Ärzte Zeitung, 22.03.2012

Deutsche Ärzte im humanitären Einsatz in Afghanistan

1986: Deutsche Ärzte in Afghanistan

In den 1980er Jahren tobt in Afghanistan ein mörderischer Krieg mit der Sowjetunion. Deutsche Ärzte leisten humanitäre Hilfe - unter Einsatz ihres Lebens. Frustrierend ist auch der Kampf gegen den Opiumanbau.

1986: Deutsche Ärzte in Afghanistan

Seit Jahrzehnten das Rückgrat der afghanischen Wirtschaft: Mohnanbau und Opiumproduktion.

© dpa

Kabul/Frankfurt, im Oktober 1986. Das Deutsche Afghanistan Komitee, das mit elf Ärzten in 13 Kliniken in Afghanistan tätig ist, erleidet einen schweren Rückschlag.

In einem von sowjetischen Truppen gelegten Hinterhalt wird die gesamte medizinische Ausrüstung des mobilen Ärzte-Teams zerstört.

Wie der aus Moers am Niederrhein stammende Arzt Dr. Karl Viktor Freigang nach seiner Rückkehr aus Afghanistan in Frankfurt berichtet, sei das Team nur deshalb mit dem Leben davon gekommen, weil sie sofort instinktiv in die umliegenden Hügel geflohen seien.

Sieben Jahre Krieg in Afghanistan

Freigang ist davon überzeugt, dass der Angriff der sowjetischen Soldaten "eindeutig gegen die deutschen Ärzte gerichtet war". Bereits viermal zuvor seien Kliniken des Komitees bombardiert worden. Gleichwohl will das Komitee mit seinem medizinischen Einsatz weitermachen.

Sieben Jahre herrscht zu jener Zeit Krieg in Afghanistan. Die Fronten verlaufen zwischen der von den Sowjets unterstützten kommunistischen Regierung und den Volks-Mudschahedin.

Bei einem Besuch im Juli in Deutschland hatte Freigang der "Ärzte Zeitung" ausführlich über die Zustände in dem zerrütteten Land berichtet. Der einzige damals wie auch heute florierende Wirtschaftszweig war der Anbau von Mohn zur Gewinnung von Opium und Heroin.

Der Krieg begünstigte dabei sogar das Drogengeschäft: Denn zwischen Regierung, sowjetischen Soldaten und Mudschahedin existierten Absprachen, die Mohnanbaugebiete von kriegerischen Auseinandersetzungen weitgehend auszunehmen.

"Wir stehen da als Ärzte mittendrin"

Freigangs Fazit damals: Das gesamte angebaute Opium wird hauptsächlich nach Pakistan und Iran exportiert. Die Zahl der Drogenabhängigen in diesen beiden Ländern hat unglaubliche Ausmaße angenommen. Trotz drakonischer Strafen.

Das Geschäft mit dem Mohn ist so lukrativ, dass es durch nichts adäquates zu ersetzen ist. Denn aus einer Anbaufläche von 2000 Quadratmetern Mohn könne 20 Kilo Opium gewonnen werden, für die der Bauer zwischen 5000 und 7000 DM erhält.

Resignierend meinte Freigang: "Wir stehen da als Ärzte mittendrin. Unsere Erfolge auf medizinischem Gebiet werden da natürlich relativiert, wenn man bedenkt, wie viele Menschen dem Heroin zum Opfer fallen."

Bereits 1986 hatte der Krieg mehr als eine Million Opfer gefordert. Dennoch stand für Freigang fest: "Aufgeben werden die Mudschahedin nie, eher werden sie alle für den Islam sterben." 1989 beendete Michail Gorbatschow den Krieg. Freigangs Prognose könnte sich auch für die USA und die Nato als bittere Wahrheit erweisen. (HL)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »