Ärzte Zeitung, 15.09.2008

"Nobody's perfect" - und das soll jeder sehen

Seit Donnerstag läuft in den deutschen Kinos der Film "Nobody's perfect" von Regisseur Niko von Glasow.

Von Pete Smith

Die Irin Kim Morton organisierte einen Hungerstreik, der den britischen Contergan-Opfern eine höhere Entschädigung einbrachte.

Foto: Palladio

"Ich bin ein Filmemacher, der kurze Arme hat", sagt der contergangeschädigte Regisseur Niko von Glasow. "Vielen Behinderten fällt es schwer, das angeekelte, verwirrte oder mitleidige Starren ihrer Mitmenschen in der Öffentlichkeit zu ertragen. Die Gesellschaft muss sich an unseren Anblick gewöhnen und davon wegkommen, uns wie Wesen von einem anderen Planeten zu sehen." Daher hat von Glasow einen Film gedreht, in dem er buchstäblich die nackte Wahrheit zeigt. Im Mittelpunkt von "Nobody's perfect", der derzeit in den deutschen Kinos läuft, stehen zwölf Menschen, die durch Thalidomid geschädigt wurden und ihre Körper in einem Aktkalender zur Schau stellen.

Ein schmerzlicher, aber auch humorvoller Film

Niko von Glasow ist selbst lange vor sich davongelaufen. "Ich habe mich mein Leben lang unwohl gefühlt bei dem Gedanken an meine Behinderung und versucht, sie zu ignorieren und mich nicht der Wahrheit zu stellen", sagt er. Irgendwann bricht er aus und wagt einen radikalen Schnitt. Er überredet elf Contergan-Opfer dazu, mit ihm für einen Aktkalender zu posieren. Das Projekt begleitet der Regisseur mit der Kamera und formt aus den Bildern und Kommentaren einen sehr persönlichen, schmerzlichen und gleichzeitig humorvollen Film.

"Natürlich sehen wir anders aus, aber man kann darüber hinaus schauen", erklärt Regisseur von Glasow und lässt seine Protagonisten von ihren Ängsten, Hoffnungen und Träumen erzählen. Vieles kommt zur Sprache - die Schuldgefühle der Mutter, die Lästereien der Nachbarn, die Scham der Väter, Partnerprobleme und Suizidgedanken. Für Heiterkeit sorgen Statements wie das des britischen Schauspielers und Autors Mat Fraser, der angibt, dass er kein Problem damit habe, seinen Körper zur Schau zu stellen, weil er an entscheidender Stelle schließlich gut bestückt sei.

Protagonisten haben sich Optimismus bewahrt

So ist "Nobody's perfect" alles andere als ein trauriger Film geworden und ganz im Sinne seines Regisseurs ein Streifen, der über das Äußere weit "hinaus schaut". Dazu trägt vor allem die optimistische Grundhaltung seiner Protagonisten bei, die trotz ihrer Behinderung in ihrem Leben Großes geleistet haben - als Dressurreiterin, Politikerin, Sänger, Künstler, Astrophysiker, Sozialpädagogin, Radiomoderator, Rechtsanwalt, Schauspieler - oder eben Filmemacher.

Beim 61. Internationalen Filmfestival im schweizerischen Locarno wurde "Nobody's perfect" vom Publikum stark bejubelt. Einen "beglückenden Film über die Unvollkommenheit des Lebens", nannte die Zeitschrift "Cinema" von Glasows Dokumentarfilm.

Weitere Informationen unter: www.nobodysperfect-film.de

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