Ärzte Zeitung, 16.11.2010

Rettungsaktion für eine Millionenmetropole

Mexiko-Stadt hat mit etwa 20 Millionen Einwohnern genauso viele wie Australien - allerdings auf einer 1000 Mal kleineren Fläche. Die Stadtverwaltung sucht den drängenden Umweltproblemen der wachsenden "Megapolis" Herr zu werden. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2015 soll Mexiko-Stadt wieder "bewohnbar" werden.

Rettungsaktion für eine Millionenmetropole

Hochhäuser im Smog: Mexiko-Stadt hat massive Umweltprobleme.

© Cruz/dpa

MEXIKO-STADT (dpa). In der mexikanischen Stadt Cancún werden sich Ende November Politiker und Experten aller Länder treffen, um die Rettung der Welt vor der Klimakatastrophe voranzubringen. Tanya Mueller vom Umweltamt in Mexiko-Stadt würde es schon reichen, die Luft der Metropole ein kleines bisschen angenehmer zu machen. Mueller hat an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert und unterstützt den "Plan Verde" ("Grüner Plan") des amtierenden Bürgermeisters Marcelo Ebrard, der sich der Verbesserung der Umwelt in Mexiko-Stadt verschrieben hat.

Bis 2015 soll die Stadt wieder "bewohnbar" werden, heißt es darin. Der Maßnahmenkatalog ist entsprechend lang. So sollen zum Beispiel Dächer begrünt, Fahrradwege gebaut, Wasser gespart und Müll getrennt werden.

Rettungsaktion für eine Millionenmetropole

Der dichte Straßenverkehr gilt als Hauptursache für die hohe Luftverschmutzung.

© dpa

Denn die Liste der Probleme ist leider ebenso lang. Das Wasser ist eines der drängendsten, sagten Bürger in einer Umfrage. Mexiko-Stadt breitete sich einst auf einem trockengelegten See aus. Durch den Entzug von Wasser sinken Gebäude inzwischen bis zu sieben Metern in den Grund. Der starke Regen kann wegen der Flächenversiegelung nicht abfließen, und darüber hinaus weiß keiner, wohin mit dem Abwasser der Millionenmetropole.

Auch die Ein- und Ausfallstraßen Mexikos verwandeln sich allmorgendlich und am Abend in endlose Ströme - aus Blech. Mehrere Millionen Menschen pendeln täglich zur Arbeit in Mexikos Hauptstadt - die meisten davon im Auto, das längst zum Statussymbol in dem Schwellenland avanciert ist.

Seit den frühen 1990ern versuchen die Behörden, dem Smog mit Fahrverboten für Altautos in der auf 2300 Metern Höhe gelegenen Stadt beizukommen - bisher allerdings fast ohne Erfolg.

Ein massiver Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs soll jetzt die Pendlerströme bändigen. Zudem wird den Bewohnern das Fahrradfahren schmackhaft gemacht. Ein Prozent des Verkehrs machen die Fahrräder im Moment aus, fünf sind das Ziel. "Umfassende und sofort wirkende Lösungen sind bei einer Metropole dieser Größenordnung einfach nicht möglich", sagt Peter Krieger von der größten mexikanischen Universität UNAM. Krieger befasst sich in seiner Forschung mit den Herausforderungen von "Megacities", das sind Städte, die mehr als 10 Millionen Einwohner haben. In Mexiko-City leben schätzungsweise 20 Millionen Menschen.

Mit dem "Plan Verde" sei Mexiko-Stadt auf einem guten Weg und dabei, zu den beiden besonders "grünen Städten" Lateinamerikas aufzuschließen. Wobei die Größenordnung in Mexiko nicht vergleichbar mit den Vorbildern Curitiba (Brasilien) und Bogotá (Kolumbien) sei. "Bei uns leben so viele Menschen wie in der ehemaligen DDR oder Australien, entsprechend aufwendig sind die Maßnahmen", erklärt der Professor.

Ebenso groß sind jedoch auch die Auswirkungen. Mexiko-Stadt hat die Plastiktüten in Supermärkten mit einer Gebühr belegt, um sie aus der Stadt zu verbannen. Bisher kamen allein im Zentrum von Mexiko-Stadt jedes Jahr eine halbe Milliarde Tüten in den Umlauf. Jetzt folgen andere Städte Mexikos dem Beispiel der Hauptstadt. "Mexiko-Stadt ist Vorbild und Vorreiter für die anderen Städte im Land und in Zentralamerika", sagt Tanya Mueller.

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