Ärzte Zeitung, 07.06.2012

Kandidat für den Springer Medizin CharityAward 2012: Taube Kinder lernen Hören e.V.

Wie Kinder die Welt des Hörens entdecken

Jeden Tag werden in Deutschland ein bis zwei gehörlose Kinder geboren. Das Anliegen des Fördervereins "Taube Kinder lernen hören" ist es, diese Kinder mit einem Cochlear-Implantat zu versorgen.

Von Ursula Armstrong

Wie Kinder die Welt des Hörens entdecken

Bekommen gehörlose Kinder frühzeitig ein Cochlear-Implantat, entwickeln sie sich wie Kinder ohne angeborenen Hörschaden.

© Prof. Dr. R. Laszig

FREIBURG. Verschmitzt lächelnd schaut ein kleines Mädchen zur Seite, als hätte sie etwas Außergewöhnliches gehört, in den Augen der Ausdruck von großer Begeisterung.

Wer die Website des Fördervereins "Taube Kinder lernen hören" anklickt, muss unweigerlich lächeln und versteht sofort, was gemeint ist mit dem einzigen Satz auf der ersten Seite: "Wenn ein taubes Kind die Welt des Hörens entdeckt - das ist ein Erlebnis, das niemand mehr vergisst!"

Jeden Tag werden in Deutschland ein bis zwei gehörlose Kinder geboren. Bei weiteren Kindern führen Infektionen zu schweren Hörschädigungen. Ein frühes Cochlear-Implantat ermöglicht es ihnen, zu hören und sprechen zu lernen wie Kinder ohne Höreinschränkungen.

Bei einem Cochlear-Implantat werden mikrochirurgisch Elektroden ins Innenohr implantiert. Außerdem gehören ein Mikrofon und ein Sprachprozessor dazu, die wie ein Hörgerät hinter dem Ohr getragen werden.

Das Gerät überträgt die Laute als Signale über das Implantat zum Hörnerv in der Cochlea.

Verein arbeitet mit Uniklinik Freiburg zusammen

Dass diese Systeme gehörlosen Kindern eine weitgehend normale Sprachentwicklung ermöglichen, ist erst vor zwei Jahren in einer US-Studie nachgewiesen worden (JAMA 2010, 303: 1498).

Bekamen taube Kinder bereits vor dem 18. Lebensmonat ein Cochlear-Implantat, hatten sie als Dreijährige eine Sprachverständigung wie normal hörende Kinder. Je später sie mit einem Implantat versorgt wurden, desto länger dauerte die Phase des Aufholens.

Der Förderverein "Taube Kinder lernen hören" hat das Ziel, möglichst vielen tauben Kindern möglichst früh zu dieser Behandlung zu verhelfen. Dazu unterstützt der Verein das Implant Centrum Freiburg (ICF) der Universitäts-HNO-Klinik.

Das ICF besteht seit fast 20 Jahren. Bisher sind über 2000 Patienten mit Cochlear-Implantaten versorgt worden. Jährlich kommen 250 Patienten dazu. Die meisten sind Kinder, aber auch spät ertaubte Erwachsene können mit Implantaten wieder hören und ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen.

Patienten mit ganz neuen Erfahrung des Hörens nicht alleingelassen

Taube Kinder lernen Hören e.V.

Wie Kinder die Welt des Hörens entdecken

Cochlear-Implantate ermöglichen tauben Kindern das Hören und damit auch das Sprechen. Für diese erfolgreiche Behandlungsmöglichkeit setzt sich der Förderverein "Taube Kinder lernen hören" ein.

Seit 17 Jahren unterstützt der Verein mit Mitgliedsbeiträgen und Spenden Ausbau und Ausstattung des Implant Centrums der Uni-HNO-Klinik Freiburg. Jährlich werden hier 250 Patienten, meist Kinder, mit Cochlear-Implantaten versorgt. Damit ist sogar bei gänzlich taub geborenen Kindern eine weitgehend normale Sprachentwicklung möglich. Das Centrum übernimmt auch die Nachbetreuung, da Implantate regelmäßig angepasst werden müssen. Der Fördervereins setzt sich auch für die Forschung und die technische Entwicklung ein. (ug)

www.taube-kinder-lernen-hoeren.de

Das ICF übernimmt nicht nur die Operationsvorbereitung, sondern auch die unverzichtbare Langzeitbetreuung. Denn ein optimales Hör- und Sprachvermögen erfordere lebenslange Anpassung und Betreuung - und das zwei bis drei Mal pro Jahr, wird erklärt.

Die Patienten werden nach der Operation fachpädagogisch und logopädisch betreut, denn sie sollen mit der für sie oft ganz neuen Erfahrung des Hörens nicht alleine gelassen werden. Auch eine psychologische Begleitung wird angeboten.

Alle Patienten werden bei jedem Aufenthalt von einem HNO-Facharzt untersucht. Mit ausführlichen Hör- und Sprachtests wird jeweils das Sprachverstehen ermittelt.

Das neue Hören kann auch im Klanggarten des Centrums getestet und erlebt werden. Hier können die Kinder Klangveränderungen wie laut-leise, hoch-tief und schnell-langsam erfahren und spielerisch an Instrumenten ausprobieren.

Da gibt es ein Lithophon, ein großes Xylophon aus Stein, einen Summstein oder eine Kling-Klang-Scheibe. Der Klanggarten soll die Kinder motivieren, sich auf den Hörprozess einzulassen. Über das Spiel erleben sie so, dass Hören Spaß machen kann.

Mit einem Klanggarten soll Hören Spaß machen

Dieser Klanggarten wurde 2008 eingerichtet und vom Förderverein "Taube Kinder lernen hören" mitfinanziert. Der Verein besteht seit 17 Jahren und hat heute etwa 100 Mitglieder.

Alle, die in der Fördergesellschaft tätig sind, arbeiteten zu 100 Prozent ehrenamtlich, erklärt Professor Dr. Roland Laszig, der Ärztliche Direktor der Universitäts-HNO-Klinik und des ICF. Alle Spenden, die der Verein sammelt, würden zu 100 Prozent dem ICF zur Verfügung gestellt.

Zurzeit dienten sie zum Beispiel dem Ausbau des Centrums. "Notwendigerweise auftretende Kosten, zum Beispiel für Porto oder Drucksachen, werden entweder privat von Vorstandsmitgliedern getragen, oder es werden dafür gezielt Sponsoren gesucht", so Laszig.

Öffentlichkeitsarbeit ist ein weiteres zentrales Anliegen. Die Möglichkeit, die die Behandlung mit Cochlear-Implantaten bietet, soll bekannter werden.

Bei Dinnershows und "Literarischen Soirées" wird deshalb immer wieder die zentrale Botschaft vermittelt: dass taube Kinder hören lernen können.

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