Ärzte Zeitung, 23.05.2008

Elmo und Bert trösten Kinder von US-Soldaten

Sesamstraßen-Monster helfen Kindern in Workshops über die Trennung hinweg / Hefte, Lieder und Poster sind Teil des Projekts

WASHINGTON (dpa). Eben noch war Elmos Welt in Ordnung - da ändert ein Gespräch mit seinem Vater das Leben des kleinen Sesamstraßen-Monsters schlagartig: "Weißt Du, was für ein Tag heute ist?", nimmt er Elmo ernst beiseite.

 Elmo und Bert trösten Kinder von US-Soldaten

Neuer Job für Elmo und Ernie im "Sesame Workshop".

Foto: dpa

"Ich muss in den Krieg ziehen - einen Erwachsenen-Job machen, um vielen Menschen zu helfen." Verzweifelt bleibt Elmo mit seiner Mutter zurück. Wie der berühmten Sesamstraßen-Puppe im Film ergeht es Hunderttausenden amerikanischer Kinder, deren Mütter oder Väter im Irak oder in Afghanistan im Einsatz sind. Elmo und seine Freunde sollen ihnen helfen, ihre Ängste und Sorgen zu verarbeiten. "Listen, Talk, Connect" heißt das Programm, das der Sesamstraßen-Ableger "Sesame Workshop" jetzt Soldatenfamilien nahe dem Pentagon in Arlington vorgestellt hat.

"Es gibt immer mehr Mütter oder Väter, die bereits wiederholt in den Krieg ziehen müssen und immer mehr Familien, in denen ein Elternteil verletzt wieder nach Hause kommt", erklärt der Vorsitzende von "Sesame Workshop", Gary Knell. "Diese Familien brauchen mehr Hilfe denn je, um traumatische Erlebnisse mit ihren Kindern zu verarbeiten." Seine gemeinnützige Organisation hat mit einer Reihe von Psychologen, Pädagogen, Familien- und Militär-Experten zusammengearbeitet, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

"Das Programm richtet sich vor allem an Kinder von zwei bis fünf Jahren", erklärt "Sesame Workshop"-Mitarbeiterin Jeannette Betancourt, die maßgeblich an dem Projekt beteiligt ist. "Denn nicht nur die amerikanischen Soldaten, die in den Irak oder nach Afghanistan müssen, werden immer jünger - ihre Kinder sind es auch." Rund 700 000 Klein- und Kindergartenkinder müssen nach ihren Erkenntnissen derzeit in den USA damit klarkommen, dass ihr Vater oder ihre Mutter über Monate im Einsatz ist. "Sie fühlen sich verlassen, verunsichert, sie haben Angst um ihre Eltern, Angst, sie unter Umständen niemals wiederzusehen", sagt Betancourt. "Und auch das Wiedersehen nach so einer monatelangen traumatischen Trennung kann sehr schwer sein - Eltern und Kinder sind da schnell überfordert."

Auch Monster Elmo geht das so. Über die Trennung von seinem Vater helfen ihm Gespräche mit der Mutter, mit Freunden und regelmäßige Internetkontakte zu seinem fernen Papa. Als der endlich zurückkehrt, fällt es der Puppen-Familie schwer, sich wieder an die alte Rollen- und Aufgabenverteilung zu gewöhnen.

"Einsätze", "Heimkehr" oder schlichtweg "Veränderungen" heißen daher auch die Sesamstraßen-Videos, die sich aus dem Internet herunterladen lassen. Neben den Sesamstraßen-Puppen teilen darin auch echte Kinder und ihre Familien offen ihre Sorgen aber auch kleine Freuden. "Wenn Papa weg ist, ist das sehr schwer für mich", erklärt ein kleiner Junge, "Aber dann bin ich zu Hause der Chief!" Ein Soldat spricht aus dem Irak über eine Webcam mit seinem Sohn: "Hi Connor, ich liebe dich und gebe dir diesen Kuss." Und eine alleinerziehende Mutter erzählt, wie schwer es ihr gefallen ist, als sie zum dritten Mal fort musste und ihre kleine Tochter ihrer Mutter überließ.

Auch Hefte, Lieder und Poster sind Teil des Projekts. Die ersten 500 Sets hat "Sesame Workshop" an Soldatenfamilien bereits verteilt.

Topics
Schlagworte
Panorama (30669)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »