Ärzte Zeitung, 29.05.2006

In Deutschland setzt die Pubertät immer früher ein

Erste Periode mit 12 Jahren

LANDAU IN DER PFALZ (ddp.vwd). Die Jugendlichen in Deutschland kommen immer früher in die Pubertät. Dieser Trend, der bereits seit 140 Jahren von Sexualwissenschaftlern beobachtet wird, habe sich in den vergangenen Jahren fortgesetzt, so der Landauer Sexualwissenschaftler Norbert Kluge.

Das Durchschnittsalter bei deutschen Mädchen zum Zeitpunkt der ersten Periode lag im Jahr 1860 noch bei 16,6 Jahren, in den folgenden Jahren verschob sich dieses Alter kontinuierlich nach vorn: 1920 lag es bei 14,6 Jahren, 1950 bei 13,1 Jahren und 1980 bei 12,5 Jahren.

Für 1994 konnten Wissenschaftler ein Durchschnittsalter von 12,2 Jahren ermitteln. Kluge hat hochgerechnet, daß die Mädchen im Jahr 2010 im Durchschnitt bereits im zehnten oder elften Lebensjahr zum erstenmal ihre Tage bekommen werden, berichtet er in der Internet-Publikation "Beiträge zur Sexualwissenschaft und Sexualpädagogik".

Einen ähnlichen Trend beobachten Wissenschaftler auch bei der Geschlechtsreife von Jungen. So lag das Alter zum Zeitpunkt des ersten Samenergusses 1994 bei 12,6 Jahren, 1980 hatte es noch bei 14,2 Jahren gelegen. Die Zahlen belegen auch, daß der Entwicklungsunterschied zwischen Jungen und Mädchen im Lauf der Zeit immer geringer geworden ist: Inzwischen liegen zwischen der Geschlechtsreife von Jungen und Mädchen im Durchschnitt nur noch wenige Monate.

Die Ursachen für die Entwicklung sehen die Wissenschaftler in der sich langfristig stetig verbesserten Ernährungslage und dem immer besseren Gesundheitszustand der Bevölkerung. Beides führe dazu, daß Jugendliche immer früher an Gewicht zulegen und ihre endgültige Körpergröße erreichen. Damit beginne auch die Pubertät früher.

"Im Ernährungsbewußtsein hat sich in den vergangenen Jahrzehnten manches getan - gerade in der weiblichen Bevölkerung", sagt Kluge. Eine Fortsetzung des Trends zu immer früher einsetzenden Geschlechtsreife sieht der Sexualwissenschaftler jedoch auch im zunehmenden Fastfood-Konsum begründet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Ein Erklärbuch für Kinder

Dagmar Eiken-Lüchau hat eine Tochter mit Autismus-Störung. Um anderen Kindern das Thema zu erklären, hat die Mutter ein Buch geschrieben. mehr »