Ärzte Zeitung, 26.09.2008

Hintergrund

Diätpflaster und Ramadan - ein Widerspruch?

Dürfen Muslime während des Ramadan Diätpflaster verwenden? Da streiten sich nicht nur die Gelehrten.

Von Pete Smith

Diätpflaster sind - vor allem auf dem US-Markt - der neue Trend unter den Schlankmachern. Laut Hersteller wirken sie wie andere medizinische Pflaster: Sie werden auf die Haut geklebt und geben über diese spezielle Wirkstoffe frei, die das Abnehmen beschleunigen oder unterstützen sollen.

Hauptbestandteil der meisten Pflaster mit Produktnamen wie Pure Slim, Jen Fe, Tiji oder Slim Form Patch ist das jodhaltige Algenextrakt Fucus vesiculosus (Blasentang), weitere Inhaltsstoffe sind das koffeinhaltige Guarana, Schwarzer Pfeffer, das Stechpalmenextrakt Yerba Mate, der Appetitzügler Griffonia Simplicifolia, Leinsamen-Öl, Lecithin, L-Carnitin, Zink, Chrom und Pyruvate, das Anion der Brenztraubensäure, das die Fettverbrennung beschleunigen soll. Die Hersteller werben damit, dass 95 Prozent der Inhaltsstoffe von Diätpflastern über die Haut in die Zellen gelangen und somit Schlankheitspillen und Diätdrinks überlegen seien.

Geistige Führer sollen entscheiden

Der Ramadan, der am 29. September zu Ende geht, stellt für Muslime eine große Herausforderung dar. Immer mehr Gläubige führen daher aus den USA oder anderen westlichen Ländern Diätpflaster ein, um sich über den Fastenmonat zu retten. Weil sie jedoch nicht gegen islamisches Recht verstoßen wollen, haben einige gläubige Muslime ihre geistigen Führer um Erlaubnis gefragt, die Diätpflaster benutzen zu dürfen.

Wird Nahrung freigesetzt oder nur Appetit gezügelt?

Während Rechtsgelehrte in der Türkei keine Einwände erheben, sind Diätpflaster in Ägypten verboten. In Saudi-Arabien haben bedeutende Rechtsgelehrte erklärt, dass sie so schnell keine verbindliche Auskunft geben können. Kern der Auseinandersetzung ist die Frage, ob die Diätpflaster nur den Appetit zügeln oder auch Nahrung freisetzen. Im zweiten Fall wären sie haram, also religiös verboten. Zur weiteren Klärung werde man ein medizinisches Gutachten einholen.

Auch Nikotinpflaster sind nicht unumstritten

Während des Fastenmonats dürfen Muslime von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine irdischen Substanzen und Speisen sowie Getränke verzehren. Ausgenommen sind nur schwangere Frauen, Kranke und Kinder vor Erreichen der Pubertät sowie Soldaten und Schwerarbeiter. "Fasten ist ein Weg, den Körper zu disziplinieren", erklärte Mehmet Baris, Mufti in der südtürkischen Provinz Adana, einem Bericht des Internetdiensts Islamonline zufolge. "Jene, die Diätpflaster benutzen, versuchen dasselbe zu erreichen. Daher sind Diätpflaster nicht zu beanstanden." Und der Theologe Professor Kerim Yavuz ergänzte, dass Diätpflaster nicht das Fastengebot brächen, da sie ja lediglich eine Substanz auf die Haut applizierten.

Dem gegenüber hat Scheich Abdul Wahhab Bin Nassir Al-Tirairi, ein ehemaliger Hochschullehrer der AlImam Mohammed Bin Saud Islam-Universität in Riad, Saudi-Arabien, klar gemacht, dass Diätpflaster verboten werden, sollte sich herausstellen, dass sie den Körper mit Nährstoffen versorgen.

"Fasten stärkt den menschlichen Willen und bildet einen Muslim darin, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Wenn ein Muslim fastet, erfährt er oder sie, wie armselig sich Menschen normalerweise fühlen."

Al-Tirairi hat angekündigt, dass diese Frage letztlich von Medizinern entschieden werden muss. Bei ihren Überlegungen werden diese einen weiteren Aspekt einfließen lassen: Denn inzwischen haben auch Raucher ihre höchsten religiösen Autoritäten gebeten zu klären, ob sie während des Ramadan Nikotinpflaster benutzen dürfen oder nicht.

Ramadan

Das Fasten ist eine im Koran festgelegte religiöse Pflicht der Muslime. Ausschlaggebend für den Beginn sowie das Ende des Ramadan ist jeweils die erste Sichtung der Mondsichel, so dass der Fastenmonat unterschiedliche Zeiten hat. In Deutschland fällt der Ramadan in diesem Jahr auf die Zeit vom 1. bis zum 29. September; das Fest des Fastenbrechens beginnt am 30. September.

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