Ärzte Zeitung, 04.08.2005

TV-KRITIK

Von den Widersprüchen im Alltag eines Landarztes

Konfrontiert mit zu viel Bürokratie: Landarzt Dr. Michael Gurr bei der Arbeit. Foto: SWR/Tellux-Film

Sein Sprechzimmer ist gemütlicher als so manches Wohnzimmer. Gerne setzt sich der Landarzt in einen der bequemen Sessel vor seinem Schreibtisch direkt neben den Patienten. "Dann sind wir Auge in Auge", sagt Dr. Wolfgang Weigold in dem Film "Patient Landarzt", den die ARD am Dienstag ausgestrahlt hat. Weigold ist väterlicher Freund und Seelsorger seiner Patienten, mit vielen duzt er sich.

Doch der 64jährige ist ein Auslaufmodell. Er findet keinen geeigneten Nachfolger. Daran sind keineswegs junge Mediziner schuld, wie der Film zeigt. Neben Weigold wird ein zweiter Landarzt porträtiert. Es ist Dr. Michael Gurr. Er ist 39 Jahre alt und hat vor drei Jahren eine Landarztpraxis in Eisenberg in der Pfalz übernommen.

Gurr verdient wenig, steht unter Sparzwang und muß viel Zeit für den Papierkrieg opfern. Wenn das so weitergeht, wird es nicht mehr lange Landärzte geben, sagt Gurr - das klingt überzeugend und glaubwürdig.

Um die These vom aussterbenden Berufsstand zu unterlegen, greift der Film auch aktuelle gesundheitspolitische Themen auf - aber sie werden nicht erklärt. Gurr hadert mit dem Hausarztvertrag der Barmer, fürchtet die Plausibilitätsprüfung zur Arbeitszeit und die ausufernde Zahl der Verträge zur integrierten Versorgung.

Was das ist, weiß der durchschnittlich informierte Zuschauer aber nicht, und der Film nutzt die Gelegenheit zur Aufklärung über die Gesundheitspolitik auch nicht.

Aber immerhin zeichnet er liebevoll und ohne Häme den harten Alltag zweier Landärzte in Deutschland nach. Das ist angesichts des verzerrten Arztbildes, das zum Beispiel Politiker immer wieder gerne beschwören, durchaus positiv zu bewerten. (akr)

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