Ärzte Zeitung, 02.05.2006

In Angola grassiert eine Cholera-Epidemie

Mindestens 900 Infizierte sind gestorben / "Ärzte ohne Grenzen": Ausbruch völlig außer Kontrolle

LUANDA/JOHANNESBURG (dpa). In Angola grassiert derzeit die größte Cholera-Epidemie seit mehr als 10 Jahren. Nach Informationen der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" sind bereits mindestens 900 Menschen an der Infektion gestorben.

Allein am vergangenen Dienstag seien 929 Neuinfektionen registriert und 25 Patienten gestorben, berichtete die medizinische Hilfsorganisation Ende der vergangenen Woche.

Die Zahl der Infizierten sei zehn Wochen nach Ausbruch der Cholera in der Hauptstadt Luanda auf 20 000 gestiegen. Obwohl sich die Infektion in die meisten Landesteile ausgebreitet hat, seien die Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie bisher völlig unzureichend.

"Ärzte ohne Grenzen" (MSF) fordert von der Regierung des afrikanischen Landes ein stärkeres Engagement im Kampf gegen die Cholera-Epidemie. "Der Ausbruch ist völlig außer Kontrolle", urteilte der Koordinator des MSF-Nothilfe-Einsatzes, Luis Encinas.

"Die Behörden müssen dringend eine landesweite Strategie entwickeln, die die Epidemie eindämmt. Außerdem muß der Zugang zu Behandlung garantiert, muß kostenloses sauberes Trinkwasser bereitgestellt und müssen die sanitären Einrichtungen verbessert werden." Nötig seien auch eine verläßliche Datenerfassung und die Ausweitung der gesundheitlichen Aufklärungskampagnen.

In den MSF-Behandlungszentren gab es nach Angaben der Hilfsorganisation im Schnitt 30 Neuinfizierte und einen Todesfall am Tag. Allein in eins der Zentren in Luanda wurden innerhalb von 24 Stunden 240 neue Patienten gebracht. Cholera-Vibrionen werden meistens über durch Fäkalien verschmutztes Trinkwasser übertragen.

Im einstigen Bürgerkriegsland seien die Menschen vor dem Friedensschluß 2002 auch innerhalb des Landes kaum gereist. Deshalb hätte die Krankheit kaum Gelegenheit gehabt, sich außerhalb der Elendsviertel Luandas auszubreiten, so die MSF-Mitarbeiter.

Entsprechend gebe es in der Bevölkerung heute wenig Widerstandskraft gegen und Wissen über Schutz vor der Erkrankung. "Ärzte ohne Grenzen" betreibt mit 55 internationalen und 330 nationalen Mitarbeitern zehn Cholera-Behandlungszentren in Angola.

Infos im Internet unter: www.aerzte-ohne-grenzen.de

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