Ärzte Zeitung, 29.03.2005

Start des Wiederaufbaus drei Monate nach der Flut

Deutsche Helfer in Aceh schwenken von der Nothilfe auf langfristige Hilfe um / Zehn Organisationen sind vor Ort

BANDA ACEH (dpa). Lieber gestern als heute würde Junaidi in sein Dorf zurückkehren. Direkt am Meer hatte Lambadeuk gestanden, etwas außerhalb von Banda Aceh an der Nordspitze Sumatras. Dann kam am 26. Dezember die Flut; gerade einmal die Hälfte der 360 Einwohner überlebten die Naturgewalt. Wer es schaffte, suchte wie Dorfchef Junaidi Zuflucht in einer der eilig errichteten Notunterkünfte. "Es gibt in Lambadeuk kein Wasser, keinen Strom, deshalb können wir noch nicht zurück", berichtet er.

THW-Mitarbeiter Ralf Pahlmann (2.v.r) läßt sich bei Lam Puuek in Banda Aceh den Wiederaufbau einer bei der Flutkatastrophe zerstörten Schule erklären. Fotos: dpa
Ralf Pahlmann prüft eine Wasserquelle. Trinkwasser ist eines der dringendsten Probleme im Krisengebiet.

Den Überlebenden wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen, sie mit Wasser und Elektrizität zu versorgen, den Kindern wieder einen Schulplatz zu geben, ist inzwischen das dringendste Problem in der indonesischen Krisenregion. Drei Monate nach der Katastrophe läutet die indonesische Regierung offiziell die Wiederaufbauphase ein.

Und auch die deutschen Helfer in Aceh - Ende Februar standen zehn Organisationen auf offiziellen Listen - schwenken um: Weg von der Notversorgung, hin zu dauerhaften Hilfen in der schwer getroffenen Region, in der mindestens 126 600 Menschen durch die Flut ihr Leben verloren.

Wie beim Technischen Hilfswerk (THW). Gerade ist bei Ralf Pahlmann eine große Spende eingetroffen: zwei Millionen US-Dollar (1,52 Millionen Euro) von Formel-1-Star Michael Schumacher. "Das Geld geht voraussichtlich in langfristige Wasserprojekte", sagt der THW-Projektleiter in Banda Aceh.

Ständig sind die blauen Wagen in und um die Provinzhauptstadt unterwegs, den Menschen zu sauberem Trinkwasser zu verhelfen oder die verwüstete Provinzklinik in Schuß zu bringen. Daneben vermittelt das THW noch Partnerschaften etwa für zerstörte Kindergärten und andere öffentliche Einrichtungen.

"Wir sind noch in einer sehr frühen Wiederaufbauphase", berichtet Pahlmann. "Alle sind noch dabei, überhaupt erst Informationen zu sammeln." 70 Prozent der Verwaltungsangestellten in der Gegend seien in der Flut ums Leben gekommen, deren Wissen verloren. "Deshalb geht vieles unglaublich langsam: eine extreme Situation gekoppelt mit neuen Leuten in der Verwaltung."

Derweil hat die Caritas Deutschland im Bezirk Lhoong, 40 Kilometer südöstlich von Banda Aceh, gemeinsam mit einer einheimischen Hilfsorganisation unter anderem schon mit dem Bau von 800 Wohnhäusern begonnen. "Schulen und medizinische Einrichtungen sind noch in Planung", sagt Jörg Kaiser, Caritas-Landesbeauftragter für Indonesien. Übers Knie brechen wolle seine Organisation jedoch nichts. Kaiser: "Es reicht nicht, einfach ein paar Häuser hinzustellen." Zwei bis drei Jahre, rechnet der Caritas-Mitarbeiter, werde man in Aceh bleiben.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sieht sich, wie das THW, keineswegs in nächster Zeit aus Sumatra abziehen. "Unsere Projekte gehen weit über das Jahresende hinaus", sagt Ulrich Schulze, DRK- Programmmanager in Indonesien.

Nach der Nothilfe der ersten Woche habe Ende Februar ein DRK-Wasserexperte den Aufbau von 1500 Brunnen in Teunom, rund 200 Kilometer südlich von Banda Aceh, auf den Weg gebracht. Zudem ließ man Spezialgerät zur Kanalreinigung in der Provinzhauptstadt einfliegen.

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