Ärzte Zeitung online, 05.09.2016

Kopfweh bei Schülern

Ärzten fehlt oft die Aufmerksamkeit

Drei von vier Schülern brummt regelmäßig der Schädel. Eine Aktion geht in die Schulen und gibt Tipps zur Vorbeugung von Kopfschmerzen.

Von Anno Fricke

Ärzten fehlt oft die Aufmerksamkeit

Unterschätzt? Die meisten Schüler leiden regelmäßig unter Kopfweh.

© forestpath / fotolia.com

BERLIN. Viele Schüler haben wie selbstverständlich Kopfschmerztabletten im Ranzen. Das geht aus einer Umfrage unter Siebtklässlern hervor, deren Ergebnisse am Montag in Berlin vorgestellt wurden. Geantwortet hatten 1102 Teilnehmer.

Demnach leiden knapp 74 Prozent der Jugendlichen an Migräne oder Spannungskopfschmerzen. Davon wiederum nehmen drei Viertel regelmäßig Schmerzmedikamente ohne ärztliche Verordnung. Weniger als ein Drittel der Betroffenen weiß um die Diagnose.

Schrottschussprinzip gegen Kopfschmerzen

Sie handeln nach dem Schrotschussprinzip und nehmen ein, was da ist: ASS, Paracetamol oder Ibuprofen. "Die meisten haben kein Konzept und keinen Namen für ihre Kopfschmerzen", sagte Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel.

Erstmals lägen nun repräsentative Zahlen zur Prävalenz von Kopfschmerzen unter Jugendlichen vor, sagte Göbel. Die Versorgung sei demnach nicht ausreichend.

"Es gibt keine Krankheit im Nervensystem, die sich leichter diagnostizieren lässt als Kopfschmerzen", sagte Göbel. Weil das Thema im Medizinstudium zu kurz komme, fehle es den behandelnden Ärzten aber oft an der Aufmerksamkeit für die Schmerzen der jungen Patienten.

Schmerzmedizin ab 2017 Pflichtteil des Medizin-Studiums

Dass Schmerzmedizin ab 2017 verpflichtend in den Kanon des Medizinstudiums aufgenommen werde, werde die Versorgung perspektivisch verbessern, sagte Göbel. Leichtere Verläufe von Migräne und Spannungskopfschmerzen könnten überwiegend in den Hausarztpraxen aufgefangen werden.

Es fehle zudem aber an spezialisierten fachärztlichen Schmerzpraxen.

Gemeinsam mit der Lehrerin Karin Frisch vom gemeinnützigen Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen (Zies gGmbH) in Frankfurt hat Göbel die "Aktion Mütze - Kindheit ohne Kopfzerbrechen" ins Leben gerufen.

Aktion gibt Tipps gegen die Entstehung von Kopfschmerzen

Diese stellt Schulen Unterrichtsmaterial zur Kopfschmerzprävention zur Verfügung. 21 gesetzliche Krankenkassen unterstützen das Projekt bislang mit rund 2,5 Millionen Euro. Im ersten Jahr haben 38.000 Kinder teilgenommen. Wegen des Interesses soll das Programm nun bis Ende 2018 weitergeführt werden.

Es besteht aus drei Schulstunden in der 7. Klasse. "Durch die Unterrichtseinheit lernen Schüler, Eltern und Lehrer, wie sie durch Veränderungen im Alltag der Betroffenen Kopfschmerzen wirksam vorbeugen können", erklärte Frisch.

Dazu gehöre regelmäßiger Schlaf, Bewegung, regelmäßige kohlenhydratreiche Mahlzeiten und ein bewusster Umgang mit Medien.

Für die Lebensperspektiven der Jugendlichen ist die Prävention von Kopfschmerzen nicht banal. Die Schmerzen beeinflussten die Aufmerksamkeit im Unterricht und führten zu Fehltagen.

Es gebe Kinder, die mindestens einmal in der Woche wegen Kopfschmerzen Unterricht versäumten, sagten die Fachleute. Der versäumte Stoff müsse zusätzlich zu den aktuellen Inhalten nachgeholt werden. Das schmälere die Freude am Lernen. Die Leistung falle ab, der subjektiv empfundene Leistungsdruck nehme weiter zu.

[07.09.2016, 10:09:44]
T. Frisch ZIES gGmbH 
Präzisierung
Guten Tag,
vonseiten der ZIES gGmbH möchte ich bzgl. folgender Aspekte eine Präzisierung anbringen:
1) Die Förderung durch bislang 21 gesetzliche Krankenkassen beläuft sich noch nicht auf 2,5 Mio. Euro. Die Initiatoren sind mit weiteren potenziellen Förderern im Gespräch.
2) Die zur Verfügung gestellten Unterrichtsmaterialien umfassen drei Doppelstunden oder sechs Schulstunden.
Vielen Dank.
Mit besten Grüßen,
Tobias Frisch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ZIES gGmbH zum Beitrag »
[07.09.2016, 09:20:08]
Wolfgang P. Bayerl 
Schuld sind jedenfalls die Ärzte,
denen fehlt .... irgend etwas zum Beitrag »
[06.09.2016, 15:18:34]
Helmut Ulrich 
Auch psychisch bedingte Kopfschmerzen haben oft einen organischen Übterträger.
Auch wenn der Spannungskopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen zweifelsohne psychisch bedingt ist, hat er oft einen organischen Auslöser.
Beschreibt das Kind oder Jugendlicher oder Erwachsener den Schmerz im Bereich der Schläfe oder der Stirn so gibt es nahezu immer eine sehr druckempfindliche muskuläre Verhärtung unter dem ipsilateralen Mastoid.

Ist die Haut dünn (Kinder oder Jugendlicher) kann man mit 2% Lidocain Spray (Xyloneural) diesen druckempflindlichen Bereich in Seitenlage einsprüchen. Gesicht mit einem Tuch abdecken und die Luft anhalten. Bei Erwachsenen (dicke Haut) evtl. streng subcutan Qaddeln.

15 - 30 Minuten warten. Dann gibt der Patient fast immere eine deutliche Besserung an. Typisch ist auch, daß der Patient angibt - Medikamente würden nicht helfen-. Migräne scheidet aus, denn diese spricht auf Lidocain nicht an. Es ist immer die gleiche Stelle unter dem Mastoid. Dem Patienten Dehnungsübung zeigen. Kopf leicht nach vorne zur Gegenseite geneigt Es muß am Mastoid ziehen und nicht irgendwo im Halsbereich. Mindestdauer 30 Sekunden. Der Patient kann sich dann selber helfen. Geht auch beim Kind.  zum Beitrag »
[06.09.2016, 11:55:16]
Bettina Rees 
Die kohlehydratreichen Mahlzeiten wundern mich auch.
Zumindest bei Migräne kann man mit moderat kohlehydratreduzierter Kost Anfallshäufigkeit bzw. Anfallsstärke sehr schön vermindern. Blöd nur, dass die Patienten dann möglicherweise keine Medikamente mehr brauchen, weil sie einen Migräneanfall nur wahrnehmen, wenn sie ganz aufmerksam in sich hineinhorchen. zum Beitrag »
[06.09.2016, 08:55:56]
Wolfgang P. Bayerl 
Der Quatsch mit "regelmäßig kohlenhydratreiche Malzeit" ist nicht mehr zu überbieten!
Wer so etwas sagt kann kein Arzt sein.
Das ist "Medizin" nach dem Motto, was hast du am liebsten?
1) Fernsehen, Eis, Schokolade.
Gehirn funktioniert auch KOMPLETT zuckerfrei!
Mit kohlenhydratfreier Kost kann man Epilepsie, eine Gehirnerkrankung, behandeln, wenn Medikamente schlecht vertragen werden.
Die Volkskrankheit Nr. 1 ist die zivilisatorisch bedingte Kohlenhydratmast mit nachfolgender Insulinresistenz Übergewicht Diabetes und den Rattenschwanz and kardiovaskulären Folgeerkrankungen.
Und das erschreckende ist der immer frühere Beginn schon bei Kindern. zum Beitrag »

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