Ärzte Zeitung, 30.03.2005

1992: Durch Surfactant blühen Frühchen wieder auf

Auszeichnung in der Kategorie A für Survanta®

Frühgeborener Säugling mit Nasensonde. Bei noch unreifen Lungen fehlt den Säuglingen Surfactant, wodurch die Lungen kollabieren, und zwar in dem Moment, in dem das Ausatmen beendet ist. Foto: Sunlight Medical

Seit dem Jahr 1992, in dem der Galenus-Preis in Deutschland zum achten Mal vergeben worden war, heißt die von der "Ärzte Zeitung" gestiftete Auszeichnung zur Förderung der pharmakologischen Forschung Galenus-von-Pergamon-Preis.

In der Kategorie A dieser Auszeichnung, mit der besonders große Innovationen in der Arzneimittel-Forschung gewürdigt werden und die bisher Claudius-Galenus-Preis genannt worden war, wurde das Medikament Survanta® mit dem Wirkstoff Surfactant ausgezeichnet.

Das Arzneimittel des Unternehmens Abbott, das aus Rinderlungen gewonnen wird, wird Frühgeborenen verabreicht, deren Lungen noch unreif sind. Das Mittel ersetzt die fehlende Surfactant-Substanz. Mit dieser Therapie wird verhindert, daß die Lungen in dem Moment kollabieren, in dem das Ausatmen beendet ist.

Welche Bedeutung der Gewinner des Galenus-Preises schon damals hatte, spiegelt sich eindrucksvoll in dem Statement von Professor Hans Versmold vom Klinikum Steglitz in Berlin, Chairman des Berliner Symposiums aus Anlaß der Verleihung in Berlin, wider: "Die Surfactant-Ära hat heute unwiderruflich begonnen. Es ist die wunderbarste Erfahrung in der Neonatologie gewesen, daß wir Frühgeborene sahen, die mit einer unreifen Lunge im Brutkasten im Sterben lagen, die aber nach der Gabe von Surfactant rosig wurden und aufblühten."

Anfang der 90er Jahre hatten ungefähr 15 Prozent aller Frühgeborenen ein Atemnotsyndrom. Jedes Jahr starben in Deutschland fast 150 Neugeborene an den Folgen dieser Erkrankung.

Nach Ansicht von Professor Ellen Weber, Vorsitzende der Jury für den Galenus-Preis 1992, erlaubten die Ergebnisse der klinischen Prüfungen, die Indikation für Survanta® nicht nur für die Frühphase des Atemnotsyndroms von Frühgeborenen, sondern auch zur Prophylaxe bei Frühgeborenen mit hohem Risiko für die Entwicklung eines Atemnotsyndroms festzulegen.

Im Jahr 1992 gab es erneut keinen Preis der Kategorie B, aber wieder einen Preis in der Kategorie C - eine Medaille und 20 000 DM. Ausgezeichnet wurden zu gleichen Teilen die Arbeitsgruppe um Privatdozent Dr. Axel Stemberger von der Technischen Universität München und Privatdozent Dr. Jörg Weirich aus Freiburg.

Stemberger wurde für die Entwicklung von Sulmycin® Implant geehrt. Das ist ein Antibiotikum zur lokalen Behandlung von Patienten mit Knochen- und Weichteilentzündungen. Das Implantat ist eine Kombination aus Rinderkollagen und Gentamycin. Der Forscher Weirich erhielt die Auszeichnung für seine Forschung über die Frequenzabhängigkeit der Wirkung von Klasse-I-Antiarrhythmika. Der Wissenschaftler hat zum ersten Mal die frequenzabhängige Wirkung solcher Antiarrhythmika verglichen. (ple)

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Chronik (15)
Weitere Beiträge zur Serie:
"Chronik der Preisträger"

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