Ärzte Zeitung, 29.01.2016

CharityAward

Die fünf Sieger im Porträt

Die Fachverlagsgruppe Springer Medizin zeichnet seit Jahren ehrenamtliches Engagement aus - mit dem CharityAward. Wir stellen die fünf Sieger vom vergangenen Jahr vor.

Die fünf Sieger im Porträt

Der CharityAward und die Galenus-von-Pergamon-Medaille werden jedes Jahr von Springer Medizin verliehen.

© Stefan Maria Rother

BERLIN. Ehrenamtliches Engagement hat in Deutschland Tradition. Etwa ein Drittel der Bundesbürger engagiert sich in Kirchen, Vereinen und karitativen Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, Alte und Bedürftige.

Um ihren bürgerschaftlichen Einsatz zu würdigen, hat die Fachverlagsgruppe Springer Medizin, zu der auch die "Ärzte Zeitung" gehört, den CharityAward ins Leben gerufen, der vor allem innovative Projekte in der Gesundheitsversorgung belohnt.

49 Initiativen hatten sich 2015 um den nunmehr siebten CharityAward beworben, von denen sich gleich fünf Sieger über die Mitte Oktober bei einer großen Gala in Berlin verliehenen Auszeichnungen freuen durften.

Die attraktiven Geldpreise und Medienpakete werden von Springer Medizin, TV-Wartezimmer, der Anwaltskanzlei Ehlers, Ehlers & Partner sowie dem Berufsverband der Humangenetiker finanziert.

Heute stellt die"Ärzte Zeitung" auf drei Seiten die fünf Sieger bei der Preisverleihung 2015 vor: die "Praxis ohne Grenzen" aus Hamburg, das "Babylotsen"-Projekt der Stiftung "SeeYou", die Initiative "LandArztMacher".

Außerdem die vom Kinderhospiz St. Nikolaus ins Leben gerufenen Initiative "Das junge Ehrenamt" sowie den Verein VITA Assistenzhunde e. V.

Die Vorbereitungen für den CharityAward 2016 laufen. (smi)

Wenn Patienten durchs Netz fallen

Die fünf 

Sieger im Porträt

Professor Peter C. Ostendorf engagiert für Menschen ohne Krankenversicherung.

© Praxis ohne Grenzen

Eine 65-jährige Frau aus Ghana reist im Sommer nach Hamburg, um ihren Sohn und ihr Enkelkind zu besuchen. Während ihres Aufenthaltes erkrankt sie an hohem Fieber.

Ihr Visum läuft ab, an eine Rückreise ist nicht mehr zu denken. Die Patientin hat keinen Versicherungsschutz - was soll sie tun? Ihr Sohn bringt sie in die "Praxis ohne Grenzen". Dort diagnostizieren die Ärzte eine Malaria tropica und eine ausgeprägte Herzschwäche.

Sie vermitteln die Patientin ans UKE, dessen Spezialisten schwere Schädigungen ihrer Herzklappen und Koronararterien feststellen. Die Ghanaerin benötigt einen 4- fachen Bypass. Kosten: 27 000 Euro. Die "Praxis ohne Grenzen" gibt eine Übernahmegarantie. Inzwischen befindet sich die 65-Jährige in der Rehaphase - es geht ihr gut.

Ähnliche Schicksale erfahren die Mitarbeiter der "Praxis ohne Grenzen" Woche für Woche und tun alles dafür, das Leid ihrer Patienten zu lindern. Für ihren ehrenamtlichen Einsatz hat die Hamburger Einrichtung im vergangenen Herbst den 1. Preis des von Springer Medizin vergebenen CharityAwards 2015 erhalten.

Ohne Versicherungsschutz

In Deutschland gilt seit dem 1. Januar 2009 eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Dennoch leben hierzulande Schätzungen zufolge zwischen 200 000 und 500 000 Menschen ohne Versicherungsschutz: Selbstständige, die in Insolvenz geraten sind und sich den Krankenkassenbeitrag nicht leisten können, Obdachlose, Asylsuchende, Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus und EU-Bürger aus Osteuropa, die noch keine sozialversicherungspflichtige Arbeit in Deutschland gefunden haben.

Das Leben ohne Krankenversicherung hat für Betroffene oft katastrophale Folgen: Krankheiten werden verschleppt, Wunden nicht adäquat versorgt, die Patienten bleiben, da sich ihr Gesundheitszustand zusehends verschlechtert, daheim und verlieren jeden Anschluss, weshalb viele am Ende auch noch psychisch erkranken - ein Teufelskreis.

Professor Peter C. Ostendorf, ehemaliger Chefarzt des Zentrums für Innere Medizin im Hamburger Marienkrankenhaus, startete im Frühjahr 2014 eine Initiative, um die als unerträglich empfundene Situation der Betroffenen zu verbessern. Gemeinsam mit Kollegen eröffnete er in drei Räumen, die ihm die Gesellschaft "Pflegen & Wohnen" im Senioren Centrum Horn unentgeltlich zur Verfügung stellte, die erste Hamburger "Praxis ohne Grenzen".

Das Mobiliar stammte aus der ausgemusterten Intensivstation des Marienkrankenhauses, wo Ostendorf sogar die Seifenspender abmontierte. Mehrere Stiftungen unterstützten die Anschaffung der medizinischen Geräte, auf die viele Hersteller zudem großzügige Rabatte gewährten. Im ersten Jahr kamen insgesamt 1280 Patienten in die Sprechstunde, zu der die "Praxis ohne Grenzen" jeden Mittwoch von 15 bis 18 Uhr einlädt.

Der ständig steigenden Nachfrage wegen sah man sich bald gezwungen, sowohl die Räumlichkeiten als auch das Angebot zu erweitern. Die notwendig gewordenen Umbauten finanzierte die Reimund C. Reich-Stiftung. Inzwischen verfügt die "Praxis ohne Grenzen" in Hamburg-Horn über zwölf Räume, verteilt auf 320 Quadratmeter.

Kostenlose Sprechstunden

Waren in der Ambulanz zunächst nur Internisten, Dermatologen, Gynäkologen und Pädiater tätig, so laden heute auch Zahnärzte, Augenärzte, HNO-Ärzte, Chirurgen und Orthopäden in die kostenlose Sprechstunde, wo sich Patienten auf Wunsch auch anonym behandeln lassen können. Ergänzt wird das medizinische Angebot durch eine Sozialberatung.

Mittlerweile arbeiten 41 Ärzte, zwölf Krankenschwestern und Medizinisch-technische Assistentinnen sowie zwei Dolmetscher und eine Bürokraft in der Hamburger Einrichtung, die sich vor allem durch Spenden finanziert. Künftig rechnet Ostendorf mit bis zu 2500 Patienten pro Jahr, nicht zuletzt der steigenden Flüchtlingszahlen wegen. Finanzielle Engpässe ergäben sich mitunter durch teure Medikamente, Operationen und aufwendige Therapiekonzepte.

Das mit dem CharityAward verbundene Preisgeld von 20.000 Euro, sagte der 77-jährige Internist bei der Preisverleihung in Berlin, "gibt uns eine Reserve für Notfälle, Operationen oder Chemotherapien".

Mit dem Medienpaket in Höhe von 100.000 Euro, unterstützt von Springer Medizin und dem TV-Wartezimmer aus Freising, will der ehemalige Chefarzt den Bekanntheitsgrad seiner Initiative erhöhen und auf diese Weise weitere Spenden generieren. (Smi)

Lotsen im Dienst für Babys und Mütter

Die fünf Sieger 

im Porträt

Die Lotsin ist kompetente Ansprechpartnerin, wenn es Probleme gibt - davon profitieren Mutter und Baby gleichermaßen.

© SeeYou

Ein junges Paar erwartet sein erstes Kind. Drei Monate vor dem errechneten Termin wird die werdende Mutter mit heftigen Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert. Das Neugeborene kommt per Kaiserschnitt auf die Welt. Es wiegt 900 Gramm, sein Zustand ist kritisch, doch das Frühchen überlebt. Drei Monate später darf es in sein neues Zuhause. Es wiegt jetzt 2000 Gramm, Herz und Atmung werden von daheim überwacht.

