Ärzte Zeitung, 17.03.2008

Spinale Schmerzhemmung günstig bei Rückenproblemen

Plädoyer für Myotonolytikum ohne Vigilanzminderung

FRANKFURT/MAIN (ner). Bei akuten Rückenschmerzen gehören Myotonolytika oft zu den Medikamenten der ersten Wahl. Denn 70 bis 80 Prozent der Rückenschmerzen seien funktionell bedingt, und die verspannte Muskulatur sei wesentlich an der Schmerzentstehung beteiligt, sagte Dr. Uwe Junker aus Remscheid beim Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main.

Gerade bei neu aufgetretenen Rückenschmerzen, wenn der psychosoziale Aspekt der Symptome noch weitgehend unklar ist, spielten gut steuerbare Myotonolytika ohne Retardierung eine "fundamentale Rolle", so Junker bei einem vom Unternehmen Bastian unterstützen Symposium. Günstig seien Präparate, die die Vigilanz nicht beeinträchtigten, so dass die Patienten innerhalb eines multimodalen Behandlungskonzepts an einer aktivierenden Verhaltenstherapie teilnehmen können, hieß es.

Der Hirnforscher Professor Walter Zieglgänsberger aus München betonte, dass nur eine schmerzfreie oder schmerzarme Übungsbehandlung Ängste vor Bewegung verhindert und die Motivation zur Veränderung fehlerhafter Verhaltensmuster schafft. Dazu müssten die Patienten wach sein.

Die Substanz Methocarbamol (Ortoton®) bezeichneten die Schmerzexperten als ein Myotonolytikum der Wahl, da die Substanz nicht direkt auf die Muskulatur wirkt, sondern auf spinaler Ebene schmerzhemmende Mechanismen verstärkt. Su-praspinale Wirkungen gebe es nicht, ebenso wenig ein Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzial. Nach Angaben von Junker tritt die Wirkung rasch ein, und die Dosis ist gut an die Schmerzstärke anzupassen, zumal die Substanz außer in Tablettenform auch zur intravenösen Applikation zur Verfügung steht.

Nichtsteroidale Antirheumatika seien bei Rückenschmerzen dagegen nur angezeigt, wenn tatsächlich eine entzündliche Schmerzkomponente vorliege, betonte Junker.

Außerdem kritisierte er eine seiner Ansicht nach zu unkritische Nutzung von Opioiden bei Rückenschmerzen. Oftmals werde nicht ermittelt, ob die Schmerzen überhaupt auf Opioide ansprechen. Der Schmerztherapeut zitierte eine Metaanalyse von Studien bei 500 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, bei denen Opioide in bis zu 24 Prozent zu einem Substanzmissbrauch geführt hätten (Arch Intern Med 146, 2007, 116).

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