Ärzte Zeitung, 12.03.2009

Vorsorge lohnt sich für alle - und für manche besonders

Die Auswertung der Fragebögen zum Darmkrebsmonat März hat ergeben: Vorsorge liegt den Kollegen am Herzen. Dabei haben sie im Blick, dass bei Patienten mit speziellen Risiken Überzeugungsarbeit besonders dringend ist.

Von Angela Speth

Die meisten Befragten praktizieren Gleichberechtigung bei der Motivierung, zehn Prozent widmen sich verstärkt Männern wegen deren erhöhten Risikos.

"Machen Sie bei der Beratung zur Darmkrebs-Vorsorge Unterschiede zwischen Männern und Frauen?" Bei dieser Frage kreuzten 87 Prozent der Kollegen an, beide Geschlechter gleich oft zu beraten, zehn Prozent reden besonders Männern zu, ein Prozent konzentriert sich auf Frauen, weil sie den Appell eher befolgen.

Gewichtige Argumente gibt's für jedes Vorgehen, auch dafür, bevorzugt Männer zu motivieren: Sie erkranken etwa doppelt häufig und im Schnitt sechs Jahre früher an Kolon-Ca. Dennoch stellen sie nur etwa 40 Prozent der Teilnehmer bei der Darmspiegelung. Hinzu kommt, dass sie riskanter leben, etwa in puncto Rauchen und Alkoholkonsum.

Welche Risikopatienten werden gezielt auf Darm-Checks hingewiesen? Hier hatten die Kollegen die Option zu Mehrfachnennungen:

  • Jeweils rund 40 Prozent kreuzten an: Patienten mit metabolischen Syndrom und Diabetes. Zu Recht: Deren Darmkrebsrisiko ist im Vergleich zur Normalbevölkerung bis zum Dreifachen erhöht, denn Insulin, ob in frühen Stadien vermehrt gebildet oder als Therapie injiziert, fördert das Wachstum von Zellen, und eben auch von Tumorzellen.
  • 90 Prozent der Kollegen machen besonders Patienten, deren Eltern, Kinder oder Geschwister Darmkrebs hatten, auf Vorsorge aufmerksam. Bei solcher Konstellation ist das Risiko der Angehörigen verdoppelt.
  • 64 Prozent nehmen sich besonders der Patienten mit Colitis ulcerosa an. Mit dieser Krankheit ist das Kolon-Ca-Risiko sechsmal höher als ohne.
  • 44 Prozent richten ihr Augenmerk auf Raucher. Mit gutem Grund: Raucher haben ein doppelt so hohes Adenomrisiko wie Nichtraucher.

Knapp ein Drittel der Kollegen nimmt den Vorteil wahr, den die Aufklärungsaktionen des Frühjahrs ihnen bieten.

In einem Feld für freie Antworten merkten viele Kollegen an, dass sie als Risikopatienten alle (älteren) Menschen ansprechen. Andere nannten: Adenom oder generell Krebs in der Vorgeschichte, Vitamin-D-Mangel, Stuhlunregelmäßigkeiten, Alkoholmissbrauch, Multimorbidität, Gewichtsverlust, Divertikulose oder Reizdarm.

Negativer Test kann positiven nicht verdrängen

Auf die Frage: "Angenommen, der Test auf okkultes Blut im Stuhl (FOBT) fällt positiv aus. Wie gehen Sie weiter vor?" antworteten 16 Prozent der Kollegen, dass sie ihn wiederholen lassen. "Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ein positives Ergebnis unbedingt per Koloskopie abklären", rät Professor Jürgen Riemann aus Ludwigshafen. Zwar sei der FOBT nicht spezifisch für Krebs, da er etwa auch bei Hämorrhoiden oft positiv werde. Aber ebenso gut könne er auf ein Kolonkarzinom hinweisen. Da Polypen oder Adenome nur in Intervallen bluten, würde man sich in falscher Sicherheit wiegen, wenn man den FOBT wiederholt, ein negatives Resultat erhält und daraufhin das erste verdrängt. (ars)

 

Wunschliste

Was sich Ärzte wünschen, damit die Aufgabe der Darmkrebs-Vorsorge leichter wird:
"... Beilagen in den Tageszeitungen, Handzettel zur Mitgabe, Folien für Vorträge, Wartezimmer-Poster, Sendungen im Fernsehen, Aufklärungs-CDs oder -DVDs, Internet-Animationen - da würde ich Zeit sparen. So rede ich mir bei skeptischen Patienten den Mund fusselig!"
"... Infomaterial auf Arabisch, Türkisch, Persisch, Kurdisch"
"... dass mehr Personen der Öffentlichkeit sagen: "Ich mach' Prävention", zum Beispiel Politiker oder der Papst"
"... kürzere Wartezeiten auf den Termin für die Vorsorge-Koloskopie. Die Motivation der Patienten lässt schnell nach"
"... Broschüren von den Gastroenterologen mit Anfahrtsskizzen"
"... Einladungsverfahren der Krankenkassen oder des Gesundheitsamtes wie beim Mamma-Screening"
"... dass die GKV die Kosten für die Vorsorge früher übernimmt, etwa ab dem 40. Lebensjahr"
"... einfachere Dokumentation der Darmkrebsaufklärung"
"... mehr Honorar für das Aufklärungsgespräch"
"... dass man die Motivationsberatung pro Patient mehrfach abrechnen kann - bei Präventionsmuffeln braucht man oft einen zweiten oder dritten Anlauf"
"... entweder einen Malus für die Nicht-Teilnahme an der Vorsorge-Koloskopie oder einen Bonus für die Teilnahme"
"... dass die Kassen die Kosten für die sensitiveren immunologischen Tests übernehmen"
"... dass der Stuhltest auf okkultes Blut auch in den Jahren nach der Koloskopie erstattet wird"
"... jährliche Gesundheits-Checks, denn da kann man Patienten besser aufklären und motivieren"
"... Körbchen mit Tests auf okkultes Blut im Stuhl, aufgestellt in allen Schlecker-, Aldi- und Obi-Filialen, beim Frisör, beim Bäcker"
"... dass die genetische Disposition beim Darmkrebs mehr in den Vordergrund geholt wird"
"... dass in den Köpfen verankert wird: Die Koloskopie verläuft heute schonend und schmerzfrei"
"... mehr Einsicht der Patienten, weniger Angst vor der Koloskopie"
"... nicht-invasive Untersuchungen als Präventions-Standard"
"... dass die Darmreinigung noch einfacher wird"

 

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