Dehnungen und Gips ersparen Kindern mit Klumpfuß die Operation

TÜBINGEN (ars). In der Behandlung von Kindern mit Klumpfuß bahnt sich eine erhebliche Neuerung an: Weg von aufwendigen Operationen hin zur schonenden Ponseti-Methode. Dabei wird der Fuß nach und nach vorsichtig gedehnt und anschließend durch Eingipsen in der jeweiligen Position gehalten.

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Bisher mußten fast zwei Drittel der Kinder mit Klumpfuß große Eingriffe samt Eröffnung der Gelenke und Sehnenverlängerung mitmachen, sagte der Kinderorthopäde Dr. Patrik Reize von der Universitätsklinik Tübingen bei einem dortigen Symposium. Operationen jedoch bergen die Gefahr von Narbenbildung, Gelenksteife und Muskelschwäche.

Dank des Etappen-Gips-Redressement, das seit dem Frühjahr dieses Jahres auch in Tübingen praktiziert wird, brauchen sich nur noch weniger als fünf Prozent der Kinder großen Operationen zu unterziehen, und zwar jene mit hochgradig kurzen, plumpen Füßen und versteiften Bändern.

Die Ponseti-Methode beruht auf genauer Kenntnis von Funktion und Anatomie des Fußes und der biologischen Reaktion von Muskeln und Bändern, wobei Knochenfehlstellungen nicht komplett korrigiert werden, sondern die Funktionsfähigkeit des Fußes im Mittelpunkt steht.

Die Behandlung sollte möglichst in der ersten Lebenswoche beginnen, um die hohe Elastizität der Bänder und Gelenkkapseln bei Neugeborenen zu nutzen. Hierbei wird der Fuß unter dem Sprungbein etappenweise manuell nach außen rotiert, und zwar fünf Wochen lang wöchentlich ein kleines Stück. Jeweils hinterher wird er mit einem Gips fixiert, der von den Zehen bis zum Oberschenkel reicht. So werden in der ersten Phase Hohlfuß und Sichelstellung korrigiert sowie der Rückfuß eingestellt.

Ganz zuletzt wird der Spitzfuß gerichtet. Allerdings gelingt dies selten vollständig, weshalb man meist einen kleinen Eingriff vornimmt: Die Achillessehne wird mit einer kleinen Stichinzision durchtrennt und für drei Wochen wiederum ein Gipsverband angelegt. Wenn sich die Sehne danach in der gewünschten Länge regeneriert hat, sollte der Fuß ein etwas überkorrigiertes Erscheinungsbild haben, damit bei einem Rückfall Spielraum besteht.

Um die Gefahr eines Rezidivs zu minimieren, beginnt ab der neunten Woche die Behandlung mit einer Dennis-Brown-Schiene, einer Querstange etwa so lang wie der Schulterabstand des Kindes, an deren Enden jeweils Schuhe montiert sind. Sie halten den Fuß in einem Winkel von 70 Grad nach außen.

Das mag martialisch aussehen, ist es aber nicht, wie Reize betont. Nach kurzer Eingewöhnung hätten die Kinder gelernt, beide Beine gleichzeitig zu bewegen, sie seien auch sonst in ihren Bewegungen kaum eingeschränkt.

Etwa drei Monate lang müssen sie die Schienen ständig tragen, danach, wenn sie zu krabbeln anfangen bis zum Alter von zwei bis vier Jahren, nur noch nachts. Entscheidend für den Erfolg sei die Mitarbeit der Eltern, sagte der Tübinger Kinderorthopäde.

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