Unterstützung erhalten die völlig überforderten Eltern in dieser schwierigen Situation von Mitarbeitern der Stiftung "SeeYou", die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Familien mit schwer kranken Kindern über den stationären Aufenthalt hinaus zu helfen. Speziell für ihr "Babylotsen"-Programm ist "SeeYou" nun mit dem 2. Preis des von Springer Medizin vergebenen CharityAwards 2015 ausgezeichnet worden, eine Anerkennung für herausragendes bürgerschaftliches Engagement.

Die Stiftung "SeeYou - Familienorientierte Nachsorge Hamburg" der Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift gGmbH unterstützt seit 2004 nicht nur Familien mit schwer oder chronisch kranken Kindern, sondern auch psychosozial belastete Eltern dabei, das familiäre Leben bestmöglich zu gestalten.

Das von "SeeYou" entwickelte Programm "Babylotse", von der Hamburger Universität wissenschaftlich evaluiert, ist inzwischen so erfolgreich, dass es an allen Hamburger Geburtskliniken, vielen Frauenarztpraxen und an Einrichtungen in drei weiteren Bundesländern angeboten wird.

Bereits bei der Anmeldung zur Geburt werden Schwangere über das breite Programm informiert. Babylotsen beraten zu Themen rund um die Schwangerschaft und die medizinischen Untersuchungen nach der Geburt, informieren über die Angebote für Familien in ihrem jeweiligen Stadtteil, vermitteln Kontakte, besuchen die Jungeltern daheim oder begleiten sie auf Wunsch zu Behörden. Wer Schwierigkeiten hat, sich mit Ämtern oder sonstigen Institutionen zu verständigen, dem wird ein Babylotse zugewiesen, der auch dolmetschen kann.

Hilfe für junge Eltern

Die Geburt eines Kindes ist gerade für viele junge Eltern nicht nur mit großer Freude, sondern auch großer Angst verbunden. Babylotsen sind speziell ausgebildet, um die Bedürfnisse von jungen Familien zu erkennen, und stehen mit Dutzenden Einrichtungen in Kontakt, die in speziellen Fragen weiterhelfen können.

Die meisten Lotsen haben Sozialpädagogik, Sozialarbeit oder Pädagogik studiert, aber auch Hebammen sind darunter.

In Hamburg gibt es mehr als 400 Institutionen für die frühe Hilfe. Ganz gleich ob es um Geldsorgen von Alleinerziehenden, Gewalt in der Ehe oder die richtige Ernährung fürs Kind geht - die Helfer lotsen die jungen Eltern genau ins Ziel. Manchmal reicht schon ein Gespräch, um Ängste zu nehmen. Babylotsen sind offen, nehmen sich Zeit und verfügen über eine Eigenschaft, die gerade im hektischen Baby-Alltag unschätzbar ist: Geduld.

"Wir haben die Vision, dass auch das Leben von Familien mit hohen Belastungen gelingen kann", beschreiben die Initiatoren von "SeeYou" ihr Leitbild. "Wir möchten hinsehen und mit unserer Arbeit einen Beitrag in einem solidarischen Gemeinwesen leisten."

Die Juroren des CharityAwards überzeugte das Engagement der Stiftung so sehr, dass sie das Babylotsen-Projekt von "SeeYou" mit dem 2. Preis der begehrten Auszeichnung ehrten.

"Wir brauchen vor allem Öffentlichkeitsarbeit, um mehr Frauen- und Kinderärzte zu erreichen", sagte der Hamburger Pädiater Dr. Sönke Siefert, Gründer und Geschäftsführer der Stiftung "SeeYou", bei der Preisverleihung in Berlin.

Vor allem dafür wollen er und seine Kollegen das mit dem CharityAward verbundene Preisgeld in Höhe von 15 000 Euro sowie das Medienpaket von 60 000 Euro (gesponsert von Springer Medizin, der Anwaltskanzlei Ehlers, Ehlers & Partner sowie TV-Wartezimmer aus Freising) einsetzen. (smi)

"Landarzt zu sein ist der schönste Beruf"

Die fünf Sieger 

im Porträt

Reale Behandlungssituation: Dr. Jana Riedl (Mitte) unterstützt die Studenten bei der Sonografie.

