Ärzte Zeitung, 04.07.2006

FIFA-Chefmediziner: Blutdoping im Fußball kein Thema

Weltverband will Spekulationen im Keim ersticken / Deutlich weniger Verletzungen als bei der letzten Fußball-WM

Von Andreas Schirmer

Argentiniens Fußball-Legende Diego Armando Maradona, hier als Fan auf der Tribüne, war bei der WM 1994 positiv auf Stimulanzien getestet worden. Foto: dpa

Auf die Fußball-Weltmeisterschaft soll durch den Doping-Skandal bei der Tour de France kein Schatten fallen. "Wir haben absolut keine Hinweise, daß Blutdoping im Fußball gemacht wurde oder wird", erklärte Jiri Dvorak, der Chefmediziner des Weltverbandes FIFA, in Berlin.

Blutuntersuchungen der Spieler bei der WM 2002 in Japan und Südkorea hätten zudem gezeigt, daß ihre Hämatokrit-Werte knapp unter dem Durchschnitt der Bevölkerung gelegen haben. "Rational wäre Eigenblut-Doping im Fußball nicht begreifbar", sagte der tschechische Arzt.

Dennoch wolle die FIFA offiziell bei den spanischen Behörden um Informationen zu der Affäre um den Madrider Arzt Eufemiano Fuentes bitten, der nicht nur Radprofis mit präparierten Blutkonserven versorgt haben soll. Damit will die FIFA möglichen Spekulationen um eventuelle Verstrickungen von Fußballspielern im Keim ersticken.

"Wenn die Guardia Civil Hinweise hätte, hätte sie die FIFA schon informiert", meinte Dvorak und fügte an: "Wir sehen deshalb für die Anfrage keinen dringenden Bedarf, werden es aber dennoch tun."

Im Fußball sei Blutdoping allein schon aus organisatorischen Gründen nur sehr schwer durchführbar. "Wenn ich nur die vier WM-Halbfinalisten sehe, sagt mir mein gesunder Menschenverstand, daß es technisch nicht machbar ist", erklärte Dvorak. Für Fußballer, die 49 Wochen im Jahr von Spiel zu Spiel eilten, sei das ebenso aufwendige wie gefährliche Eigenblutdoping gar nicht praktikabel.

Zugleich verwies er auf die Anti-Doping-Aktivitäten vor und während der WM sowie die bislang negativen Kontroll-Resultate. Alle 228 Doping-Tests von 58 Spielen seien ohne Befunde geblieben. "Dies ist eine erfreuliche Nachricht. Damit gibt es seit 1994 keinen Doping-Fall mehr", sagte Dvorak. Bei der WM vor zwölf Jahren war Argentiniens Superstar Diego Maradona mit Stimulanzien erwischt worden.

Außerdem verwies der Chefmediziner darauf, daß in den Trainingscamps, bei Testspielen und während der Endrunde in jedem der 32 Teams je 16 der erlaubten 23 WM-Kicker zum Test gebeten wurden.

Insgesamt veranstaltet die FIFA pro Jahr weltweit mehr als 20 000 Kontrollen. Im vergangenen Jahr wurden dabei 78 Doping-Fälle registriert. Zum Vergleich: 2004 waren es noch 88. "Die Zahl der positiven Fälle stagniert", stellte Dvorak fest.

Stolz ist er dafür auf eine andere wirklich positive Zahl. Bei der WM in Deutschland sind bisher weniger Verletzungen aufgetreten. Während 2002 noch 171 Blessuren registriert wurden, waren es in den 60 bisherigen WM-Spielen 129. Dies ist pro Partie ein Schnitt von 2,2 Verletzungen (2002: 2,7).

Nachdem die Schiedsrichter auf Anraten der FIFA-Mediziner das Ausfahren der Ellbogen im Zweikampf besonders streng ahnden, ging die Zahl der Kopfverletzungen von 25 im Jahr 2002 auf nun elf zurück. Dvorak: "Das ist ein ermutigendes Resultat." (dpa)

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