Ärzte Zeitung, 07.02.2007

"Was ist dir denn über die Leber gelaufen?"

Mit "Die Aufschneider" hat Regisseur Carsten Strauch eine schwarze Komödie über das Gesundheitswesen gedreht

NEU-ISENBURG (Smi). Das Hospital St. Georg und die Eichwaldklinik liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander. Während die eine auf Hightech setzt, sieht es in der anderen aus wie bei der lieben Oma von nebenan. Werden hier Korruption und Kaltschnäuzigkeit zum obersten Prinzip erhoben, setzt man dort auf Ehrlichkeit und liebevoller Zuwendung.

Professor Radwanski (Christoph Maria Herbst) ist ein aalglatter Zyniker. Um sein High-Tech-Hospital zu retten, geht er sogar über Leichen: Szene aus "Die Aufschneider". Fotos: 3 L Filmproduktion

Lange Zeit durften beide Krankenhäuser nebeneinander existieren, doch plötzlich ist wegen leerer Kassen nur noch für eines Platz. Die kalte öffentliche Hand setzt den Klinikchefs die Pistole auf die Brust: Zwei Wochen haben beide Zeit, um mit innovativen Konzepten zu punkten - dann wird sich die Jury für eine der Kliniken entscheiden...

Regisseur Carsten Strauch (dritter von rechts) wurde für seine Kurzfilme mehrfach geehrt.

Das ist kein Abbild bundesdeutscher Wirklichkeit, sondern die Ausgangssituation in Carsten Strauchs schwarzer Komödie "Die Aufschneider", die morgen in deutschen Kinos anläuft. Für seinen ersten abendfüllenden Spielfilm konnte der Offenbacher Regisseur bekannte Schauspieler wie Cosma Shiva Hagen und Christoph Maria Herbst gewinnen.

Die "Aufschneider" sitzen vor allem in der Chefetage des High-Tech-Hospitals St. Georg, wo nur jene Mitarbeiter tatenlos herumstehen dürfen, die jung und dynamisch sind und vor allem blendend aussehen. Die Hälfte der Operationen sind hier voll automatisiert, und die andere Hälfte wird von seelenlosen Mitarbeitern vorgenommen, die den Befehlen des Klinikchefs blindlings gehorchen.

Zu "Aufschneidern" werden aber auch die Tranfunsen der Eichwaldklinik, als sie beschließen, ihre Klinik durch fragwürdige Wellness-Angebote aufzupäppeln. Ein Animateur soll’s richten, dessen Sprüche ("Mit Musik und Fröhlichkeit ist die Heilung nicht mehr weit!") und Methoden jedoch nicht bei jedem ankommen.

Der Film "Die Aufschneider" vereinigt satirische und komische Elemente, verzichtet aber auch nicht auf Slapstickeinlagen und Kalauer. Wenn etwa dem Chirurgen während der Operation die Kontaktlinse in die offene Wunde fällt. Oder ein Arzt versehentlich die Spenderleber verzehrt und von seinem Kollegen angeraunzt wird: "Was ist dir denn über die Leber gelaufen?"

Stark ist der Film vor allem da, wo die Schauspieler ihr Potenzial ausschöpfen können. Heraus sticht hier Christoph Maria Herbst als Professor Radwanski, ein fieser, aalglatter Klinikchef, für den Kassenpatienten zu ärgerlichen Bilanz-Faktoren verkommen. Aber auch Regisseur Strauch, der die Rolle des liebenswerten Dr. Wesemann übernimmt, und Cosma Shiva Hagen als Schwester Sylvia können überzeugen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »