Ärzte Zeitung, 17.12.2012

RA

Dicke Raucher schaden ihren Gelenken

Rheumaspezifischen Antikörper deuten auf ein hohes Arthritisrisiko. Forscher haben jetzt allerdings herausgefunden, dass der Lebensstil für das Risiko entscheidend ist.

Von Beate Schumacher

dickes-frauchen-A.jpg

Wer zu viele Pfunde hat und zusätzlich raucht, bei dem ist das Rheuma-Risiko besonders hoch.

© Monkey Business/Fotolia.com

AMSTERDAM. Der Nachweis von rheumaspezifischen Autoantikörpern im Serum zeigt ein erhöhtes Risiko für eine rheumatoide Arthritis (RA) an, doch nur bei wenigen Patienten kommt die entzündliche Gelenkerkrankung tatsächlich zum Ausbruch.

Ärzte der Universitätsklinik Amsterdam haben jetzt herausgefunden, dass die Erkrankungswahrscheinlichkeit durch den Lebensstil beeinflusst werden kann (Ann Rheum Dis 2012; online 27. Oktober).

In einer kleinen prospektiven Studie war das 1-Jahres-Risiko von Rauchern fast zehnmal und das von Übergewichtigen fast sechsmal so hoch wie das von Nichtrauchern beziehungsweise schlankeren Personen.

An der Studie beteiligten sich 55 Patienten, die positiv auf IgM-Rheumafaktor (IgM-RF) und / oder Antikörper gegen citrullinierte Proteine (APCA) getestet worden waren, aber trotz gründlicher Untersuchung zunächst keine Anzeichen einer Gelenkentzündung aufwiesen.

Prävention mit Ernährung und Rauchstopp

15 (27 Prozent) entwickelten innerhalb von 13 Monaten eine Arthritis, die bei 14 Patienten die RA-Kriterien der europäischen Rheumaliga erfüllte. Mit 43 Prozent und 38 Prozent war der Anteil der Gelenkpatienten unter den Rauchern und Exrauchern signifikant höher als unter den Personen, die niemals geraucht hatten (5 Prozent).

Die Gruppe der aktiven oder ehemaligen Raucher hatte damit ein 9,6-fach erhöhtes Arthritisrisiko. Als weiterer unabhängiger Risikofaktor erwies sich ein Body-Mass-Index von 25 kg / m2 und mehr, er ging mit einem 5,6-fach höheren Erkrankungsrisiko einher.

Am stärksten gefährdet waren Studienteilnehmer, die sowohl rauchten als auch übergewichtig waren: Von ihnen hatten 60 Prozent innerhalb von 27 Monaten eine Arthritis entwickelt, von den Nierauchern mit Normalgewicht nur 2 Prozent.

Die Studienautoren schließen daraus, dass Lebensstiländerungen bei Menschen, die RF- und / oder APCA-positiv sind, "wichtige Konsequenzen für die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis haben können".

Dies werde auch durch die Ergebnisse einer finnischen Präventionsstudie gestützt: Durch Ernährungsumstellung und Rauchstopp konnte dort nicht nur die Inzidenz von kardiovaskulären Erkrankungen, sondern auch die der rheumatoiden Arthritis gesenkt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hypertonie in jungen Jahren erhöht Risiko für den Nachwuchs

Das Alter, in dem sich ein Bluthochdruck manifestiert, beeinflusst nicht nur die persönliche Prognose eines Patienten, sondern wohl auch das Erkrankungsrisiko seiner Kinder. mehr »

Medienanamese künftig Bestandteil der U-Untersuchungen?

Schon bei Babys und Kleinkindern machen sich die Folgen übermäßigen Medienkonsums bemerkbar. Das geht aus der neuen BLIKK-Studie hervor. Pädiater reagieren besorgt. mehr »

Deutsche überschätzen Ebola-Gefahr und unterschätzen Masern

Im Mittelpunkt medialer Berichterstattung stehen meist große globale Bedrohungen wie Ebola und Zika. Doch Experten haben ganz andere übertragbare Erkrankungen im Visier. mehr »