Ärzte Zeitung, 18.04.2008

UND SO SEH´ ICH ES

Schizophren - die KBV tritt als AG mit sich selbst in Konkurrenz

"Alles neu macht der Mai" sagt man, manchmal aber bringt es auch schon der April. Zuerst war es nur ein Ondit, und die, die stets das Gras wachsen hören, erzählten es hinter vorgehaltener Hand weiter: Die KBV sei unter die Stifter gegangen. Nein, nein, man habe richtig gehört, die KBV sei nicht stiften, sondern wirklich und wahrhaftig unter die Stifter gegangen.

Diese Neuigkeit hat bei vielen Ärzten wie eine Bombe eingeschlagen. Die KBV und eine Stiftung gründen? Honi soit qui mal y pense - ein Schelm sei, wer da Böses und an Stiftungen in Liechtenstein denkt. Viele aber hielten es sowieso für völlig unmöglich, da einen Stiftungsgründer in der Regel nicht nur eine winzig kleine Prise, sondern eine riesengroße Dosis Großzügigkeit auszeichnet - und derartiges kann man der KBV wahrlich nicht unbedingt nachsagen.

Dennoch ist die Nachricht wahr. Die KBV hat tatsächlich und im Handumdrehen eine Stiftung aus dem Ärmel geschüttelt, die den stolzen Namen Aesculap trägt und mit der sie "die vertragsärztliche Tätigkeit fördern und die Forschung vorantreiben möchte" - wie die offizielle Version heißt. Wie man hört, sollen knapp 40 Vorstandsmitglieder aus KBV und KVen das Stiftungskapital aus eigener Privatschatulle finanziert haben, man spricht von etwa 50 000 Euro. Und es sei, Gott behüte, kein öffentliches Geld geflossen.

Die Gründung einer Stiftung war nach Meinung der KBV notwendig, da es einer Körperschaft öffentlichen Rechts wie der KBV nicht erlaubt sei, irgendwelche privaten Geschäfte zu tätigen. Doch was die KBV nicht darf, ist einer Stiftung nicht verboten - und so bekommt die ganze Sache einen Sinn ...

Der eigentliche Zweck der Stiftungsgründung war die Bildung einer Aktiengesellschaft. Diese neue AG soll mit einem Grundkapital von fünf Millionen Euro ausgestattet sein, wobei die Ärzte- und Apotheker-Bank 50,1, der Deutsche Ärzte-Verlag (der zur Hälfte der KBV gehört) 24,9 und die Aesculap-Stiftung die restlichen 25 Prozent halten.

Jetzt kann die neue AG mit Krankenkassen und anderen Interessenten Verträge abschließen, wie das einige Berufsverbände heute schon tun. Die KVen und auch die KBV wollen so ihrem Machtverlust vorbeugen. Jetzt fehlte nur noch, dass die neue AG nach dem Beispiel der Telekom Aktien emittiert, zwar keine Volksaktien, dafür aber Ärzte-Aktien - die in der Folge hoffentlich nicht auch zu einem ähnlichen Mammutprozess führen, wie ihn die Telekom derzeit führt.

Der erste erfolgreiche Schritt ist allem Anschein nach auch schon getan: Angeblich hat man bereits mit der Knappschaft einen Vertrag abgeschlossen. Womit die AG der KBV denn mit der KBV selbst in Konkurrenzkampf getreten ist. Wie gut, dass Ärzte auch Heiler und Psychiater sind; denn ein bisschen schizophren ist die Sache schon - meint

Ihr Ironius

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