Ärzte Zeitung, 20.12.2005

COX-2-Hemmer wirken peripher und zentral

Spinale Prozesse fördern Schmerzchronifizierung bei Rheuma / Therapie-Optionen etwa NSAR und COX-2-Hemmer

BREMEN (grue). Selektive COX-2-Hemmer wirken nicht nur peripher gegen Schmerzen, sondern auch auf spinaler Ebene. Besonders bei der antirheumatischen Therapie ist es wichtig, die Entzündungskaskade an mehreren Stellen zu durchbrechen.

Bei chronisch entzündlichen Rheumakrankheiten wie rheumatoider Arthritis und Morbus Bechterew werden lokal vermehrt Prostaglandine ausgeschüttet, die zunächst Nozizeptoren in den Gelenken sensibilisieren. Außerdem wird die zentrale Prostaglandinsynthese angekurbelt, weil das periphere Nervensystem entsprechende Signale funkt.

    Auch Zytokine induzieren COX-2.
   

Experimentell ist aber auch bei kompletter sensorischer Nervenblockade eine zentrale COX-2-Induktion nachweisbar, die offenbar humoral durch Zytokine vermittelt wird. "Besonders die Vorgänge auf spinaler Ebene tragen zu einer Chronifizierung der Schmerzen bei", sagte Professor Christoph Baerwald von der Universität Leipzig auf einer Veranstaltung von Pfizer in Bremen.

Bei der Verordnung von Schmerzmedikamenten sollten deren Wirkorte berücksichtigt werden: Lokale Anästhetika und nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) haben ihre Angriffspunkte vorwiegend in der Peripherie; selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib (Celebrex®) und Opioide sind auch zentral gut wirksam.

Welche Schmerzmittel gewählt werden, hänge aber auch von den Begleiterkrankungen des Patienten und mehreren Risikofaktoren ab, sagte Baerwald. Ältere Patienten oder solche mit Ulkusanamnese, Kortison- oder Antikoagulantien-Therapie sind besonders Kandidaten für Coxibe. Patienten mit kardiovaskulären Risiken erhalten eher ein klassisches NSAR.

Bei entzündlichem Rheuma reicht eine Schmerztherapie aber nicht aus, erinnerte Professor Jens Gert Kuipers vom Rheumazentrum Bremen. "Die Patienten brauchen möglichst früh eine Basistherapie, was leider allzu oft hinausgezögert wird".

Dabei seien moderne Präparate wie TNF-alpha-Hemmer bisweilen unerläßlich, etwa bei refraktärem Morbus Bechterew. "Wird in diesen Fällen nur ein NSAR verordnet, ist das eine Katastrophe", sagte Kuipers.

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