Ärzte Zeitung, 05.05.2010

Buschhospital soll Geburtsstation bekommen

Im Ngorongoro-Nationalpark in Tansania versorgen die Ärzte des Endulen-Hospitals die Massai. Medizinstudent Florian Schneider unterstützt die Klinik mit einem Verein.

Von Laura Schon

KÖLN. Ein Krankenhaus mit 72 Betten, das 80 000 Menschen als einzige medizinische Anlaufstelle dient, wäre in Deutschland undenkbar. Im Ngorongoro-Nationalpark inmitten des tansanischen Buschs ist es Realität. Das Endulen-Hospital sichert dort die medizinische Grundversorgung der im Nationalpark lebenden Massai. Florian Schneider hat es sich mit seinem 2008 gegründeten Verein Endulen e.V. zur Aufgabe gemacht, das Krankenhaus zu unterstützen.

Der 23-Jährige studiert an der Universität Witten/Herdecke im vierten Semester Medizin. Zu seinem Engagement für Endulen ist er über ganz persönliche Erfahrungen gekommen. Schneider arbeitete zwischen 2006 und 2007 für zehn Monate als freiwilliger Helfer in dem Buschhospital.

"Als ich die Stelle in Endulen angetreten habe, glich das Hospital nach europäischem Standard einer Katastrophe", sagt Schneider. Die 72 Betten bestanden teilweise aus den blanken Gestellen, soweit es Matratzen gab, waren sie beschädigt, einige nicht bezogen. Die Dächer der zehn Gebäude waren undicht, die meisten Räume völlig herunter gekommen. "Trotzdem wurde dort ganz normal gearbeitet", erinnert sich Schneider.

Patienten reisen aus bis zu 300 Kilometern an

Noch während seines Aufenthalts als freiwilliger Helfer half Schneider bei Renovierungen. "Wir haben neun Betten der Mutter-Kind-Station ausgetauscht, die Dächer abgedichtet und den kleinen Operationssaal saniert", sagt er. Das Geld dafür spendeten Freunde und Familie.

Der Einzugsbereich des Krankenhauses beträgt rund 300 Kilometer. Viele Patienten kommen wegen der weiten Wege erst, wenn die Krankheit oder Verletzung akut wird. Sie müssen häufig stationär behandelt werden. Das macht eine sterile Umgebung umso wichtiger. "Als ich dort anfing, lagen Schwangere und Schwerkranke in den gleichen Räumen", sagt Schneider. Diese Verhältnisse will der Verein verbessern.

Aktuelles Projekt ist ein neuer Gynäkologietrakt

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gründete Schneider im Februar 2008 gemeinsam mit einigen Freunden den Endulen e.V. 2009 trug der Verein 5000 Euro Spenden zusammen, die in die weitere Sanierung der Gebäude investiert wurden. Die Verantwortung für die Umsetzung der Projekte liegt bei der Klinikleitung. "Was mit den Geldern finanziert wird, hängt zu einem sehr großen Teil von der Einschätzung der behandelnden Ärzte ab", erklärt Schneider. Denn nur die Menschen vor Ort hätten einen Überblick über den Bedarf des Hospitals und seiner Patienten.

In den vergangenen Jahren konnte der Verein unter anderem die Renovierung und die Modernisierung des Labors und des Entbindungssaals, die Umzäunung des Krankenhausgeländes und die Anschaffung von vier Wassertanks unterstützen.

Aktuell arbeitet der Verein an der Errichtung eines getrennten Gynäkologietraktes. Er soll Räumlichkeiten für die lokalen Hebammen der Massai bieten und die Schwangeren von den Schwerkranken trennen. In der Kultur der Massai entbinden die Frauen normalerweise zu Hause, wo sie von den Hebammen betreut werden. In der Vergangenheit sind sie oft nur bei Komplikationen ins Krankenhaus gekommen. Das soll sich in Zukunft ändern. "Die Hebammen haben uns zugesichert, häufiger ins Krankenhaus zu kommen, wenn das separate Gebäude steht", sagt Schneider. Die für den Bau benötigten 30 000 Euro Spenden hat der Verein bereits zusammengetragen. "Das Gebäude stehen zu sehen, wenn ich nach Tansania fliege, ist mein Ziel für dieses Jahr", sagt Schneider.

Projektinfos: www.endulen.de

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