmerz-Kontrollzentrums mit langen Ausläufern bis in tiefe Schichten des Rückenmarks. Dort speisen sie das Neuropeptid exakt an der Stelle des ZNS ein, wo die Intensität der Schmerzwahrnehmung weitergeleitet wird.Die neu entdeckten Neuronen hemmen den Schmerz also auf doppelte Weise: Ein schneller schmerzstillender Effekt entsteht durch Filtern des Schmerzreizes im ZNS. Etwas länger dauert es, bis das ins Blut ausgeschüttete Oxytocin die Schmerzempfindung lindert. (eb)

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