Ärzte Zeitung, 31.03.2008

Drogen, schneller Sex, Gewalt - sozialer Auslands-Dienst birgt Risiken

Plädoyer für bessere Schulung von jungen Teilnehmern / Studie an der RWTH Aachen

BERLIN (eis). Wenn junge Erwachsene freiwillige soziale Dienste in Entwicklungsländern antreten, brauchen sie vorher unbedingt eine Beratung zur Gewaltprävention und zu gesundheitlichen Risiken. Erste Ergebnisse einer Umfrage unter Rückkehrern belegen, dass sie bei ihren Einsätzen oft Gewalt erleben und einige von ihnen schwere gesundheitliche Risiken eingehen.

Nach Abschluss von Schule oder Lehre machen immer mehr Jugendliche oder junge Erwachsene eine längere Auslandsreise. Oft ist der Aufenthalt mit einem sozialen Engagement verbunden - etwa Arbeit in einem Kinderheim, einer Lehrwerkstatt oder bei Alphabetisierungsprogrammen, wie Dr. Burkhard Rieke aus Düsseldorf berichtet hat.

Jungen Leuten werde dabei ein Ausmaß an Selbständigkeit und Entscheidungssicherheit abverlangt, dass häufig noch nicht entwickelt ist. Folge dabei sei immer wieder riskantes Verhalten etwa sportliche oder sexuelle Abenteuer oder auch Drogenkonsum. Das Risikoverhalten wird jetzt in einer Studie an der RWTH Aachen untersucht.

Erste Ergebnisse einer Umfrage von 100 Rückkehrern von freiwilligen internationalen Diensten in Deutschland hat der Internist und Tropenmediziner beim 9. Forum Reisen und Gesundheit in Berlin vorgestellt. Zwei Drittel von ihnen waren in Südamerika gewesen, die anderen zum Beispiel in Ländern Afrikas und Asiens.

Etwa 10 Prozent von ihnen berichteten über Erkrankungen an Malaria oder Dengue-Fieber. Bei etwa fünf Prozent hatte eine Erkrankung zum Abbruch des Aufenthalts geführt. Etwa 20 Prozent der Teilnehmer fühlten sich an ihrem Aufenthaltsort nachts nicht sicher, 25 Prozent hatten selbst Gewalt erlebt. Fünf Prozent der Befragten gaben zudem an, vor Ort vier oder mehr neue Sexualpartner gefunden zu haben. Zwei der Teilnehmerinnen waren während des Aufenthalts schwanger geworden, eine Schwangerschaft sei in Deutschland abgebrochen worden.

Es gebe ehrgeizige Pläne zur Ausweitung sozialer Dienste junger Menschen aus Deutschland im Ausland, sagte Rieke, etwa vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit bis zu 10 000 Ausreisen pro Jahr. Hierfür würden unbedingt systematische Schulungen zur gesundheitlichen Vorsorge benötigt.

Infos zum Notfall-Management bei freiwilligen internationen Diensten www.fid-freiwilligendienste.de

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