Ärzte Zeitung, 21.07.2010

Benefiz-Regatta für Menschen mit Krebs

Mächtig ins Zeug gelegt haben sich 51 Ärzte, Pfleger, Praxis- und Apothekenteams bei der Regatta "Rudern gegen Krebs" auf dem Rhein in Mainz.

Von Sabine Schiner

Benefiz-Regatta für Menschen mit Krebs

Hinweisschilder und Luftballons: In Mainz rudern engagierte Hobbysportler gegen Krebs.

© Schiner

MAINZ. Sie kämpften auf dem Rhein für die "Stiftung Leben mit Krebs". Mehr als 250 Teilnehmer waren vor Kurzem angetreten, um sich im Sprint zu messen. 400 Meter lang war die Regattastrecke auf dem Rhein. Je vier Ruderer saßen mit dem Rücken zum Ziel - markiert mit zwei rote Bojen vor den Malakoff-Terrassen. Damit nichts schief ging, war ein erfahrener Ruderer als Steuermann mit im Boot.

Die Benefiz-Regatta ist eine Initiative der "Stiftung Leben mit Krebs" in Wiesbaden. Seit 2005 organisiert die Stiftung bundesweit Wettkämpfe - etwa in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main und - bereits zum sechsten Mal - in Mainz.

Anfänger und geübte Ruderer gemeinsam im Boot

Kooperationspartner sind lokale Rudervereine und onkologische Therapieeinrichtungen. In Mainz mit dabei waren Teams von Kliniken wie dem Krankenhaus Nordwest in Frankfurt/Main, von der KV Rheinland-Pfalz, vom Mainzer Schmerzzentrum und von Pharmaunternehmen wie Pfizer und Sanofi Aventis.

Unter den Teilnehmern gibt es geübte Ruderer und absolute Anfänger. Rebecca vom Team "Schmerzkiller" zum Beispiel. Sie ist bereits eine Stunde vor dem Start "ganz gewaltig" aufgeregt.

Rudern auf dem Rhein ist anspruchsvoll. Die Strömung ist stark - der Fluss macht etwa acht Kilometer die Stunde. Zwar geht es bei der Regatta mit dem Boot nur mit der Strömung flussabwärts, doch die Boote müssen zuvor in Startposition gebracht werden. Das geht allerdings nicht ohne Anstrengung - die Boote sind etwa zehn Meter lang und zwischen 80 bis 90 Kilogramm schwer.

"Wir haben vor dem Wettkampf dreimal geübt", sagt das Team von "Poppe Reisen", einem auf Reisen für Krebspatienten spezialisiertem Unternehmen in Mainz. Trotz Training sind sie mit dem Ergebnis nach dem ersten Durchlauf weniger zufrieden. "Wir kamen als letzter ins Ziel."

Mehr Glück hatte das Team des Mainzer Kinderkrebsregisters am Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie Informatik, das seinen ersten Lauf souverän gewann.

Dem Sieg gingen Trainingseinheiten beim Mainzer Ruder-Verein voraus. "Wir haben auch die Boote zur Verfügung gestellt"; sagt Herbert Karches, Sportvorsitzender des Ruder-Vereins. Insgesamt sei vor dem Rennen 15 bis 20 Tage für die Regatta trainiert worden.

Rudern ist Teamarbeit. Wenn einer einen Fehler macht, dann kommen alle im Boot ins Straucheln. Das weiß auch die Professorin Elke Jäger vom Vorstand der "Stiftung Leben mit Krebs": Sie ist selbst als Ruderin mit den "Wasserflöhen" in Mainz am Start. Und zwar erfolgreich - ihr Team ist Sieger des großen Finales. Die Chefin am Nordwestkrankenhaus sieht zudem Parallelen zu ihrer Arbeit: "Auch die moderne Krebsbehandlung ist eine Teamleistung und nur durch den konzertierten Krafteinsatz aller Beteiligten erfolgreich." Sie freut sich, dass auch drei Patiententeams am Start sind - Teilnehmer des Projektes "Sport und Krebs" am Institut für Sportwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt/Main.

An dieses Projekt geht auch ein Teil der Erlöse der Benefiz-Regatta. Finanziert werden etwa Sporttherapeuten, die spezielle Sporteinheiten für Krebspatienten anbieten.

Geld für ein Hilfsprojekt in Äthiopien

"Das Geld geht in diesem Jahr zusätzlich noch an ein Hilfsprojekt in Äthiopien", erzählt Elke Jäger. Für die 80 Millionen Äthiopier gebe es dort nur ein einziges Krankenhaus mit 18 Betten. "Ausgebildete Ärzte und Medikamente fehlen weitgehend", so Jäger. Die Stiftung will deshalb mithelfen, ein Patientenheim aufzubauen, ein Fahrzeug für den Patiententransport zur Verfügung zu stellen und Ausbildungsstipendien für äthiopische Ärzte in Frankfurt anzubieten.

www.rudern-gegen-krebs.de

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