Ärzte Zeitung, 26.06.2013

Migräne-Prophylaxe

Nadeln statt Arznei

Akupunktur hilft, die Häufigkeit von MigräneAttacken zu mindern und die Schmerzintensität bei Anfällen zu reduzieren.

KREFELD. "Akupunktur kann in den beschwerdefreien Intervallen sehr gut zur Migräne-Vorbeugung eingesetzt werden", erinnert Dr. Curt Beil vom Berufsverband Deutscher Neurologen (BDN) mit Sitz in Krefeld.

Die prophylaktische Wirkung sei mit der Wirkung vorbeugender Medikamente vergleichbar und daher eine wirksame Alternative, wird Beil in einer Mitteilung des BDN zitiert.

Weil Medikamente gegen Migräne oft Nebenwirkungen hätten und manchmal selbst Ursache für anhaltende Kopfschmerzen sein könnten, wenn sie übermäßig eingenommen werden, sei die Anwendung anderer Therapieverfahren bei chronischen Kopfschmerzen auf jeden Fall zu empfehlen.

Um positive Effekte bei der Vorbeugung von Migräne zu erzielen, sei eine klassische, chinesische Nadel-Akupunktur ähnlich wirkungsvoll wie die so genannten Sham-Akupunktur-Verfahren, so der BDN.

Bei der Sham-Akupunktur werden die Nadeln nicht exakt auf den traditionellen Akupunktur-Punkten aufgesetzt und auch nicht so tief in die Haut gestochen. Neben der Akupunktur seien auch Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, und Biofeedback wirksame Alternativen zur Vorbeugung von Migräne.

Zur Linderung akuter Migräne-Attacken eignet sich Akupunktur hingegen nicht, da der Effekt nur sehr gering ist.

15 Sitzungen im Schnitt nötig

Auch zur Vorbeugung von Spannungskopfschmerzen hat sich die Heilmethode aus der traditionellen chinesischen Medizin als wirksam erwiesen. Bei Cluster-Kopfschmerzen hingegen helfen die Akupunktur-Nadeln nicht, sondern können sogar die Schmerzattacken erst auslösen.

"Grundsätzlich ist es daher sehr wichtig, dass zunächst neurologisch abgeklärt wird, welche Kopfschmerzform vorliegt, damit diese auch gezielt behandelt werden kann", empfiehlt Beil.

Bei der Akupunktur wegen Migräne wird in der Regel zweimal in der Woche therapiert. Eine Sitzung dauert 20 bis 30 Minuten. Im Mittel sind rund 15 Akupunktur-Sitzungen nötig, wobei erste Erfolge meist nach der Hälfte der Sitzungen eintreten.

In extremen Einzelfällen kann es erst nach 30 bis 40 Behandlungen zu einer dauerhaften Besserung kommen. Einige Monate nach Beendigung der Therapie sollte eine Auffrischungsbehandlung mit wenigen Akupunktur-Sitzungen erfolgen, um den Langzeiterfolg zu sichern, so der BDN.

Für die Akupunktur bei Migräne übernähmen die gesetzlichen Krankenkassen jedoch keine Kosten.Unter chronischer Migräne und chronischen Spannungskopfschmerzen leiden drei bis fünf Prozent der Bevölkerung. Frauen sind insgesamt häufiger von diesen Leiden betroffen. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »