Ärzte Zeitung, 21.05.2012

Special Olympics - Ziel ist Spaß an der Bewegung

Bundespräsident Joachim Gauck ist Schirmherr der Special Olympics. Die Wettbewerbe für Menschen mit geistigen Behinderungen sind in München offiziell eröffnet worden.

Von David Kluthe

Special Olympics - Ziel ist Spaß an der Bewegung

Wieder auf Medaillen-Jagd: Kathrin Schaefer, Special Olympics-Athletin.

© dpa

MÜNCHEN. Special Olympics in München: Mit Dauersiegerin Kathrin Schaefer und 5000 weiteren Athleten haben die Wettkämpfe für Menschen mit geistiger Behinderung begonnen.

Ihren größten Erfolg feierte Multitalent Kathrin Schaefer am anderen Ende der Welt. Bei den weltweiten Winterspielen der Special Olympics in Alaska holte die Skirennfahrerin 2001 Silber und Bronze. Doch Schaefer beschränkt sich nicht nur auf Wintersport.

In dieser Woche startet die Leichtathletin mit Down-Syndrom bei den nationalen Wettkämpfen für Menschen mit geistiger Behinderung in München. 100-Meter-Sprint, Weitsprung und Staffellauf stehen für die 27-Jährige bei den diesjährigen Special Olympics in der bayerischen Landeshauptstadt auf dem Programm.

Rund 5000 Athletinnen und Athleten sind nach München angereist. Die Wettkämpfe sind unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck mit der Eröffnungsfeier im Olympiastadion gestartet worden. "Aufgeregt bin ich nicht, ich zieh's einfach durch", sagt Schaefer vor ihrem ersten Wettbewerb.

Leistungssport im Hintergrund

Die Medaillen-Sammlung der ehemaligen bayerischen Athletensprecherin ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: 15 Gold-, zehn Silber- und vier Bronzemedaillen hat Schaefer bei den Sommer- und Winterspielen der nationalen Special Olympics bereits gewonnen.

Doch Leistungssport und Erfolgsdruck stehen bei den Wettkämpfen, bei denen in diesem Jahr in 19 Sportarten Medaillen vergeben werden, eher im Hintergrund.

"Wir verstehen uns ganz klar als Breitensportbewegung", betont der Geschäftsführer der Special Olympics Deutschland (SOD), Sven Albrecht. Die Paralympics, bei denen größtenteils Menschen mit körperlichen Behinderungen starten, seien hingegen "klassischer Leistungssport".

Den Organisatoren der Special Olympics geht es vor allem darum, Menschen mit Handicap auf Dauer in den Sportvereinen unterzubringen. "Wir wollen, dass die Athleten regelmäßig trainieren, nicht nur alle zwei Jahre", fordert Albrecht.

Leichtathletin Schaefer absolvierte die Vorbereitung bei ihrem Heimatverein EBK Olching. Das gemeinsame Sporttreiben von behinderten und nicht-behinderten Menschen ist dort fest verankert. In vielen anderen deutschen Vereinen klappt die sogenannte Inklusion aber noch lange nicht so gut.

"Es gibt schon ganz tolle Beispiele in Deutschland", erzählt Albrecht. "Aber der lokale Sportverein ist nach wie vor nicht weit genug geöffnet." Immer noch gibt es Defizite bei den Trainingsmöglichkeiten.

Die Erfolge von geistig-behinderten Sportlern in den Fokus rücken

Über Siegerehrungen, Vereinszeitungen oder die lokale Presse wollen die Verantwortlichen mehr Bewusstsein für die Erfolge von geistig-behinderten Menschen schaffen. Auch die Special Olympics sollen entscheidend dazu beitragen.

Der Präsident des SOD-Organisationskomitees, Hans-Jürgen Schulke, fordert außerdem, Vereine besser auf die Arbeit mit behinderten Menschen vorzubereiten. "Die sprechen zum Teil anders, die verstehen manche Dinge anders und darauf muss man ein bisschen vorbereitet sein", erklärt Schulke.

Intensive Vorbereitungen liefen bis zum Schluss im Münchner Olympiapark sowie den acht weiteren Sportstätten der Special Olympics.

Nach dem Fan-Festival rund um das dramatisch verlaufende Münchner Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und Chelsea London am vergangenen Samstag blieb nicht viel Zeit, um alles aufzubauen.

Am Ende ist es aber doch gelungen, alle Weichen für spannende Wettbewerbe zu stellen. "Kathi" Schaefer und die anderen Athleten haben langer genug gewartet. Doch jetzt haben die Spiele endlich begonnen. (dpa)

Topics
Schlagworte
Panorama (30661)
Personen
Joachim Gauck (39)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »