Ärzte Zeitung, 15.03.2012

Arbeitsplatz Arztpraxis: In den Achtzigern ging es gemütlicher zu

Der Arbeitsplatz Arztpraxis in den 80ern

Von der Arzthelferin zur MFA: Nicht nur die Berufsbezeichnung hat sich bei den nichtärztlichen Mitarbeiterinnen in Arztpraxen in den vergangenen 30 Jahren geändert. QM gab es aber auch schon damals.

Arbeitsplatz Arztpraxis: In den Achtzigern ging es gemütlicher zu

Internist Dr. Günter Opel (M.) mit Praxisteam (v.l.): Larissa Tornau, Sonja Balk, Christine Specht und Angela Ramsauer. Balk und Ramsauer waren schon 1982 bei Praxisgründung dabei.

© Claudia Köppel/Studio 5 Weiden

Viel Umgang mit Menschen, Arbeit mit Eigenverantwortung: "Die Arztpraxis war in den 80-er Jahren ein attraktiver Arbeitsplatz", erinnert sich Angela Ramsauer, Medizinische Fachangestellte (MFA) in der Praxis des Hausarzt-Internisten Dr. Günter Opel in der Kleinstadt Weiden in der Oberpfalz.

Voraussetzung für die Ausbildung zur Arzthelferin sei die Mittlere Reife gewesen. Und: "Der Doktor" hat damals Zeit gehabt, sich ums Praxisteam zu kümmern.

Ramsauer kann den Vergleich ziehen, denn sie war von Anfang an in der Praxis Dr. Opel mit dabei: "Vor 30 Jahren stand der Patient mehr als heute im Mittelpunkt. Seitdem ist viel Papierkram von oben draufgedrückt worden."

"Früher hat man QM ernster genommen als heute"

Durch den Druck, der etwa wegen der Vorgaben im Qualitätsmanagement herrsche, gehe vieles Zwischenmenschliche verloren, meint Ramsauer. "Früher hat man manches aus dem Qualitätsmanagement sogar ernster genommen als heute, man war sich der Verantwortung für die Patienten bewusst, obwohl man damals nicht so viel dokumentiert hat", glaubt Ramsauer.

Auch die Ausbildung ist seit den 80-er Jahren härter geworden, sagt die MFA, die inzwischen selbst Mitglied des Prüfungsausschusses ist.

Verklärter Rückblick in die gute alte Zeit? Nicht nur, betont "der Chef", Internist Dr. Günter Opel. Über den Wandel des Arbeitsplatzes hinweg habe das Team in der internistischen Praxis immer gut funktioniert, bis heute.

Er ist heute froh, dass er zwei erfahrene Arbeitskräfte hat, die seit 30 Jahren dabei sind und wissen, wie der Hase läuft, und zwei junge Fachangestellte. Die Mischung von Kontinuität und Erfahrung auf der einen und neuen Ideen auf der anderen Seite sei immer gut für eine Arztpraxis.

Damals wurde fast alles im Eigenlabor hergestellt

Der Wandel macht sich nicht nur an den höheren bürokratischen Anforderungen bemerkbar. So machte die Praxis bis auf wenige Spezialwerte damals fast alles im Eigenlabor, erinnert sich Angela Ramsauer. Heute geht dagegen fast alles in die Laborgemeinschaft.

Und nach 15 Jahren kam auch der Computer als neue Arbeitskraft dazu, inzwischen steht sogar einer im Sprechzimmer. "Dagegen habe ich mich lange gesträubt", sagt Opel. "Man fragt sich, wie man früher abgerechnet hat. Heute geht es einfach per Knopfdruck an die KV" - manches hat sich positiv entwickelt.

Auch die Arbeitsteilung ist anders geworden: "Ich muss mehr an Verantwortung abgeben als früher", sagt Opel. Die Mitarbeiterin macht Infusionen, und er macht den Ultraschall, so funktioniert Arbeitsteilung zwischen Arzt und MFA heute.

Und um die Bürokratie kümmert sich Opel so wenig wie möglich. "80 bis 90 Prozent der Abrechnung und der Buchführung machen heute die Damen oder der Computer, das tue ich mir nicht mehr an. Die Zeit ist viel zu kostbar, um sie mit Papierkram auszulasten." Er arbeite lieber mit dem Patienten. Dabei behalte er aber immer den Überblick.

Vieles hat sich seit den 80ern geändert. Einiges davon, da ist sich der Internist sicher, ist nur auf den ersten Blick neu: "Das gibt es auch viel alten Wein in neuen Schläuchen." Hausbesuche von Arzthelferinnen, Blutabnahme? Opel: "Das konnte man auch damals schon ohne VERAH und AGNES machen." (ger)

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