Ärzte Zeitung, 12.05.2004

Balance-Probleme sind Hinweis auf Osteoporose

Einfache Tests helfen, das Frakturrisiko älterer Menschen zu klären / Bei Defiziten hohe Osteoporose-Prävalenz

WIESBADEN (hsr). Mit einfachen Balance-Tests können frakturgefährdete ältere Menschen in der Praxis rasch identifiziert werden. Scheitern sie bei einer Übung, ist zudem die Wahrscheinlichkeit für osteoporotisch veränderte Knochen doppelt so hoch wie bei Menschen ohne ein solches Defizit. Es sollte dann nach einer Osteoporose gefahndet werden, empfiehlt Professor Dieter Felsenberg aus Berlin.

Ursachen für Stürze bei Älteren sind oft eine verminderte Muskelleistung und -koordination. Dabei korreliert die Muskelleistung direkt mit der Knochendichte, wie Felsenberg beim Internistenkongreß in Wiesbaden berichtet hat.

Eine hohe Vorhersagekraft, ob eine Osteoporose vorliegt, hätten daher Balance-Tests, mit denen die Muskelleistung in wenigen Minuten ohne großen Aufwand geprüft werden kann. Das habe eine Studie am Zentrum für Muskel- und Knochenforschung ergeben, sagte Felsenberg, der das Zentrum an der Charité in Berlin leitet.

Im Sommer 2002 bei der "Osteomobil"-Tour durch 20 bundesdeutsche Großstädte sind in Kooperation mit dem Kuratorium Knochengesundheit 1197 über 59jährige Frauen kostenlos untersucht worden. Dabei wurden unter anderen die Sturz-, Fraktur- und Medikamenten-Anamnese erhoben.

Zudem wurden die körperliche Aktivität und Leistungsfähigkeit in Haushalt und Freizeit erfragt sowie die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule und am proximalen Femur gemessen. Studienziel war es, Faktoren von Osteoporose- und Sturzrisiko zu validieren, um Patienten mit erhöhtem Risiko erkennen zu können.

Die Muskelleistung wurde mit drei Balance-Tests geprüft. Dafür müssen die Probanden wenigstens zehn Sekunden mit geöffneten Augen frei stehen und die Füße beim Tandemstand auf eine Linie hintereinander stellen. Beim Semitandemstand werden sie um eine halbe Fußlänge versetzt parallel eng zusammen gestellt. Und beim Rombergstand müssen sie auf gleicher Höhe parallel eng zusammengestellt werden.

"Frauen, die diese Übungen nicht schafften, hatten besonders häufig osteoporotisch veränderte Knochen am proximalen Femur", sagte Felsenberg auf einer Veranstaltung des Unternehmens Gry-Pharma. Die Knochendichte wurde dabei anhand des T-Scores beurteilt.

Dieser beschreibt die Standardabweichung vom Mittelwert der Knochendichte junger gesunder Frauen. Bei Werten unter -2,5 liegt eine Osteoporose vor. Bei Frauen, die einen der Balance-Tests nicht bestanden hatten, hätten sich doppelt so oft T-Score-Wert für Osteoporose ergeben wie bei Personen ohne solche Testdefizite, sagte Felsenberg.

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