© Privat

Ärztemangel in ländlichen Regionen wird seit vielen Jahren beklagt. Mit Stipendien, finanziellen Anreizen und anderen Erleichterungen versucht man vielerorts, junge Mediziner aufs Land zu locken - mit wechselndem Erfolg. Vier Ärzte aus dem bayrischen Wald gehen einen anderen Weg.

Für sie, die sich als Macher verstehen, ist der Landarzt der Traumberuf schlechthin. Genau das wollen sie angehenden Ärzten vermitteln: durch Praktika, Ausbildungsmodelle, persönliche Betreuung und Vernetzung in der Region. Für ihr Engagement sind die "LandArztMacher" mit dem 3. Preis des von Springer Medizin vergebenen CharityAwards ausgezeichnet worden.

Als "Investition in die Zukunft" betrachtet Privat-Dozent Martin Kammerl, Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie und Dialyse mit einer Praxis am Zwieseler Kreiskrankenhaus, jenes Programm, das er und seine Kollegen Dr. Jana Riedl, Fachärztin für Innere Medizin am Kreiskrankenhaus Viechtach, Dr. Wolfgang Blank, Facharzt für Innere Medizin und Allgemeinmedizin in Kirchberg, sowie Dr. Martin Müller, Orthopäde und Unfallchirurg am Kreiskrankenhaus Zwiesel, 2013 entwickelt haben.

"Es ist wichtig, die Medizinstudenten auf ihrem Weg in die Ausbildung zu unterstützen", so Kammerl. "Und das ist manchmal mit Aufwand verbunden."

Zwiesel, Viechtach und Kirchberg liegen im Landkreis Regen, in dessen 24 Gemeinden etwa 78 000 Einwohner leben. Höchster Berg ist mit 1455,5 Meter der Große Arber unweit der deutsch-tschechischen Grenze. Im Arberland haben die "LandArztMacher" vor drei Jahren ihre "Exzellent"-Initiative gestartet, in der sie angehenden Medizinern eine "hervorragende ärztliche Weiterbildung" garantieren.

Während ihrer Praktika lernen die Jungärzte sowohl den Alltag eines Landarztes als auch das "Land" selbst kennen, schätzen oder manchmal sogar lieben.

"Wir vermitteln ihnen positive Modelle für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance", erklärt Hausarzt Blank. "Die aktiven Netzwerke zwischen den verschiedenen Fachgruppen in Klinik und Praxis und die konstruktive Zusammenarbeit mit den nichtärztlichen medizinischen Fachberufen machen für die Studierenden oft zum ersten Mal erfahrbar, wie wertvoll gut funktionierende und aktiv gelebte Netzstrukturen sind."

Vierwöchige Gruppenpraktika zweimal im Jahr

Jeweils im März und August laden die "LandArztMacher" bis zu 23 Studenten für vierwöchige Gruppenpraktika in die Region, veranstalten viermal pro Jahr Thementage mit 20 Medizinstudenten und einmal jährlich ein Themenwochenende mit mehr als 50 Studenten. Während ihres Aufenthaltes in der Region werden die angehenden Ärzte intensiv von erfahrenen Kollegen betreut, die sie ermuntern, praktische Erfahrungen zu sammeln, und ihnen auf Augenhöhe begegnen.

Fortbildungen, etwa in Sonographie, Blutentnahme und EKG, ergänzen die praktische Anschauung. Dank einer breiten Unterstützung durch den Landkreis, ortansässigen Firmen und Krankenkassen haben die Medizinstudenten während ihres Aufenthalts im Landkreis Regen freie Kost und Logis. Ausflüge und Unternehmungen schaffen eine Bindung zur Region und deren Einwohnern.

"Wir wollen den jungen Ärzten zeigen, dass der Bayerische Wald eine gute Existenzgrundlage sein kann", sagt Wolfgang Blank.

Einer eigenen Evaluation zufolge haben er und seine Kollegen mit ihrer Initiative tatsächlich den gewünschten Erfolg. Durch die Teilnahme am Projekt verbesserten sich bei den Jungmedizinern sowohl die Haltung zum ärztlichen Beruf als auch die Einstellung zum Landleben.

"Wir meinen, Landarzt zu sein, ist der schönste Beruf", erklärte Blank bei der Verleihung der CharityAwards in Berlin. (smi)

Junge Begleiterim Kinderhospiz

Die fünf 

Sieger im Porträt

Kinderhospiz St. Nikolaus in Memmingen: Patient Josef freut sich mit Sarah, die ehrenamtlich tätig ist.

© Kinderhospiz St. Nikolaus

In Deutschland leben mehr als 22.000 Kinder und Jugendliche mit einer Erkrankung, in deren Folge sie noch in jungen Jahren sterben werden, da es keine Heilungschancen gibt. Betreut werden sie zumeist in Hospizen. Viele junge Patienten vermissen dort jedoch den Kontakt zu Gleichaltrigen.

Aus diesem Bedürfnis heraus entstand am Kinderhospiz St. Nikolaus die Initiative "Junges Ehrenamt", ein innovatives Projekt, das 2015 mit dem 4. Preis des von Springer Medizin verliehenen CharityAwards ausgezeichnet worden ist.

Mukopolysaccharidose, Aicardi-Goutières-Syndrom, Tay-Sachs-Syndrom, Pelzaeus-Merzbacher-Syndrom, GM I-Gangliosidose, Muskeldystrophie oder Leukodystrophie lauten die Diagnosen, die Eltern entwicklungsgestörter Kinder oft erst nach jahrelanger Odyssee durch Arztpraxen, Krankenhäuser und Spezialkliniken erhalten. Verbunden mit der Diagnose, hinter der sich in der Regel eine genetisch bedingte, unheilbare Stoffwechselkrankheit verbirgt, ist die Mitteilung, dass ihr Kind schon in naher Zukunft sterben wird.

Viele Eltern pflegen ihr Kind zunächst daheim, stoßen jedoch meist bald an ihre Grenzen. Entlastung und Hilfe finden sie schließlich in einem der auf solche Bedürfnisse ausgerichteten Hospize, wo die Familien auf Wunsch bis zuletzt an der Seite ihres Kindes bleiben können.

Bewerbung in Berufsschulen

Derzeit bieten bundesweit 13 stationäre Kinderhospize, zwei stationäre Jugendhospize und mehr als 100 ambulante Hospizdienste ihre Unterstützung für junge Patienten und deren Familien an. Das Kinderhospiz St. Nikolaus wurde 2006 als erste süddeutsche Einrichtung ihrer Art im Kneippkurort Bad Grönenbach im Allgäu eröffnet.

Träger ist die Süddeutsche Kinderhospiz-Stiftung in Memmingen, die für lebensverkürzend erkrankte Kinder und Jugendliche im Allgäu auch einen ambulanten Hospizdienst anbietet.

Darüber hinaus gibt es eine eigene Akademie, in der Seminare und Fortbildungen rund um die Kinderhospizarbeit angeboten werden. Als vor zwei Jahren die Sozialwirtin Katrin Milde die Leitung des ambulanten Hospizdienstes der Kinderhospiz-Stiftung übernahm, entwickelte sie ein Konzept, das die Ausbildung von Berufsschülern und Studenten zum "Jungen Ehrenamt" vorsieht.

Damit reagierte sie auf einen oft geäußerten Wunsch ihrer unheilbar erkrankten Patienten. "Ziel des Projektes ist es, den Jugendlichen junge Begleiter an die Hand zu geben, die von den Interessen und vom Alter her ideal zu ihnen passen", erklärt die 29-Jährige, die schon während ihres Studiums im Kinderhospiz St. Nikolaus tätig war. "Für die Entwicklung ist es wichtig, dass unsere Schützlinge junge Menschen mit der gleichen Wellenlänge als Ansprechpartner haben."

Vor allem in Fachhochschulen, Berufsschulen und Fachakademien wirbt Katrin Milde für ihr Projekt. Die Ausbildung zum ehrenamtlichen Kinderhospizbegleiter ist komplex und wird bundesweit anerkannt.

Im Ambulanten Hospizdienst für Kinder und Jugendliche im Allgäu sind aktuell 27 Ehrenamtliche im Einsatz, seit Beginn des Projekts wurden fast 200 Studenten für diese Tätigkeit ausgebildet. Sie sind Gesprächspartner der Patienten, unterstützen im Alltag und planen gemeinsam Freizeitaktivitäten. Dadurch entlasten sie die Familien und stärken ihre Selbsthilfe. (smi)

Vierbeiner geben neuen Lebensmut

Die fünf 

Sieger im Porträt

Ein Junge mit Behinderung und sein treuer vierbeiniger Freund, der das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein seines Partners steigert.

© Vita e.V.

Der kleine Can leidet aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung an einer infantilen Cerebralparese. Nach einem schweren Unfall zieht er sich immer mehr in sich zurück. Weder die Ärzte noch seine Eltern wissen Rat. Erst als sich Mr. Winter auf leisen Pfoten in sein Leben schleicht, findet Can neuen Lebensmut.

Der Golden Retriever ist ein Assistenzhund, den der Verein VITA der Familie von Can zur Seite stellt. Für ihren Einsatz zugunsten von Menschen mit Behinderungen hat der in Frankfurt am Main gegründete Verein den 5. Preis des von Springer Medizin vergebenen CharityAwards 2015 erhalten.

VITA Assistenzhunde e. V. wurde im März 2000 von Tatjana Kreidler ins Leben gerufen. Nachdem die Diplom-Sozialpädagogin im Anschluss an ihr Studium in England bei Hilfsorganisationen eine Ausbildung zur Assistenzhundetrainerin absolviert hatte, war sie so begeistert von den Erfolgen der "Medizin auf vier Pfoten", dass sie beschloss, eine ähnliche Einrichtung in Deutschland zu gründen.

Ziel ihres Vereins war von Anfang an, Menschen mit einer Behinderung zu mehr Unabhängigkeit, Lebensqualität und sozialer Integration zu verhelfen. Kinder und Jugendliche sollten dabei nicht ausgenommen werden. 2007 erhielt VITA Assistenzhunde als erster Verein auf dem europäischen Festland das Gütesiegel der Assistance Dogs Europe.

Bis heute hat Tatjana Kreidler rund 20 Hunde für die Arbeit mit Kindern ausgebildet. Dabei hat sie eine Methode entwickelt, um Mensch und Hund füreinander zu sensibilisieren und zu echten Partnern zu machen.

Eingespieltes Team

Auch Can und Mr. Winter sind inzwischen ein eingespieltes Team. Der Retriever fördert und fordert den heute 12-jährigen Jungen tagtäglich. Durch den Umgang mit dem Assistenzhund hat sich Cans Feinmotorik verbessert, seine Konzentrationsfähigkeit ist gestiegen und ebenso sein Selbstbewusstsein sowie seine Selbstständigkeit.

"Bis heute hat Can durch keine andere Therapie nur ansatzweise so viel gelernt und sich erarbeitet wie mit Mr. Winter", sagt Cans Vater Thorsten Hormann. "Can weiß nun, dass er doch etwas kann - was das bedeutet, lässt sich nur schwer in Worte fassen."

Tatsächlich bereichern die sorgfältig ausgewählten, bei Paten aufgezogenen und sozialisierten Hunde nicht nur das Leben vieler behinderter Menschen, sondern auch das von deren Familien.

Die Hunde - Golden und Labrador Retriever - heben heruntergefallene Gegenstände auf, apportieren klingelnde Telefone, assistieren beim Ausziehen der Kleidung und holen im Notfall Hilfe. Daneben spenden sie Trost und fördern das Selbstbewusstsein ihres Partners sowie dessen Bereitschaft und Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Derzeit, so Tatjana Kreidler, warteten mehr als 100 Interessenten auf einen Assistenzhund von VITA. Aber alle Wünsche könne man nicht erfüllen, da Anschaffung, Ausbildung und Zusammenführung eines einzigen Assistenzhundes mit seinem neuen Partner etwa 25 000 Euro kosteten.

Das jedoch könne kaum ein Bewerber aufbringen. Der Verein trägt die Hauptkosten selbst. Er finanziert sich ausschließlich aus Spenden, Fördermitteln und über Sponsoren. (smi)

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