Ärzte Zeitung, 11.12.2009

Fast wie im richtigen Leben - Studenten üben das Arztsein

Ein Trainingszentrum für Medizinstudenten gibt es jetzt an der Uni Göttingen. Dort können die angehenden Ärzte realitätsnah den Umgang mit Patienten üben.

Von Christian Beneker

GÖTTINGEN. Zum Start des Wintersemesters hat die Universität Göttingen das 2,1 Millionen Euro teure Studentische Trainingszentrum für Ärztliche Praxis und Simulation (STÄPS) eröffnet. Es zähle zu den modernsten, innovativsten und größten Lehreinrichtungen für Medizin in Deutschland, so die Universität.

Dort erlernen und üben die Studierenden ärztliche Fertigkeiten. So werden sie auf den Arztberuf und den richtigen Umgang mit den Patienten realitätsnah vorbereitet. STÄPS erweitert damit als "skills laboratory" das Lehr-Curriculum der Uni. "Mit der neuen Art der Ausbildung im STÄPS trainieren wir die Fertigkeiten zur Arzt-Patienten-Interaktion", sagt Dr. Anne Simmenroth-Nayda, Ärztliche Leitung des STÄPS und Oberärztin in der Abteilung Allgemeinmedizin.

Schwierige Gespräche werden simuliert

Die Studierenden sollen auf eine möglichst angstfreie Arbeitsbeziehung zwischen Arzt und Patient vorbereitet werden. "Dabei simulieren wir auch den Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen und vermitteln Techniken der Gesprächsführung", so Simmmenroth-Nayda. Zum Konzept zählen auch das Training der körperlichen Untersuchung und der apparativen Diagnostik, zum Beispiel mit EKG-, Lungenfunktions-, Röntgen-Thorax- und Ultraschallgeräten. Geübt werden auch Venenpunktion, Injektionen oder Kathetertechniken. "Unsere Qualität liegt darin, dass wir den Übenden sofort in einer Nachbesprechung Feedback durch die beobachtenden Teilnehmer geben", sagt Simmenroth-Nayda.

Ein zusätzlich wichtiges Element ist das so genannte "Peer-Teaching": Oberärzte schulen hierfür Studenten in fortgeschrittenen Semestern zu Tutoren. Sie sollen eine festgelegte praktische Fertigkeit, etwa das Interpretieren eines EKG, selber auf hohem Niveau beherrschen und dann an jüngere Kommilitonen weitergeben. Diese Tutoren werden aus Studienbeiträgen bezahlt.

Das Beste von anderen Unis wurde herausgepickt

STÄPS verfügt auf einer Grundfläche von 1600 Quadratmetern über insgesamt 23 Räume - darunter medizinische Themenräume, Gruppenräume, Ruhezimmer und Büros. "Für das STÄPS gibt es Vorbilder an den verschiedenen Reformuniversitäten weltweit", sagt Christopher Spering, Medizinstudent in Göttingen und Initiator des STÄPS.

"Ich habe mir ein Reihe solcher Skills-Labs angeschaut. Von deren Erfahrungen konnten wir lernen und das optimale Konzept für Göttingen entwickeln." Christopher Spering erhielt für sein Engagement als "herausragender Student" den Niedersächsischen Wissenschaftspreis 2009.

Die 2,1 Millionen Euro für das Trainingszentrum wurden vollständig aus Studienbeiträgen aufgebracht.

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