Ärzte Zeitung, 07.01.2010

Beten am Krankenbett des Kindes - tun das Ärzte?

Kinderärzte in den USA unterstützen Eltern in der Regel, wenn diese darum bitten, gemeinsam für ihre schwerkranken Kinder zu beten, ergab eine Studie.

WALTHAM (ug). Religion und Spiritualität helfen manchen Patienten und Familien, mit schwerer Krankheit umzugehen. Viele Ärzte wissen, dass Beten zu innerer Ruhe führen und Trost geben kann, und unterstützen Spiritualität. Doch wie verhalten sich Kinderärzte im Krankenhaus, wenn Eltern schwer- oder gar todkranker Kinder sie bitten, mit ihnen am Bett des Kindes zu beten? Das haben Soziologen der Brandeis University in Waltham (Massachusetts) und der Rice University in Houston (Texas) in einer Studie untersucht (Southern Medical Journal 102, 2009, 1218).

In den USA geben 95 Prozent der Menschen an, an Gott zu glauben, und 90 Prozent beten regelmäßig. Es ist also nicht überraschend, dass dort Kinderärzte immer wieder mit dem Wunsch konfrontiert werden, gemeinsam mit den Eltern um das Heil schwerkranker Kinder zu beten. Besonders häufig sei das auf kinderonkologischen Stationen, vor allem wenn krebskranke Kinder im Sterben liegen, so die Forscher um Wendy Cadge von der Brandeis University. 30 Pädiater und Kinderonkologen von 13 führenden Krankenhäusern in den USA sind befragt worden, wie sie mit diesen Situationen umgehen.

Die meisten Ärzte unterstützen die Eltern in ihrem Wunsch. Doch nur eine kleine Gruppe von Ärzten betet wirklich aktiv mit oder nimmt an anderen religiösen Ritualen am Bett der Kinder teil. Die meisten sind zwar anwesend während des Gebets, beten aber nicht selbst mit. "Ich sitze ruhig dabei und höre dem Gebet mit Respekt zu", sagte etwa ein Pädiater.

Manche Pädiater allerdings versuchen, die Eltern von religiösen Ritualen am Krankenbett abzubringen. Und dann gibt es noch die Ärzte, die die Eltern an andere verweisen wie den Krankenhauskaplan, weil sie selbst nicht religiös sind und keinen Zugang zu Gebeten haben.

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