Ärzte Zeitung, 24.02.2009

Was bei der Suche nach Glück zu beachten ist - und warum zehn Cent schon helfen können

Glück ist immer das Glück der anderen. Diese Auffassung ist weit verbreitet, weshalb auch die Sehnsucht nach Glück anhaltend groß ist. Wie sich jeder sein persönliches Glückssüppchen kocht, dazu gibt es mindestens so viele Ratgeber wie Kochbücher.

Von Pete Smith

Der Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen untersucht Risiken und Nebenwirkungen der Glückssuche.

Foto: Herbert Management

Ein besonderes Exemplar liegt seit heute druckfrisch aus: "Glück kommt selten allein…", ein kluges, heiteres und profundes Werk vom Arzt-Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen. "Mit Glückstipps ist es so ähnlich wie mit Diätratgebern", schreibt Hirschhausen zu Beginn. "Wenn etwas wirklich funktionieren würde, wäre der Markt nicht so voll davon!"

So ist es nur konsequent, die Erwartungen der Leser sogleich zu dämpfen. Jedenfalls die der Pessimisten und Kritiker, denen der Autor ein eigenes Vorwort widmet: "Dieses Buch wird Sie enttäuschen", heißt es darin. "Es tut mir leid, Sie werden nicht finden, was Sie suchen." Im Vorwort für Optimisten und Neugierige dagegen verleiht Hirschhausen seiner eigentlichen Hoffnung Ausdruck: "Dieses Buch kann Sie glücklich machen." Und: "Sie werden mehr finden, als Sie für sich selber brauchen."

So ist das mit dem Glück. Es kommt stets auf die Perspektive an. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Freue ich mich über die 500 Euro mehr Gehalt im Monat, oder ärgere ich mich darüber, dass meine Kollegen das Doppelte kriegen?

Der Arzt Hirschhausen nähert sich seinem Thema als Wissenschaftler, weshalb er prominente Zeugen aufruft, etwa den Ulmer Psychiater, Philosophen und Psychologen Manfred Spitzer, der ein eigenes Kapitel beisteuert. Spitzer zitiert eine Studie, in der Studenten nach der Zufriedenheit mit ihrem Leben befragt wurden. Jene, die kurz vor der Untersuchung in einer Telefonzelle "zufällig" ein Zehn-Cent-Stück finden durften, beurteilten ihr gesamtes früheres Leben signifikant positiver.

Hirschhausen zieht daraus eigene Schlüsse. Wenn es glücklich macht, ein Geldstück in einer Telefonzelle oder auf der Straße zu finden, und glückliche Menschen bekanntlich gesünder sind: Wäre es dann nicht klug, die Deutschen dadurch gesünder zu machen, "einen Teil der Krankenkassenbeiträge auf die Straße zu werfen statt aus dem Fenster"?

Um dem Leser seinen persönlichen Weg zum Glück zu weisen, schenkt ihm der Autor einen Glückskompass zum Ausschneiden und Zusammenbasteln: zum Glück in der Gemeinschaft (Liebe, Familie), zum Glück des Zufalls (das Zehn-Cent-Stück), zum Glück des Moments (Genuss, Zeit nehmen), zum Glück der Selbstüberwindung (wachsen an der Herausforderung) und zum Glück der Fülle (Schönheit der Natur, Stille). Ist es ein Zufall, dass es im Deutschen für das höchste der Gefühle nur ein Wort gibt, während viele andere Sprachen wie etwa das Englische dafür drei kennt: luck (Glück haben), pleasure (Glücksmoment erleben) und happiness (dauerhaft glücklich sein)?

Hirschhausen zieht viele Register, damit seine Botschaft ankommt. Für die Lesefaulen gibt es lustige Fotos wie jenes, welches beweist, dass es von Glücksburg (an der Ostsee) keinen direkten Weg nach Sorgenfrei gibt. Für die Köche hält er ein Glückskeksrezept parat. Für die Verspielten Bastelanleitungen. Für die Minimalisten Zitate ("Glück ist…") und für jene, die's genau wissen wollen eine Fülle von Studien. Meist ist der Aha-Effekt dann nur einen Buchstaben vom Haha entfernt.

Info: Dr. Eckart von Hirschhausen: Glück kommt selten allein… Rowohlt Verlag. Reinbek 2009. 384 Seiten. 18,90 Euro. ISBN 978-3-498-02997-5

Zur Person

Dr. Eckart von Hirschhausen wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Er hat in Berlin, Heidelberg und London Medizin studiert und 1994 promoviert. Danach begann er ein Studium zum Wissenschaftsjournalismus, arbeitete nebenher für verschiedene Medien und moderierte von 1998 bis 2003 die Ratgebersendung "service: gesundheit" im Hessischen Fernsehen. Seit Mitte der 1990er Jahre steht Hirschhausen auch auf der Bühne: zunächst als Zauberkünstler, dann als Comedian und zuletzt am erfolgreichsten als Solo-Kabarettist.

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