Ärzte Zeitung, 08.03.2006

Bisphosphonat schützt die Knochen nach Schlaganfall

Risedronat senkt binnen weniger Monate die Rate von Schenkelhalsbrüchen / Günstige Studiendaten auch zu Frauen mit Alzheimer-Demenz

KÖNIGSTEIN (hbr). Wer einen Schlaganfall hatte oder an der Alzheimer-Krankheit leidet, ist besonders gefährdet, durch Osteoporose verursachte Schenkelhalsfrakturen zu bekommen. Risedronat senkt das Risiko hierfür schnell und deutlich. Das belegen drei neue Studien aus Japan.

Privatdozent Peyman Hadji von der Universität Marburg hat die Studien bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis und Procter & Gamble in Königstein vorgestellt. An der ersten Studie beteiligten sich 280 Männer über 65 Jahre, die nach einem Schlaganfall eine Halbseitenlähmung hatten. Bei solchen Patienten sei das Risiko für eine Hüftfraktur um das zwei- bis vierfache erhöht, so Hadji.

Zu den Ursachen zählt eine zumindest vorübergehende Immobilisation, die eine Knochenresorption und eine Verminderung der Knochendichte zur Folge hat. Außerdem ist die Gangstabilität der Patienten beeinträchtigt. Gleichzeitig haben sie oft einen Vitamin-D-Mangel. Die 280 Teilnehmer der Studie nahmen täglich 2,5 mg des Bisphosphonats Risedronat oder Placebo.

Nach 18 Behandlungsmonaten waren die mit Risedronat behandelten Patienten signifikant im Vorteil: In der Verumgruppe ereigneten sich zwei Hüftfrakturen, in der Placebo-Gruppe hingegen zehn. Das bedeutet nach den Berechnungen der japanischen Wissenschaftler eine relative Risikoreduktion um 81 Prozent.

    Männer und Frauen profitierten ähnlich von Fraktur-Prophylaxe.
   

Der günstige Effekt des Bisphosphonates wurde bei Frauen derselben Altersgruppe nach hemiplegischen Schlaganfall bestätigt. Sie nahmen ein Jahr lang täglich 2,5 mg Risedronat oder Placebo ein. Bei ihnen verringerte der Wirkstoff das Risiko für eine Hüftfraktur um 86 Prozent.

In einer dritten Studie wurde die Wirkung von Bisphosphonat und Placebo bei 500 Alzheimer-Patientinnen verglichen. Nach 18 Monaten mit täglich 2,5 mg Risedronat waren 74 Prozent weniger Hüftfrakturen aufgetreten.

Der Unterschied war signifikant, bereits nach zwei Monaten erkennbar und nahm danach weiter zu. "Das ist für Frauen mit hohem Risiko entscheidend: Die Wirkung muß so schnell wie möglich da sein", betonte Hadji.

Risedronat (Actonel®) ist erhältlich als 5-mg-Tablette zur täglichen Einnahme. Die 35-mg-Tabletten eignen sich zur einmal wöchentlichen Einnahme für Frauen mit Osteoporose in der Postmenopause. Außerdem gibt es Risedronat mit Kalzium in Kombipackungen. Darin enthalten sind eine 35-mg-Tablette Risedronat, die am Tag 1 genommen werden soll, sowie sechs Tabletten mit 500 mg Kalzium für die Tage 2 bis 7.

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