Ärzte Zeitung, 13.11.2007

Contergan-Geschädigte fordern eine Erhöhung der finanziellen Hilfen

Grünenthal-Chef Sebastian Wirtz signalisierte erstmals Gesprächsbereitschaft

AACHEN (dpa). Nachdem Grünenthal-Chef Sebastian Wirtz ein Treffen mit durch Thalidomid (Contergan®) -Geschädigten angedeutet hat, pochen Interessenverbände nun verstärkt auf eine verbesserte Entschädigung von Betroffenen.

 Contergan-Geschädigte fordern eine Erhöhung der finanziellen Hilfen

Der

Fotograf Christian Knabe zeichnet mit seinen contergangeschädigten Händen filigrane Blüten.

Foto: dpa

So begrüßte die Vorsitzende des Interessenverbandes Contergangeschädigter in Nordrhein-Westfalen, Maria Bergner-Willig, grundsätzlich die Äußerungen von Wirtz. "Wir wären zu einem solchen Treffen bereit", sagte sie. Bei einem ersten Gespräch wolle sie daher noch keine Forderungen an die Firma Grünenthal vortragen. "Wir haben Forderungen, aber erst einmal muss man reden", sagte Bergner-Willig.

Der Bundesverband Contergangeschädigter reagierte eher verhalten auf die Entwicklung. Die Vorsitzende Margit Hudelmaier kritisierte, dass der Grünenthal-Chef diesen Schritt erst jetzt, im Zuge des gestiegenen öffentlichen Interesses nach dem ARD-Zweiteiler "Contergan", gemacht habe. Man sei "prinzipiell gesprächsbereit". Ein Händedruck reiche aber nicht aus, er müsse auf die finanziellen Forderungen eingehen.

Dieser Ansicht ist auch der Bund Contergangeschädigter und Grünenthalopfer, eine Abspaltung des Bundesverbandes. Er ruft seit dem 1. Oktober, dem 50. Jahrestag der Contergan-Markteinführung, zum Boykott von Produkten auf, die zum Grünenthal-Konzern gehören.

Nach einem Vergleich mit den Opfern hatte Grünenthal 1971 rund 110 Millionen Mark in die "Conterganstiftung für behinderte Menschen" eingezahlt, der Bund steuerte weitere 100 Millionen Mark zu. Seit 1997 ist das Geld allerdings aufgebraucht. Der Fonds, aus dem die bundesweit noch etwa 2700 lebenden Opfer eine monatliche Rente von maximal 545 Euro erhalten, wird seither allein vom Bund finanziert. Opferverbände halten die Zahlungen weder für angemessen noch für ausreichend.

Auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) gab kürzlich zu bedenken: "Viele Spätschäden, die weit über die Behinderung hinaus reichen, waren bei Abschluss des Vergleichs noch nicht absehbar."

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