Ärzte Zeitung, 22.08.2005

HINTERGRUND

Malteser beim Papstbesuch: Hitze und Kälte machten Pilgern oft zu schaffen

Von Anja Krüger

Die Ärztin Dr. Johanna Nebgen (links) und die Sanitäterin Martina Klenzl warten auf die Ankunft des Papstes.
Dr. Rainer Tichy, Malteser-Arzt und Anästhesist aus Köln, hat den Einsatz beim Weltjugendtag genossen. Fotos: mkl

Der Papst in Köln! Wie eine Insel im Sturm stehen die drei Malteser-Zelte vor dem Westportal des Doms. Immer wieder stoßen Wellen von Pilgern gegen die Zeltwände, das Gedränge rund um den Dom ist groß. "Wir müssen uns der Menschenmassen erwehren!", ruft Rettungsassistentin Gabriele Weber und schaut besorgt auf die Absperrungen vor den Zelten. Bei den Maltesern selbst herrscht Ruhe vor dem Sturm.

Die Malteser waren beim Weltjugendtag in Köln verantwortlich für den Sanitätsdienst. Rettungskräfte und Ärzte standen für die hunderttausenden jungen Pilger im Rheinland bereit. Die Hilfsorganisation hatte allein in Köln, Bonn und Düsseldorf 19 Unfallhilfsstellen aufgebaut, 500 Helfer waren im Einsatz.

Halsschmerzen und Erschöpfungszustände

Für den Dienst vor dem Dom sind heute 21 Helfer eingeteilt, darunter ein Arzt und eine Ärztin. "Wir sind auf alles vorbereitet", sagt der leitende Arzt Dr. Rainer Tichy. In den Zelten gegenüber der Kathedrale gibt es fünf Behandlungsplätze mit Geräten zur Beatmung und zur Herz-Kreislauf-Überwachung sowie allen notwendigen Medikamenten.

"Im Großen und Ganzen kommen aber nur Bagatellfälle zu uns", erklärt Tichy. Täglich wenden sich 40 bis 45 Pilger an die Helfer. Viele aus südlichen Ländern litten wegen der niedrigen Temperaturen zu Beginn und am Ende des Weltjugendtags an Halsschmerzen. Manche Pilger suchen mit Erschöpfungszuständen die Ärzte auf.

In den Stunden vor der Ankunft des Papstes und während seines Besuchs im Dom kommt kein Pilger - die Gläubigen wollen ihre Plätze nicht aufgeben. So haben die Malteser aus Regensburg Zeit, den Papst zu begrüßen, der in seinem Papamobil in Sichtweite an ihnen vorbeifährt. Sie schwenken eine Bayernflagge und eine Fahne mit ihrem Bistumswappen.

Für die Patienten gibt es Fragebögen in zwölf Sprachen

Doch nachdem der Papst den Bereich um den Dom verlassen hat, ist für Tichy und seine Kollegen die Ruhe vorbei. Jetzt kommen so viele Pilger wie sonst an einem ganzen Tag. Viele haben Kreislaufprobleme, weil sie zu wenig getrunken haben.

"Wasser ist für uns das wichtigste Medikament", sagt der Anästhesist. Auch Übermüdung und emotionale Erregung führen zu kurzzeitigen Gesundheitsstörungen. Insgesamt versorgt die Malteser an diesem Tag in ganz Köln 1100 Pilger. In der Nacht von Samstag auf Sonntag kommen noch einige hundert Pilger hinzu.

Auf die Verständigung mit Patienten aus anderen Ländern sind die Malteser bestens vorbereitet. Sie haben Fragebögen in zwölf verschiedenen Sprachen. Darauf können Hilfesuchende ankreuzen, ob sie unter Schwindel leiden oder welches Körperteil schmerzt. "Danach legen wir eine Schablone mit der deutschen Übersetzung auf den Bogen", erklärt die Ärztin Dr. Johanna Nebgen.

Sie übernachtete während des Weltjugendtags im heimischen Bornheim bei Bonn, Tichy und andere Einsatzkräfte schliefen im Malteserzelt vor dem Dom. In der Nacht vor der Ankunft des Papstes bekamen Tichy und seine Kollegen wenig Schlaf. Im nahegelegenen Hauptbahnhof sammelten sich Tausende von Pilgern. Hitze und Gedränge verursachten bei vielen Kreislaufstörungen und andere Beschwerden. "Da sind wir rüber gegangen, um zu helfen", berichtet er. Elf Pilger mußten in einer Klinik behandelt werden.

"Die Menschen sind unglaublich geduldig, auch wenn sehr viele Leute zusammenkommen und es sehr eng ist", berichtet der Leiter der Unfallhilfsstelle, Alois Vest. Raufereien, Alkoholgelage oder gesundheitliche Störungen nach dem Konsum anderer Drogen - damit werden die Malteser beim Weltjugendtag nicht konfrontiert. Die Stimmung ist friedlich und fröhlich. Rund um den Dom schwingen Zehntausende von Jugendliche Fahnen ihrer Länder, singen oder finden sich für kurze Andachten zusammen.

"Es ist einfach schön", sagt Chefarzt Tichy. Er freut sich schon auf seinen nächsten Einsatz für den Papst. "Das hier ist für uns ein gutes Übungscamp", sagt er. "Im Herbst kommenden Jahres will der Papst nach Regensburg kommen."

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