Ärzte Zeitung, 19.12.2007

Weihnachten - Gefahr für Brandwunden

Untersuchung weist auf Hauptrisiken von brennendem Weihnachtsschmuck hin / Ältere besonders betroffen

HANNOVER (cin). Schaden tut es auf alle Fälle nicht, Patienten jetzt wieder auf die Gefahren von Weihnachtsschmuck mit echten Kerzen hinzuweisen. Denn: Adventskränze und Christbaumkerzen können der Grund für schwere Verbrennungen sein. Das hat eine Untersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und des Universitätsspitals Zürich bestätigt.

Um drastische Brände zu vermeiden, empfiehlt etwa die Feuerwehr Hannover, frisch gelagerte oder geschlagenen Bäume aufzustellen.

Foto: Imago

Bei der Ersten Hilfe kommt es zunächst darauf an, Hitzequelle und verbrannte Kleidung zu entfernen und Wunden zur Schmerzlinderung mit Leitungswasser zu kühlen - wobei bei großen Wundflächen Unterkühlung vermieden werden muss.

"Ziel unserer retrospektiven Untersuchung war es, auf die Gefahren durch entzündeten Weihnachtsschmuck aufmerksam zu machen", sagte Dr. Andreas Gohritz von der MHH zur "Ärzte Zeitung". In Kooperation mit Dr. Merlin Guggenheim aus Zürich hat er die Daten von 24 Patienten analysiert, die nach Bränden ihrer weihnachtlichen Dekoration auf der Schwerbrandverletztenstation behandelt werden mussten.

20 der Brände wurden durch Christbäume verursacht, in vier Fällen war der Adventskranz der Auslöser. Die größte Gefahr droht nach den Feiertagen, so Gohritz. Denn dann sei das Nadelwerk ausgetrocknet und besonders brandgefährdet. So lagen bei der Untersuchung 18 der Brände erst nach den Feiertagen. Besonders gefährdet scheinen ältere Personen zu sein, denn das Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren. Dass Ältere besonders gefährdet sind, kann nach Ansicht von Gohritz vielfältige Ursachen haben. So seien gerade bei diesen Generationen echte Kerzen als Weihnachtsschmuck beliebt, viele ältere Leute seien alleinstehend, ihre Reaktionszeit möglicherweise verlangsamt oder die Situation werde falsch eingeschätzt.

Typische Verbrennungen im Gesicht und an den Händen durch das Hinaustragen eines brennenden Christbaumes auf den Balkon.

Foto: MHH

Durchschnittlich 22 Prozent ihrer Körperoberfläche hatten sich die untersuchten Patienten verbrannt. "Das entspricht etwa einem Ausmaß von 22 Handflächen des Patienten", erklärte Gohritz. Besonders häufig seien Hände, Oberkörper und Kopf betroffen. Der Grund: Fangen Baum oder Kranz Feuer, werde oft noch schnell versucht, die brennenden Objekte nach draußen oder auf den Balkon zu tragen. Eine bessere Lösung sei es, geeignete Löschmittel wie einen Feuerlöscher oder gefüllten Wassereimer für den Notfall bereitzustellen. Eine große Gefahr droht auch beim Einschlafen. Zimmerbrände mit unterschiedlich schweren Verbrennungen können die Folge sein. Vier der untersuchten Patienten starben an ihren Verletzungen (Sterberate 16 Prozent) - drei von ihnen waren älter als 65 Jahre.

Gohritz und Guggenheim kommen zu dem Schluss, dass offenes Feuer am Weihnachtsschmuck ein erhebliches und unterschätztes Risiko für Brandverletzungen darstellt - vor allem scheinbar für ältere Menschen. "Darum ist eine gezielte Aufklärung sehr wichtig", so Gohritz. In Hannover werden um die Weihnachtszeit jährlich Patienten mit schwersten Verbrennungen eingewiesen. Doch das sei nur die Spitze des Eisberges, denn viele kleinere Brandverletzungen seien in der Studie nicht erfasst.

Die Deutsche Gesellschaft für Verbrennungsmedizin empfiehlt: Bei Verbrennungen soll sofort mit Leitungswasser gekühlt, die Wunde dann - wenn möglich - steril abgedeckt werden. Je nach Schweregrad der Verbrennung ist eine Einweisung in ein Zentrum für Schwerbrandverletzte notwendig

Weitere Infos über das Vorgehen bei Verbrennungen unter: www.verbrennungsmedizin.de/

Die Feuerwehr Hannover rät:

Es sollten geeignete Löschmittel wie Feuerlöscher oder ein gefüllter Wassereimer bereitgestellt werden. Frisch gebundene Adventsgestecke und geschlagene Weihnachtsbäume bieten mehr Sicherheit. Zudem sollten Kerzen stets von oben nach unten angezündet und von unten nach oben gelöscht werden.

Merkblatt mit Sicherheitshinweis unter: www.hannover.de/feuerwehr/data/downloads/Merkblaetter/feumerkg04.pdf

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