Ärzte Zeitung, 09.12.2008

Bei Sklerodermie wird mit dem Mikroskop in die Haut geschaut

Kapillarmikroskopie bei drei Patienten mit systemischem Lupus erythematodes. Das Lumen ist leicht eingeengt. Fotos (3): Dr. Sander, Atlas Kapillarmikroskopie

Kapillarbefund bei Raynaud-Syndrom bietet Hinweis auf Risiko für systemische Sklerose

BERLIN (sir). Bei der Kapillarmikroskopie schaut man mit einem speziellen Mikroskop direkt in die Haut auf die Kapillaren eines Patienten. Sinnvoll ist das vor allem bei Menschen, die ein Raynaud-Syndrom haben: Ihr Kapillarbefund korreliert eng mit der Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Jahren eine Systemische Sklerose zu entwickeln.

"Zur Vorbereitung wird auf die Fingernagelfalz des Patienten ein Immersionsöl aufgetragen, um die Haut transparent zu machen", erklärte Dr. Oliver Sander von der Universitätsklinik Düsseldorf beim Rheuma-Kongress in Berlin. "Man kann etwa 20 Mikrometer tief sehen."

Die Hautkapillaren darunter seien per se nicht sichtbar: "Wir machen eine Art Angiografie, unser Kontrastmittel ist das Blut." Eine spezielle Lichtquelle - ein Kaltlichtring - lasse dieses sichtbar werden. Die Untersuchung könne vom Rheumatologen vorgenommen werden; sie sei nicht-invasiv und schmerzfrei.

Das Lumen ist aufgeweitet.

"Die Nagelfalz ist vor allem wegen der dünnen Haut dafür geeignet", so Sander, "hier lassen sich mehrere Kapillaren nebeneinander über 200 bis 300 Mikrometer in ihrem Längsverlauf darstellen."

Die Methode sei für die Frühdiagnose und Verlaufskontrolle bei Patienten mit Systemischer Sklerose geeignet, sagte Sander bei einem von Actelion unterstützten Symposium.

Ein frühes Zeichen der Systemischen Sklerose sei ja bei vielen Patienten das Raynaud-Syndrom, bei dem sich unter Kälteeinfluss Teile der Hand schneeweiß oder bläulich verfärben.

Nur 1,5 Prozent Menschen mit Raynaud-Syndrom entwickeln eine Systemische Sklerose. Kapillarmikroskopische Befunde wie ausgeweitete "Megakapillaren" oder vermehrte Blutungen aus den Kapillaren erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, in den kommenden fünf Jahren eine Systemische Sklerose zu entwickeln, auf 80 Prozent.

Die Kapillararchitektur bei schwerem SLE ist kaum zu erkennen.

"Weitere Anzeichen sind Angiektasien, Kaliberschwankungen, Verlängerungen und Verdrehungen der Kapillaren, sichtbare Aggregate und schließlich - nach einer Blutung - eine Ausdünnung des Kapillarbestandes", wie Sander auf der Tagung berichtete.

Der "Atlas Kapillarmikroskopie" kann kostenfrei bezogen werden bei Actelion: christine.geppert@actelion.com

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