Donnerstag, 24. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 06.06.2011

Hypoglykämien erhöhen kardiovaskuläres Risiko

LEIPZIG (MUC/CV). Hypoglykämien sind nicht nur als akute Komplikation des Diabetes gefürchtet. Sie tragen maßgeblich auch zum langfristig erhöhten kardiovaskulären Risiko der Typ 2-Diabetiker bei.

Rund fünf Prozent der Klinikeinweisungen in Deutschland gehen auf Arzneimittelnebenwirkungen zurück. Bei Diabetikern stehen dabei Hypoglykämien an vorderster Stelle. Sie bringen die Patienten nicht selten sogar auf die Intensivstation, betonte Professor Walter E. Haefeli aus Heidelberg, beim Deutschen Diabeteskongress in Leipzig.

Hypoglykämien gefährden den Patienten aber nicht nur akut, sondern auch auf lange Sicht: "Wir wissen inzwischen, dass sie das kardiovaskuläre Risiko massiv erhöhen", mahnte Haefeli bei einem Symposium des Unternehmens Berlin-Chemie.

Die Häufigkeit von Unterzuckerungen im Gefolge der antidiabetischen Medikation wird nach Angaben von Professor Werner Kern aus Ulm von Ärzten wie auch von Patienten noch weitgehend unterschätzt. Das liegt wesentlich daran, dass sich bei rezidivierenden Unterzuckerungen eine Wahrnehmungsstörung ausbildet. Sie hat zur Folge, dass die Hypoglykämie von den Betroffenen oft unbemerkt bleibt.

"Schon nach nur drei Hypoglykämiephasen schwächen sich die Symptome weitgehend ab, so dass nachfolgende Phasen einer Unterzuckerung kaum mehr wahrgenommen werden", erläuterte der Diabetologe.

Dieser Aspekt muss nach Kern therapeutisch berücksichtigt werden, indem möglichst Antidiabetika verordnet werden, die das Hypoglykämierisiko des Diabetikers nicht noch schüren. Zu solchen Wirkstoffen gehören außer Metformin die modernen inkretinbasierten Substanzen wie beispielsweise das Sitagliptin. Kern: "Das Hypoglykämierisiko unter dem DPP-4-Hemmer liegt auf Placeboniveau".

Dies ist nach seinen Worten nicht nur mit Blick auf die kardiovaskuläre Situation des Diabetikers relevant. Denn es gibt, so Kern, auch stichhaltige Hinweise darauf, dass wiederholt auftretende Hypoglykämien darüber hinaus das Risiko für eine Störung der kognitiven Leistungsfähigkeit bis hin zur Entwicklung einer Demenz begünstigen.

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