Ärzte Zeitung, 17.06.2008

Allgemeinarzt, Fußballfan und Sammler

Dr. Othmar Herrmann aus Frankfurt am Main hat über 5000 Programmhefte und 3000 Fotos der Eintracht im Keller

FRANKFURT AM MAIN. Samstag, 14. August 1965. Othmar Hermann, zwölf Jahre jung, sitzt zum ersten Mal in seinem Leben in einem Fußballstadion. Nicht in irgendeinem, sondern im Frankfurter Waldstadion. Es ist das erste Bundesligaspiel der Eintracht in der Saison 1965/66 und der erste Auftritt des späteren Nationalspielers Jürgen Grabowski für den Verein. Gegner ist der Hamburger SV. Am Ende steht es 2:0 für die Eintracht, die an diesem Nachmittag einen ihrer treuesten Anhänger gewinnt.

Von Pete Smith

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Dr. Othmar Hermann, Allgemeinarzt aus Frankfurt am Main in seiner Praxis.

Fotos: Smi

Heute ist Dr. Othmar Hermann, niedergelassener Allgemeinmediziner in Frankfurt am Main, 55 Jahre alt und weiterhin begeisterter Eintracht-Fan. Die Eintrittskarte von einst sowie das dazu gehörige Programmheft besitzt er noch immer. Mehr noch: Hermann kann von sich behaupten, Besitzer des weltweit größten privaten Eintracht-Archivs zu sein.

Der Arzt sammelt auch Teddys, Kinoplakate und Filmfotos

"Ich habe das Sammler-Gen", erklärt Hermann und schmunzelt. Wer durch sein Haus wandert, findet dafür etliche Belege. Ins Auge fallen zunächst die vielen Teddys - von denen es über mehrere Etagen verteilt inzwischen etwa 300 Exemplare gibt. An den Wänden hängen Kinoplakate und Filmfotos, 50 000 (!) Filmprogramme stapeln sich im Keller. Auch Bücher zur Topografie, Comic-Hefte und Filmmusik sammelt der leidenschaftliche Arzt. Und natürlich alles über die Eintracht.

Othmar Hermann, Jahrgang 1952, lebt seit seiner Geburt im Frankfurter Stadtteil Rödelheim. In dem von seinem Großvater gebauten Haus eröffnete sein Vater 1952 eine internistische Praxis. Hermann hat in Frankfurt Medizin studiert und nach seinem Examen 1978 zunächst in der Chirurgie des Markus-Krankenhauses gearbeitet. Hier hat er auch seinen Facharzt für Chirurgie absolviert, dem der Facharzt für Allgemeinmedizin folgte.

Heute führt er mit seiner Frau, einer ausgebildeten Krankenschwester, die Praxis seines Vaters fort. "Wir sind ein Kleinstfamilienbetrieb - im Grunde eine aussterbende Spezies", sagt Hermann mit Blick auf die zunehmende Zahl Medizinischer Versorgungszentren.

Seine Sammlerleidenschaft begann im Alter von acht Jahren. Damals war er zum ersten Mal im Kino. Das Programmheft zur Mickey-Mouse-Jubiläumsschau war sein erstes. Später hat er aus seinem Hobby einen Nebenberuf gemacht, indem er mit Kinoprogrammheften Handel trieb. Regelmäßig besuchte er den Sammlermarkt im Filmmuseum, gab Annoncen auf, studierte entsprechende Fachmagazine. Bis seine Praxis wuchs und ihm für den Nebenberuf keine Zeit mehr blieb.

Auch die Programmhefte der Eintrachtbegegnungen stapeln sich in Hermanns Keller. 5000 besitzt er davon, die Jahrgänge von 1950 an seien ziemlich komplett. "Das ist schon ein bisschen pathologisch", lacht er über sich selbst. "Aber so lange es Spaß macht…" Darüber hinaus nennt der Allgemeinarzt etwa 800 Plakate der Frankfurter Eintracht, 2000 bis 3000 Pressefotos, etliche Autogrammkarten, Mannschaftsfotos und Sammelbilder sein eigen. Dazu kommen 100 Wimpel, Gläser mit Eintracht-Emblem und vieles mehr.

Ein Trikot ist Dauerleihgabe im Eintracht-Museum

Auch Schätze sind darunter, wie eine Fahne vom Meisterschaftsendspiel von 1959 (das Spiel Frankfurt gegen Offenbach im Berliner Olympiastadion endete 5:3 nach Verlängerung). Eines seiner Trikots - ein Dress des ehemaligen Nationalspielers und Eintrachtkickers Richard Kress von 1959 - hat Hermann dem Eintracht-Museum als Dauerleihgabe überlassen. Vor zwei Jahren hat der Arzt mit Frank Gotta, dem Verfasser des virtuellen Eintrachtarchivs, einen aufwendigen Bildband herausgegeben: "Im Herzen von Europa… Eintracht Frankfurt".

"Natürlich gewinnt bei der EM Deutschland 2:1"

Die Spiele der Fußball-Europameisterschaft will sich der Arzt daheim ansehen. Die Vergabe der Tickets empfindet er als Zumutung. In den 1970-er Jahren war es viel leichter, an Eintrittskarten heranzukommen. 1974 verfügte Eintracht Frankfurt noch über ein Kontingent für das WM-Endspiel und das Spiel um den 3. Platz. Gemeinsam mit seiner Mitgliedschaft erwarb Hermann je zwei Karten für beide Spiele und konnte so in München live dabei sein, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde.

Für die Euro 2008 sagt der Arzt lange vor der EM dasselbe Endspiel wie damals voraus: Deutschland gegen Holland, "und natürlich gewinnt Deutschland 2 zu 1." Und noch eine Prognose wagt Hermann: "2012 wird die Eintracht Meister."

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