Ärzte Zeitung, 21.01.2011

Tod nach sechster Brust-Op: Wiederholte Eingriffe sind ein Risiko

Sie war gerade 23 Jahre, doch ihr Schönheitsideal trieb sie offenbar zu oft unter das Messer. Nach ihrer sechsten Brustvergrößerung starb am Donnerstag das Erotikmodell Cora. Nun warnen Experten: Sechs Brust-Operationen sind einfach zu viel.

Von Ingrid Kreutz

Tod nach Brustvergrößerung - wiederholte Eingriffe sind riskant

Die Erotikdarstellerin Cora: Sie starb nach ihrer sechsten Brust-Op im Alter von nur 23 Jahren.

© dpa

Nach der tödlichen Brust-Vergrößerung der Erotikdarstellerin "Cora" soll eine Obduktion die genaue Todesursache klären. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 49- jährigen Chirurgen und die 54-jährige Anästhestin der Hamburger Privatklinik.

Der Verdacht lautet auf fahrlässige Tötung. Die Ermittler wollen auch prüfen, ob die 23 Jahre alte Cora möglicherweise Wachstumshormone vor der Operation genommen hatte.

Bislang sei allerdings nicht bekannt, wie die Prominente starb, erklärte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers am Freitag in Hamburg. Die Obduktion soll Anfang kommender Woche stattfinden. Mit Ergebnissen wird wenige Tage später gerechnet.

Bei der Patientin, die auch durch die Show "Big Brother" bekanntwurde, waren während der Operation Komplikationen aufgetreten. Sie lag darauf neun Tage im Koma, bevor sie am Donnerstag im Uniklinikum Hamburg Eppendorf starb. Cora hatte sich insgesamt sechs Mal den Busen vergrößern lassen.

Ob die Ärzte, die bei der jungen Frau in der Hamburger Klinik die Brüste vergrößert haben, Schuld an ihrem Tod wenige Tage danach sind, lässt sich derzeit noch nicht sagen.

War es möglicherweise von Bedeutung, dass die Brüste so stark vergrößert wurden, und dass deswegen die Op zu lange dauerte? Das hält die Plastische Chirurgin Dr. Marita Eisenmann-Klein aus Regensburg für unwahrscheinlich.

"Auch wenn Brüste stark vergrößert werden, dürfte sich die Operationsdauer dadurch nicht groß verlängern", sagte die Direktorin der Klinik für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie des Caritas-Krankenhauses St. Josef in Regensburg der "Ärzte Zeitung".

Ein solcher Eingriff dauert in der Regel etwa 1,5 Stunden. "Das ist eigentlich in puncto Anästhesie kein stark belastender Eingriff", so Eisenmann-Klein.

Probleme kann es nach Angaben der Expertin jedoch geben, wenn statt der meist üblichen Vollnarkose die Lokalanästhesie gewählt werde. Bekomme die Patientin dann plötzlich Schmerzen und man erhöhe die Dosis des Lokalanästhetikums, könne es leicht zur Überdosierung und in der Folge zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Auch bei umfangreichen Fettabsaugungen, wenn am Bauch sowie am Oberschenkel außen und innen abgesaugt werde, besteht bei Lokalanästhesie die Gefahr der Überdosierung. Die Plastische Chirurgin rät daher auch bei solchen Eingriffen zur Vollnarkose.

Ein weiteres Risiko bei der Brustaugmentation: Es kann passieren, dass der Operateur die Pleura anreißt, wenn er die Implantate unter den Brustmuskel legt, und so einen Pneumothorax schafft. Das muss dann rechtzeitig erkannt werden.

Kritisch kann es auch werden, wenn wegen eines zu hohen Blutverlustes während der Op der Blutdruck stark abfällt. Nicht selten passiert es nach den Erfahrungen von Eisenmann-Klein bei Brustoperationen, dass lagerungsbedingt der Blutdruck abfällt, und zwar weil man die Patientin innerhalb einer sitzenden Position operiert.

"Das machen wir, weil man sich dann besser vorstellen kann, wie die Patientin später aussieht. Und man sieht besser, wo der Schnitt liegt", sagt die Expertin.

"Bei Eingriffen in sitzender Position kann es jedoch vorkommen, dass die Anästhesisten sagen, dass man die Patientin wieder flacher legen muss, weil der Blutdruck zu stark abfällt. Das muss man alles im Blick haben."

War es im Falle der Hamburger Patientin vielleicht ein Problem, dass sie zu häufig operiert wurde? "Leichter wird es nicht mit jeder weiteren Operation", so Eisenmann-Klein.

So müsse bei immer größeren Implantaten die bindegewebige Kapsel, die der Körper um das Implantat bildet, je nach Typ des Implantates komplett herausgeschnitten werden.

Bei mehrfach voroperierten Frauen könne es sein, dass durch die Narben und Adhäsionen ein Pneumothorax entstehe, erklärte die Expertin.

Leitlinien dazu, wie häufig Brustvergrößerungen ohne großes Risiko vorgenommen werden können, gibt es bislang noch nicht.

"Wenn eine Patientin mehrmals kommt und sich immer größere Brüste wünscht, würde ich bereits nach der zweiten Op von weiteren Eingriffen dieser Art abraten", sagt Eisenmann-Klein.

Empfehlungen gibt es ebenso wenig zum Maximalgewicht der Brustimplanate. Die Regensburger Expertin rät, dies auch von der Statur der Patientin abhängig zu machen.

"Einer schlanken Frau mit etwa 50 kg Körpergewicht würde ich Implantate mit maximal 450 g Silikon einpflanzen. Größere Implantate würden bei einer solchen Patientin niemals natürlich aussehen."

Außerdem nehme mit der Größe der Implantate auch das Risiko für Spätkomplikationen wie Kapselfibrose und mechanische Belastungen zu, warnt Eisenmann-Klein.

Zudem können die Implantate einreißen, und die Patientin kann statische Probleme bekommen mit massiven Wirbelsäulenbeschwerden.

Auch eine Altersbeschränkung für Brustvergrößerungen gibt es derzeit nicht. Das EU-Parlament empfiehlt jedoch, dass Brustoperationen aus ästhetischen Gründen nicht bei Frauen unter 18 Jahren vorgenommen werden sollten.

Bestraft werden können Ärzte, die minderjährige Mädchen operieren, jedoch nicht, sofern die Eltern der betreffenden Patientin dem Eingriff zuvor zugestimmt haben.

[23.01.2011, 14:40:18]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Ein Armutszeugnis!
Die Diskussion wie viel, wie häufig und in welcher Ergebnisqualität ist bei kosmetischen Eingriffen sekundär. Das Narkoserisiko ist mit entsprechender Fachkunde auch bei Mehrfacheingriffen nicht erhöht. Entscheidend ist, dass offensichtlich bei diesen Wunsch- und Wahleingriffen viel häufiger Komplikationen auftreten, die Qualifikation und das klinische Outcome schlechter sind als bei Krankheitsbehandlungen. Bei uns in Dortmund starb vor einigen Jahren eine Patientin nach einer abdominellen Fettabsaugung (Liposuction), weil Peritoneum und Darm perforiert bzw. eine Peritonitis nicht erkannt und rechtzeitig behandelt wurde.

Die aktuelle Meldung ist schlimm und beschämend für uns Ärztinnen und Ärzte, weil diese Ereignisse auf uns Alle zurückfallen. Ich bin da wirklich versucht, in einen sarkastischen Zynismus zu verfallen: Soll nicht gerade in den Niederlanden eine Klinik aufgebaut werden, die dies in ganz anderer Form reproduzieren möchte???

Mit kollegialen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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