Ärzte Zeitung, 08.12.2009

Sonnenstrom für Krankenstation im Senegal

Baila im Süden Senegals: Die Krankenstation mit einer Ambulanz, zehn Betten und einer Entbindungsstation versorgt Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Stromausfällen. Eine Solarstromanlage konnte helfen.

Von Dierk Jensen

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Gewappnet gegen Stromausfälle: Ein Angestellter säubert das Solardach auf der Gesundheitsstation von Baila.

Fotos: Cordula Kropke

Fünfzig Kilometer landeinwärts der südsenegalesischen Atlantikküste liegt der Ort Baila. Üppige subtropische Vegetation prägt die ländliche Umgebung in der Provinz Casamance. In den umliegenden Gewässern waten Pelikane, Bauern ernten Reis. "Wir haben hier ständig Stromausfälle", klagt Bauer Abasse Goudiaby, "manchmal gibt es tagelang keinen Strom." Dann gibt es kein Licht mehr, kein Mobiltelefon lässt sich mehr aufladen, der Muezzin verstummt, die Wasserpumpen versiegen.

Medikamente waren nicht ausreichend gekühlt

Auch die Krankenstation im Ort, im Umkreis von vielen Kilometern die einzige, bekam früher große Probleme. Kühlaggregate fielen aus, wichtige Medikamente und lebensrettende Blutkonserven wurden nicht mehr ausreichend gekühlt und verdarben. Dramatisch war die Situation nachts, wenn in der Entbindungsstation schwierige Geburten zu bewältigen waren.

Solche Dramen gehören seit Mai 2008 der Vergangenheit an: Eine fünf Kilowatt große Photovoltaikanlage auf dem Dach der Krankenstation speist mit Sonnenstrom eine Reihe von Batterien, die bei Netzausfällen den fehlenden Strom ersetzt. So dient die gespeicherte Solarenergie als Notstromaggregat und speist darüber hinaus bei funktionierendem Netz zusätzlich Strom ein.

Initiiert hat dieses außergewöhnliche Projekt die deutsche Kaïto Energie AG, die in moderne Infrastruktur für die ländliche Elektrifizierung in mehreren westafrikanischen Ländern investiert. Das Unternehmen, das für seine Bemühungen vor einiger Zeit den Deutschen Solarpreis gewann, spornt vor allem lokale Akteure auf dem Land an, Dorfstromanlagen auf der Basis erneuerbare Energien zu entwickeln. Kaïto will damit nicht nur kurzatmige Wohltaten bewirken, sondern langfristige Entwicklungen anschieben, die sich ökonomisch tragen.

Die Krankenstation von Baila liegt ungefähr 200 Meter vom Hof des Bauern Goudiaby entfernt. Ein Sandweg führt dorthin, vorbei am Dorfplatz, vorbei an großen Kapok- und Mangobäumen. Obwohl die Regenzeit erst in einigen Monaten beginnt, ist es schwül-warm. Frisch geernteter Reis liegt zum Trocknen auf Innenhöfen ausgebreitet auf dem Boden aus. Vor der Krankenstation steht ein Krankenwagen, der bei Infarkten, verschiedenen Unfallverletzungen, heftigen Malaria-Erkrankungen und bei schweren Geburten Patienten ins Krankenhaus der Provinzhauptstadt Ziguinchor fährt.

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Sicher versorgt: eine Mutter mit Kind in der Krankenstation der senegalesischen Stadt Baila.

"Das passiert aber sehr selten", sagt Pape Assane Coly in den Räumen der Krankenstation, die er als medizinisch ausgebildeter Pfleger leitet. "Seitdem wir die Solaranlage haben, habe ich die Sicherheit, dass zu jeder Zeit alle wichtigen Medikamente gekühlt sind. Gerade die Malariamittel brauche ich ständig."

Senegals Staatspräsident hat ehrgeizige Ziele

Ländliche Elektrifizierung ist eines der großen entwicklungspolitischen Ziele, die die derzeitige senegalesische Regierung schon im nächsten Jahrzehnt vollendet haben will. So hat Staatspräsident Abdoulaye Wade in seiner letzten Neujahrsansprache dieses Thema als eine der wichtigsten nationalen Herausforderungen heraufbeschworen.

"Wir haben uns vorgenommen, dass wir schon bis 2012 der Hälfte der sieben Millionen Menschen, die im Senegal auf dem Land leben, einen Zugang zum Stromnetz bieten wollen", erklärt Modibo Diop, Chef der Agence senegalaise d'electrificaton rurale (ASER) in der Hauptstadt Dakar.

Wenn es nach Diop geht, dann scheint spätestens 2017 in jedem noch so weit entfernten senegalesischen Dorf Licht.

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