Ärzte Zeitung, 07.10.2014

TV-Kritik

Harte, aber faire Debatte um assistierten Suizid

Assistierter Suizid ja oder nein? Das Thema ist brandaktuell und polarisiert. Frank Plasbergs ARD-Talk machte am Montagsbend seinem Namen alle Ehre: Die Debatte war hart, aber fair.

Von Christoph Fuhr

Harte, aber faire Debatte um assistierten Suizid

Zu Gast bei Frank Plasberg (r): Urologe Dr. Uwe-Christian Arnold (v.l.), Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert, Peter Hintze (CDU), Dr. Marianne Koch (Ehrenpräsidentin Deutsche Schmerzliga) und Dr. Klaus Reinhardt (Vorsitzender des Hartmannbundes).

© Oliver Ziebe / WDR

BERLIN. Er reist seit 15 Jahren durchs Land und hilft Menschen beim assistierten Suizid. "Aus der Praxistätigkeit heraus", sei diese Arbeit entstanden, erläuterte der Berliner Urologe Dr. Michael Arnold am Montagabend in der ARD-Sendung "Hart aber fair": "Ich finde, das ist eine ärztliche Aufgabe."

An die 200 Mal hat er beim Suizid geholfen. "Man tötet nicht, wenn man Menschen zum Freitod verhilft", sagt Arnold.

Frank Plasberg hatte eingeladen, ein topaktuelles, polarisierendes Thema, eigentlich prädestiniert für Rechthaberei und Absolutheitsansprüche. Doch davon war in über 70 Minuten nichts zu spüren. Geduldiges Zuhören war angesagt. Assistierter Suizid, ja oder nein?

"Die Ärzteschaft ist bei diesem Thema so wenig einig wie die gesamte Gesellschaft auch", sagte Hartmannbund-Chef Dr. Klaus Reinhardt. Und Peter Hintze (CDU), Bundestags-Vizepräsident, nutzte die Chance, einen Gesetzentwurf zu erläutern, den er im Bundestag unter anderem mit dem SPD-Mann Karl Lauterbach einbringt.

Die Botschaft: Wenn Schmerz, Erstickungsangst, permanentes Erbrechen und der Ekel vor sich selbst beim Patienten überhandnehmen und er aus freiem Gewissen aus dem Leben scheiden will, dann muss es im extremen Einzelfall Handlungsoptionen für Ärzte geben, diesem Wunsch nachzukommen.

Hintze will Sicherheit. "Wenn wir das im staatlichen Recht regeln", sagt er, "dann ist der Arzt, der sich an diese Vorschriften hält, geschützt".

"Man sollte nicht leichtfertig damit umgehen"

Die Medizinethikerin Professor Bettina Schöne-Seifert von der Uni Münster lag mit Hintze in vielen Detailfragen auf einer Wellenlänge. Auch sie forderte Handlungsoptionen für Ärzte im extremen Ausnahmefall.

Aber: "Kein Arzt sollte genötigt werden, beim assistierten Suizid mitzumachen. Und bei Menschen, die lebensmüde sind, sollte es diese Option ohnehin nicht geben."

HB-Chef Hartmann konstruierte für den Fall einer erlaubten Sterbehilfe warnend einen "überspitzten Extremfall": Wer über sein Genmaterial herausfindet, dass ihm Krankheiten drohen, der könnte dann, wann auch immer es ihm passt, entscheiden, dass er sterben will und Hilfe wünscht.

Marianne Koch, Ehrenpräsidentin der Deutschen Schmerzliga, mahnte dringend, auf die Palliativmedizin zu setzen: "Schluss-Aus? Damit sollte man nicht leichtfertig umgehen", warnte die 83-jährige Ärztin.

Fazit: Eine informative, durchaus gelungene Sendung - und das in einer Zeit, in der viel wirres Zeug übers Sterben in Deutschland geredet wird.

[08.10.2014, 12:33:45]
Heike Drolshagen 
assistierter Suizid
Haben Sie sich schon einmal in der Lage befunden über mehrere Tage, nichts, aber auch gar nichts, nicht einmal einen Schluck Wasser zu sich nehmen zu können, ohne sich anschließend übergeben zu müssen, unstillbar würgen zu müssen, ohne dass sich noch irgendetwas im Magen befinden kann. Kennen Sie das Gefühl, dass sich im Innern alles auf links zu drehen scheint, dass der Anus prolabiert oder dass Sie im nächsten Moment den Magen hochwürgen? Das Kennen SIe alles nicht? Aber ich, und das habe ich nicht nur ein Mal erlebt!!! Man hat dann nur noch den Wunsch, dass diese Quälerei endlich aufhört, egal wie, und wenn es durch den Tod ist. Für solche Fälle würde ich ohne weiteres dem Leidenden seinen Wunsch nach Frieden erfüllen.
Für mich hat das die Konsequenz, dass ich mich nie wieder in eine Therapie begeben werde, bei der diese Gefahr besteht! Auch nicht wenn es das Leben um einige Monate verlängern würde, zu groß ist die Qual und die Wirkung der Antiemetica (Ondansetron) zu schwach. Diese sollten wir auch keinem anderen Menchen zumuten!  zum Beitrag »

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