Ärzte Zeitung, 23.02.2005

Vor einer Spondylodese tut’s oft auch eine Prothese

Besonders geeignet ist ein Bandscheiben-Ersatz bei isolierter, schmerzhafter Degeneration der Bandscheiben / Studie mit 62 Patienten

CUXHAVEN (ner). Der Bandscheiben-Ersatz mit Prothesen ist nach Meinung von Orthopäden eine etablierte Behandlungsmethode, bevor wegen therapieresistenter Rückenschmerzen zur Spondylodese geschritten werden muß. Bei zuvor operierten Patienten sind die Ergebnisse allerdings nicht sicher vorhersehbar.

Patient vor der Operation mit Abnutzung der Bandscheibe zwischen dem 4. und 5. Lendenwirbel.

Seitliche Aufnahme drei Jahre nach Implantation der Bandscheiben-
prothese.

Derselbe Lendenwirbel-
ausschnitt des operierten Patienten in a.p.-Aufnahme.
Fotos (3): PD Michael Muschik

Nach Spondylodese werden die Nachbarsegmente des versteiften Wirbelsäulenabschnittes meist überlastet und degenerieren vorzeitig. Mit der SB-Charité-Bandscheibenprothese seien inzwischen in mehr als 25 Ländern positive Erfahrungen gesammelt worden, berichten Privatdozent Michael Muschik von der Klinik Weissensee in Berlin und Dr. Ulrich Meergans vom Seehospital Sahlenburg in Cuxhaven.

Die Prothese wurde Anfang der 80er Jahre an der Charité Berlin entwickelt. Mit ihr lasse sich die Beweglichkeit gut erhalten. Die Orthopäden bestätigen dies mit ihrer Untersuchungsserie (Orthopädie & Rheuma 4, 2004, 37).

Sie haben 62 Patienten, denen 68 SB-Charité-Prothesen in die Segmente L4/L5 oder L5/S1 implantiert worden waren, im Schnitt 24 Monate lang nachuntersucht. Bei 47 Patienten bewirkte die Operation eine vollständige oder wesentliche Besserung der Beschwerden. Bei 20 bereits zuvor operierten Patienten seien die Ergebnisse meist weniger gut gewesen, bei fünf von ihnen mußte nach durchschnittlich 18 Monaten die Spondylodese vorgenommen werden. Im Studienzeitraum kam es zu keinen Dislokationen der Prothesen, außer in einem Fall drei Tage postoperativ.

Besonders geeignet für die Prothese seien Patienten mit isolierter, schmerzhafter Degeneration der Bandscheibe. Indiziert sei der Eingriff, wenn alle konservativen Therapien versagt haben sowie bei Rezidiv-Bandscheibenvorfall oder deutlichem Aufbrauchschaden, berichten die Orthopäden. Es sollten nicht mehr als ein oder zwei Bandscheiben betroffen sein.

Außerdem muß diagnostisch sichergestellt werden, daß der Bandscheibenschaden auch tatsächlich Auslöser der Schmerzen ist. Dazu sind MRT-Aufnahmen und gegebenenfalls eine Diskografie erforderlich.

Kontraindiziert ist der Eingriff bei Kindern und Jugendlichen im Wachstumsalter sowie bei Patienten über 60 Jahren. Zudem scheiden Menschen mit Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, Spondylitis, Tumoren oder Frakturen aus. Auch extrem adipöse Patienten können nicht operiert werden, da der Eingriff von ventral erfolgt.

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