Ärzte Zeitung, 17.02.2010

Mit Asthma noch einmal aufs Siegerpodest?

Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma will in Vancouver gewinnen - dass sie Asthmatikerin ist, macht ihr dabei weniger zu schaffen als eine Verletzung im Kniegelenk.

Von Pete Smith

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Kufen in Ordnung? Anni Friesinger-Postma geht in Vancouver über 1000 und 1500 Meter an den Start © dpa

Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Eisschnellläuferinnen aller Zeiten und will in Vancouver noch einmal angreifen: Anni Friesinger-Postma (33), gehört schon seit 13 Jahren zur Weltspitze, und das, obwohl sie chronisch krank ist - sie leidet an Asthma. Auch in Kanada ist sie auf ihre Medikamente angewiesen.

Die Olympia-Vorbereitung verlief für Friesinger-Postma nicht optimal. Zu Beginn der Saison musste sie mehrere Rückschläge wegstecken. Eine Entzündung im Kniegelenk macht ihr immer wieder zu schaffen. Und es gab weitere Probleme: Friesinger wollte sich nicht länger von Eisschnelllauf-Teamarzt Gerald Lutz behandeln lassen. Der Grund: Ihre Dauerrivalin Claudia Pechstein war von der Mehrkampf-WM im Februar 2009 vorzeitig abgereist - wegen eines "klaren Falls" von Influenza, wie Lutz als Arzt offiziell diagnostiziert hatte. Später stellte sich heraus, dass der wirkliche Grund für Pechsteins Abreise die Nachricht des Weltverbandes über ihre auffälligen Blutwerte gewesen war. Shorttrack-Arzt Dr. Mario Bottesi kümmert sich inzwischen um Friesingers angeschlagenes Knie. Von ihm fühlt sie sich gut betreut.

Auch die Eltern waren Eisschnelläufer

Anna Christine Friesinger wurde 1977 in Bad Reichenhall geboren. Schon ihre Eltern waren Eisschnellläufer. Früh entwickelte sich Anni zur Allrounderin, die neben dem Sprint (500 Meter) auch in den Ausdauerstrecken (3000 und 5000 Meter) in die Weltspitze vorstieß. Erstmals machte die 1,69 Meter große Eisschnellläuferin 1998 bei den Olympischen Spielen von Nagano von sich reden, als sie die Bronze-Medaille über 3000 Meter errang. Schon vier Jahre später in Salt Lake City zog sie mit Gold über 1500 Meter dann endgültig in den Olymp ein. 2006 in Turin gewann sie ebenfalls die Goldmedaille, diesmal mit der Mannschaft. Bei Weltmeisterschaften stand sie unglaubliche 16 Mal auf der obersten Stufe des Siegertreppchens.

Der Sport bestimmt zwar ihr Leben, dennoch findet Anni Friesinger die Zeit, auch ihren anderen Interessen zu frönen. Sie arbeitet in ihrer Freizeit als Designerin und sorgte vor allem mit ihren Fotoshootings als (Unterwäsche-)Model für Aufsehen. Ihr Gesicht leiht die Sportlerin darüber hinaus seit Jahren einer Kampagne gegen Aids. Sie ist mit dem ehemaligen niederländischen Eisschnellläufer Ids Postma verheiratet. An ihrem Sport fasziniere sie vor allem das "atemberaubende Tempo", wie Anni Friesinger-Postma einmal verriet. Dass ihr dabei nicht die Luft weg bleibt, dafür sorgen ein angemessen dosiertes Training sowie ihre Medikamente, die sie immer mit sich führt. Mitunter bereitet ihr eine Halle mit trockener Luft Probleme, dann hilft sie sich mit feuchten Tüchern, die sie sich vor den Mund hält.

Anni Friesinger ist das beste Beispiel dafür, dass sich Spitzensport und Asthma keineswegs ausschließen. Erfahrungsgemäß seien stets zwischen fünf und zehn Prozent der für die Olympiamannschaft nominierten Sportler auf meldepflichtige Medikamente zur Behandlung eines Belastungsasthmas angewiesen gewesen, erklärt Dr. Bernd Wolfarth, leitender Mannschaftsarzt der deutschen Equipe bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver. "Da man zwischenzeitlich weiß, dass die inhalativen Asthma-Medikamente keine Leistung steigernde Wirkung haben, sind einige dieser Wirkstoffe von diesem Jahr an nur noch anzeigepflichtig und müssen nicht mehr durch komplizierte medizinische Tests gerechtfertigt werden."

Neue Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur

Damit spielt Wolfarth auf eine aktuelle Richtlinie der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA an. Seit dem 1. Januar dieses Jahres sind die Wirkstoffe Salbutamol und Salmeterol von der Verbotsliste gestrichen worden, insofern sie inhalativ und in therapeutischen Dosen eingenommen werden. Für die Athleten und Betreuer bedeutet dies eine spürbare Erleichterung, denn sie müssen für diese beiden Asthma-Präparate keine medizinische Ausnahmegenehmigung mehr beantragen - es reicht eine Erklärung, dass man auf einen der beiden inhalativen Beta-2-Agonisten angewiesen ist. Das gilt ebenso für die inhalativen Glucokorticosteroide. Systemisch eingenommen bleiben beide Wirkstoffgruppen verboten.

Weitere Berichte zu den olympischen Winterspielen in Kanada und den aktuellen Medaillenspiegel finden Sie auf unserer Sonderseite Olympia 2010

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