Ärzte Zeitung, 21.12.2005

Konstanzer Augenärztin organisierte Hilfe vom Krankenbett

Dr. Miriam Beer überlebte den Tsunami, indem sie sich an einen Baum klammerte / Wiederaufbau ihrer Klinik nach einem Jahr abgeschlossen

Dr. Miriam Beer packt eine Hilfslieferung mit Brillen für Sri Lanka. Foto: dpa Die Konstanzer Augenärztin Miriam Beer mißt in ihrer kleinen Augenstation in Tangalle in Sri Lanka bei einem Jungen die Sehschärfe. Foto: Thomas Lohnes

Von Marion Lisson

Ein Jahr nach der Flutkatastrophe in Südostasien hat Dr. Miriam Beer wieder ein Stück geschafft: Die Augenklinik in Tangalle, einem kleinen Fischerdorf, fernab der Touristenströme, ist aufgebaut. Die ersten Patienten können behandelt werden.

Weihnachten 2004 war die kleine Augenstation in Tangalle von der Tsunamiwelle erfaßt und bis auf die Bodenplatte zerstört worden. Auch Miriam Beer, die damals vor Ort war und in ihrer kleinen Küche frühstückte, war von der Flut mit voller Wucht aus dem Haus gerissen worden. An einem Baum geklammert überlebte die 39jährige.

Im Krankenhaus in Colombo wurde sie am verletzten Bein operiert. Noch von ihrem Krankenhausbett aus versuchte die Augenärztin aus Konstanz, mit Hilfe ihres gemeinnützigen Vereins "Augenlicht für Ceylon" ein Soforthilfeprogramm für die Menschen vor Ort zu organisieren - mit großem Erfolg.

Seit fast zwei Jahren unterstützt Dr. Miriam Beer Einheimische im Süden Sri Lankas. Beer war bei einem Urlaub auf die Idee gekommen zu helfen. Damals sorgte die Medizinerin bereits dafür, daß eine kleine Augenstation aufgebaut werden konnte. Seitdem ist sie jährlich vier- bis sechsmal in Sri Lanka, um die Einheimischen kostenlos augenärztlich zu versorgen.

Doch die Flutkatastrophe von 2004 zerstörte alles: Menschen wurden getötet oder verletzt, Kinder verloren ihre Mütter, sämtliches Hab und Gut riß die Welle mit sich. Beer kannte und kennt die Menschen vor Ort. Sie weiß, wer Hilfe braucht: "Und das sind selten die Menschen, die sich bei den offiziellen Stellen melden."

Und genau dieses Wissen macht es offensichtlich vielen spendewilligen Menschen leichter, der Augenärztin ihr Geld für Hilfsmaßnahmen vor Ort anzuvertrauen. "Es haben auch Kollegen ihre Hilfe angeboten und sind bereit, im Krankenhaus vor Ort Operationen vorzunehmen", erzählt Beer im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Dank der Spenden konnten mehr als 5000 Überlebende mit Trinkwasser, Medikamenten, Nahrungsmitteln und Kleidung, Spielzeug und Kochgeschirr versorgt werden. Fünf Tonnen Hilfsgüter hat die engagierte Augenärztin inzwischen in den Katastrophengebieten im Süden und Osten der Insel verteilt. Hierzu zählten auch viele Korrektions- und Sonnenbrillen.

Für die Ärmsten der Armen baute die Hilfsorganisation bereits 20 Häuser und unterstützte die Einheimischen mit Baumaterial, Werkzeug und Transportmitteln beim Wiederaufbau. Der Haupterwerbszweig, die Fischerei, wurde durch den Kauf vieler Boote und Bootsmotoren, Fischernetze und Transportmittel (über 100 Fahrräder) unterstützt.

Beer schaffte es außerdem, in Tangalle ein 40 000 Quadratmeter großes Grundstück zu erwerben. Hier sollen eine Mustersiedlung, ein Mutter-Kind-Heim sowie ein Waisenhaus und Kindertagesstätten gebaut werden. Kürzlich erfolgte der erste Spatenstich für die Mustersiedlung.

"Wir haben das große Glück, daß uns Pharmafirmen, Brillenhersteller, Optiker, Apotheker, aber auch Kollegen unterstützen. Und wir brauchen weiterhin Hilfe", appelliert Beer denn auch angesichts der neuen Aufgaben in Tangalle an die Spendenfreudigkeit ihrer Mitmenschen.

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