Ärzte Zeitung, 14.08.2012

EBM 2000plus - ein System lernt nie aus

EBM 2000plus - ein System lernt nie aus

Mit fünf Jahren Verspätung kommt im April 2005 der neue Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM). Für Vertragsärzte heißt das, neue Ziffern zu lernen. Und die "Ärzte Zeitung" startet eine der größten Leseraktionen in ihrer 30-jährigen Geschichte.

EBM 2000plus - ein System lernt nie aus

Ein Berg von Fragebögen: Der neue EBM hielt die Redaktion der "Ärzte Zeitung" über die EBM-Hotline heftig in Atem. Vier Monate lang gab es täglich zwei Seiten mit Fragen und Antworten zum EBM.

© Michaela Illian

Deutschland im April 2005. Es war eine schwere Geburt, bis das neue Abrechnungssystem für Vertragsärzte im Jahr 2005 das Licht der Welt erblickte: der EBM 2000plus.

Nach der EBM-Reform 1996 und ihren Geburtsfehlern vor allem bei der Mengensteuerung hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zunächst für das Jahr 2000 die nächste große EBM-Reform avisiert.

Die Reform verzögerte sich dann um fünf Jahre. Dabei sollte sie - so die Hoffnung der Ärzte - doch nur ein Zwischenschritt sein auf dem Weg zur Aufhebung der Honorarbudgets.

Der EBM ist streng genommen eigentlich gar keine Gebührenordnung, weil lediglich das wertmäßige Verhältnis der Leistungen zueinander ausgedrückt wird - in Punkten. Im Jahr 2005 konnte der Punktwert, je nach Leistungsanforderung der Ärzte noch nach oben oder, was häufiger der Fall war, nach unten floaten.

Der Informationsbedarf zum neuen EBM bei den Vertragsärzten war bereits Anfang 2005 riesig, und er stieg vor Beginn des zweiten Quartals, dem Startzeitpunkt für den EBM 2000plus, immer weiter an.

Den Ärzten wurde im Jahresverlauf zunehmend bewusst, dass keine einzige Leistungsposition so bleiben würde wie zuvor. Die augenfälligsten Änderungen im neuen EBM:

Die neuen Gebührennummern hatten durchgängig 5 Ziffern.

Der neue EBM gliederte sich in arztgruppenübergreifende und in fachgruppenspezifische Kapitel.

Viele Leistungen wurden in Leistungskomplexen zusammengefasst, etwa den nach Alter gestaffelten Ordinationskomplex, die Betreuungs- oder die Chronikerpauschalen.

Für alle Leistungen waren Zeiten hinterlegt, um die Plausibilität der Leistungserbringung zu kontrollieren.

Den Redakteuren im Wirtschaftsressort der "Ärzte Zeitung" unter der Leitung von Kurt Frank Erdmann wurde bald bewusst, dass eine außergewöhnliche Aktion nötig sein würde, um die Informationsbedürfnisse der Leser adäquat zu befriedigen: Die Idee der großen "EBM-Hotline" wurde geboren.

Die Leser der "Ärzte Zeitung" und des im selben Verlag erscheinenden "WirtschaftsTipp" wurden von Februar an eingeladen, Fragen zum neuen EBM zu stellen - nicht, wie der Name "EBM-Hotline" glauben machen könnte - per Telefon, sondern per Fax, per Mail oder per Brief.

Ein Team von sieben Ärzten und EBM-Experten stand bereit, alle Fragen zu beantworten, und auch die Redakteure wurden schnell zu echten Abrechnungsexperten.

10.000 Fragen

Denn die Reaktion der Leser auf das Angebot ihrer Tageszeitung war überwältigend: Eine Flut von Anfragen erreichte die Redaktion, insgesamt beteiligten sich rund 5000 Ärzte an der Aktion, sie stellten etwa 10.000 Fragen, von denen natürlich viele doppelt waren.

Binnen vier Monaten veröffentlichte die "Ärzte Zeitung" zwischen März und Juni 3000 Antworten der Experten auf täglich zwei bis vier Seiten pro Ausgabe ausschließlich zum neuen EBM - bis zum Ende des zweiten Quartals, also dem Tag der ersten Abrechnung unter neuen EBM-Bedingungen.

Für die Experten war es ein hartes Brot, denn die Leistungslegenden und die Allgemeinen Bestimmungen ließen manchen Interpretationsspielraum, und nicht in jeder KV wurden die Regeln zu Beginn in derselben Weise interpretiert.

Zudem war der EBM 2000plus von der KBV-Spitze von Beginn an als "lernendes System" konzipiert, was den Abrechnungsexperten Dr. Jörg A. Rüggeberg damals zum Ausruf brachte: "Man kann gar nicht so schnell kommentieren, wie geändert wird."

Nach vier Monaten fiel die Bilanz der "EBM-Hotline" positiv aus - viele Wissenslücken der Ärzte waren gefüllt, viele Unklarheiten noch vor der Abrechnung beseitigt worden.

Die Bilanz der Vertragsärzte zum neuen EBM fiel dagegen zwiespältig aus, denn die Honorarbudgets blieben erhalten - auch die später eingeführten Regelleistungsvolumina haben das letztlich nicht geändert. (ger)

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