Ärzte Zeitung, 07.09.2016

Teddykrankenhaus

Wenn kuschelweiche Patienten in die Klinik kommen

Im Teddykrankenhaus in Leipzig bauen Kinder nicht nur ihre Ängste ab, sondern lernen auch etwas über gesunde Ernährung und den menschlichen Körper - zum Beispiel an einem Plüschtier, dem Organe entnommen werden können.

Von Luise Poschmann

Wenn kuschelweiche Patienten in die Klinik kommen

Medizinstudentin Anna Schmidt zeigt ihren jungen Besuchern, wie eine Kuschelmaus abgehört wird.

© Luise Poschmann

LEIPZIG. Das mit dem Teddy ist natürlich nicht so streng gemeint. Auch das Krokodil, das Einhorn, der Tiger, der Drache, die Hasen, Mäuse oder Puppen können zur medizinischen Behandlung ins Teddykrankenhaus am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) gebracht werden.

Wer Beschwerden hat, wird gut versorgt. Dafür stehen in den Sommersemesterferien an drei Tagen hintereinander bis zu 80 Medizinstudenten in Leipzig bereit. Im Laufe des Jahres schauen sie auch in Kindergärten vorbei.

Als Beobachter dabei

"Den Kindern ist es oft unangenehm, zum Arzt zu gehen, einfach, weil sie das nicht kennen", erklärt die 23-jährige Medizinstudentin Anna Schmidt, die mit im Organisationsteam für das Projekt ist. Das Teddykrankenhaus gebe den Kindern die Möglichkeit, erst einmal zu beobachten, was in einer Klinik passiert.

Mit-Organisator und Medizinstudent Richard Gnatzy berichtet: "Wir bedienen uns dafür des Rollenspiels. Die Kinder schlüpfen als Papa oder Mama des Plüschtiers in die Rolle des Beobachters. So können sie die Behandlung genau verfolgen und Ängste indirekt äußern, sind aber nicht persönlich betroffen." Ziel sei, die Angst vor der Nadel oder dem weißen Kittel zu nehmen.

Ängstlich schaut aber kaum Kind aus, das an diesem Nachmittag seinen Teddy zur Behandlung gebracht hat. Es gibt auch viel zu entdecken. Schon draußen vor der Tür liegt der Teddy nach einem schlimmen Fahrradunfall schwer verletzt in einem Krankenwagen und wird von Mitarbeiterinnen des Arbeiter-Samariter-Bundes versorgt.

An anderer Stelle dient das Kuscheltier auch als spielerischer Zugang zum eigenen Körper. So wird den Kindern an einer Station etwas über gesunde Ernährung und das Zähneputzen beigebracht.

Gleich die ganze Mäusefamilie

Es wird praktisch ausgenutzt, dass die Kinder auf so unkomplizierte Weise schon einmal den Weg zu den Medizinern gefunden haben. Vermittelt wird auch Grundwissen über den eigenen Körper; einem Teddy können die Organe entnommen werden.

Herzstück ist aber natürlich der Teddyarzt. Die sechs Jahre alte Lenya hat gleich eine ganze Mäusefamilie zur Behandlung gebracht. Katrin Bosler (37), die bereits fertig ausgebildete Ärztin und gerade in Elternzeit ist, misst das Fieber und hört die Lungen ab. Am Ende gibt es noch ein buntes Pflaster.

Nicht alle Kinder kämen unbelastet in das Teddykrankenhaus, erzählt Bosler. "Einige verarbeiten auch Erkrankungen in der eigenen Familie." Da falle auch schon mal die Aussage, der Teddy brauche eine Chemotherapie. Das Teddykrankenhaus solle helfen, Vertrauen zu stärken, sagt Bosler.

Nur "leicht verletzt" kommt Yousseouph in die Teddyambulanz. Der Dreijährige muss als Ersatz-Kuscheltier herhalten, weil seine elf Jahre alte Schwester Maymouna und ihre Großmutter vergessen haben, eins mitzubringen.

Das ist aber nicht schlimm, auch Yousseouphs "Wunde" wird versorgt. Dann darf er doch auch noch selbst ein Stethoskop ausprobieren.

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