Ärzte Zeitung, 24.05.2007

Mediziner und berühmter Biologe - Linné zum 300. Geburtstag

Der schwedische Naturwissenschaftler Carl von Linné entwickelte die noch heute genutzte Nomenklatur für Pflanzen und Tiere

NEU-ISENBURG (run). "Gott schuf, Linné ordnete" - dieser selbstbewusste Ausspruch stammt von Carl von Linné selbst und zeigt seine bis heute gültige Bedeutung an: Der vor 300 Jahren geborene schwedische Naturwissenschaftler entwickelte eine Klassifikation für Pflanzen und Tiere, die nach wie vor auf der ganzen Welt verwendet wird.

Linné, der am 23. Mai 1707 unter dem Namen Carl Linnaeus als Sohn eines Pastors in Raashult in Südschweden geboren wurde, begeisterte sich schon früh für Pflanzen. Nach dem Medizinstudium an den Universitäten von Lund und Uppsala und der Erlangung des Doktortitels in den Niederlanden widmete er sich verstärkt der Biologie. 1735 veröffentlichte er sein berühmtes Werk "Systema Naturae". Mit diesem System begründete er eine Klassifikation von Tieren, Pflanzen und Mineralien durch jeweils zwei lateinische Begriffe. Der erste Begriff bezeichnet die Gattung, der zweite die Art. Mit der binären Nomenklatur, dem Linné´schen System, ordnete der Forscher zunächst 8000 verschiedene Pflanzen und später noch fast 5000 Tierarten. Zudem schuf er ein hierarchisches Grundsystem, in das alle Pflanzen und Tiere eingeordnet werden konnten. Auch diese Einteilung in Klasse, Ordnung, Gattung, Art und Varietät - heute als Unterart bezeichnet - hat bis heute Bestand.

Zwar gab es schon vor ihm Bestrebungen von anderen Gelehrten, Pflanzen und Tiere mit einer einheitlichen Bezeichnung einzuteilen, aber nie mit Methode. So wurden Arten meist nicht mit prägnanten, eindeutigen Namen bezeichnet, sondern recht konfus mit einer Aneinanderreihung der wichtigsten Merkmale.

Linnés Nomenklatur erfreute nicht nur Wissenschaftler. Dank Linné widmeten sich auch Leute von Stand amüsiert der Erkundung des Pflanzenreiches - ein Grund war seine Wortwahl für Pflanzenmerkmale. Er bezeichnete die Staubbeutel der Blüten als "Männer" und die Griffel als "Frauen", die gemeinsam in einem "Bett" lagen. Je nach Aufbau der Blüte zeichneten sich dadurch mitunter regelrechte Orgien ab. Bei zeitgenössischen Kritikern sei er daher allerdings als "Pornograf" verschrien gewesen, weiß Martin Nickol, Mitglied der Londoner Linné-Gesellschaft und Bereichsleiter im Botanischen Garten der Uni Kiel zu berichten.

Linné bereicherte außer Medizin, Biologie und Geologie auch andere Wissenschaften. So gründete er mit anderen Wissenschaftlern etwa die Schwedische Akademie der Wissenschaften und leiste einen Beitrag zur Völkerkunde, indem er schwedische Sitten und Gebräuche beschrieb. Außerdem kehrte der umtriebige Schwede die Temperaturskala von Celsius um. Vor ihm wurde mit 100 Grad gefrierendes Wasser bezeichnet und mit 0 Grad kochendes. Seine Forschungen brachten ihm bereits zu Lebzeiten höchste Anerkennung: er wurde vom schwedischen König zu dessen Hofarzt berufen und zum Ritter geschlagen.

Weniger ruhmreich waren Linnés Ideen zum Homo sapiens. Denn er wandte seine binominale Nomenklatur auch auf Unterarten oder Varietäten - wie er sie nannte - des Menschen an. So beschrieb er den Homo sapiens americanus, asiaticus, africanus und europeanus und schrieb den Varietäten auch bestimmte Charaktereigenschaften zu. So wurde Linné zum unrühmlichen Begründer von Rassenlehren, die etwa zur Legitimation von Sklaverei dienten.

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