Ärzte Zeitung, 09.06.2008

An Spieltagen haben Ärzte Urlaubssperre

Mit einem großen medizinischen Aufgebot wird während der EURO 2008 die Notfallversorgung gesichert

Damit die medizinische Versorgung rund um die Fußball-Europameisterschaft klappt, haben die Organisatoren intensive Vorkehrungen getroffen. Das betrifft sowohl die ärztliche Versorgung verletzter Spieler als auch behandlungsbedürftiger Zuschauer und Offizieller.

Von Pete Smith

Zwei Eurofighter überfliegen das Ernst-Happel-Stadion in Wien. Dort wird das Endspiel der EURO 2008 stattfinden.

Foto: dpa

Erleichtert werde diese Aufgabe durch eine ausgezeichnete Infrastruktur in Österreich und der Schweiz sowie ein dichtes Netz von Gesundheitseinrichtungen und medizinischem Personal, das im Vorfeld der EM entsprechend aufgerüstet worden sei, so die Organisatoren.

Den Anforderungen des Europäischen Fußball-Verbandes Uefa gemäß muss die Versorgungskapazität in den jeweiligen Stadien auf mindestens ein Prozent der Zuschauer ausgerichtet sein. Das bedeutet, dass in einem Stadion, welches für 40 000 Zuschauer Platz bietet, im Notfall wenigstens 400 Verletzte behandelt werden können. In den einzelnen Stadien stehen Dutzende von Ärzten, Rettungssanitätern sowie Pflegefachpersonal bereit, deren Aktivitäten von einer Einsatzzentrale vor Ort koordiniert werden. Es gibt Intensivbehandlungsplätze sowie Betten für Leichtverletzte.

Auch in den Public-Viewing-Zonen und Fanmeilen wurden medizinische Anlaufstellen eingerichtet. Dahinter steht das Konzept, im Notfall möglichst wenige Patienten in die Krankenhäuser transportieren zu müssen. Für diesen Fall sind besondere Vorkehrungen getroffen worden, um den störungsfreien An- und Abtransport von Patienten zu sichern.

Beispiel Wien, Austragungsort des EM-Endspiels: In der Hauptstadt wurden, um die Krankenhäuser zu entlasten, direkt am Ernst-Happel-Stadion sowie in der Fanzone am Rathausplatz Außen-Ambulanzen eingerichtet, wo Leichtverletzte versorgt werden können. Auch kleinere Eingriffe würden direkt vor Ort vorgenommen, heißt es. An Spieltagen sollen in Wien insgesamt 560 Sanitäter und 50 Notärzte im Einsatz sein. Den Helfern stehen 55 Krankentransport-, 36 Rettungstransport- und 16 Notarztfahrzeuge zur Verfügung. Im Einsatz sind 18 Sanitätshilfeteams, neun davon mit Notarzt. In 18 Sanitätshilfestellen können pro Stunde 25 Patienten versorgt werden.

Betreuungsintensive Patienten und chronisch Kranke können bei Bedarf in Pflegeheime verlegt werden, um in den Kliniken der Stadt zusätzliche Plätze für Notfälle zu schaffen. Jeder Klinik werden an Spieltagen drei zusätzliche Ärzte zugeteilt. Für angestellte Ärzte, Schwestern und Pfleger gilt eine Urlaubssperre. Die Zahl der Routineoperationen wird an den Spieltagen reduziert.

Im Vorfeld der Europameisterschaft hat der Krankenanstaltenverbund in Wien Katastrophenszenarien durchgespielt sowie Personal- und Operationspläne erstellt. An allen Spielstätten wurden die Blutkonserven aufgestockt. Zudem hat das Rote Kreuz einen elektronischen Konserven-Pool entwickelt, der eine raschere Versorgung gewährleisten soll.

Auch für die medizinische Akutversorgung der Spieler sei gesorgt, so die Veranstalter. In unmittelbarer Nähe eines jeden Austragungsortes gebe es Zentren, die auf Sportverletzungen spezialisiert seien. Ein effektives Notfallsystem ermögliche im Ernstfall eine rasche adäquate medizinische Behandlung.

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